Parken an den unmöglichsten Stellen: Eine Schotterfläche neben dem Walchenseer Spielplatz (li.) wird in einer App als Gratis-Übernachtungsmöglichkeit angepriesen.
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Parken an den unmöglichsten Stellen: Eine Schotterfläche neben dem Walchenseer Spielplatz wird in einer App als Gratis-Übernachtungsmöglichkeit angepriesen.

Erzieherinnen müssen Haufen wegräumen

Auf beliebtem Spielplatz: Walchensee-Anwohner leiden unter Camper-Hinterlassenschaften - „Ekelhaft“

  • Andreas Steppan
    VonAndreas Steppan
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Ein Spielplatz in Walchensee gilt als Geheimtipp für kostenloses Wohnmobil-Parken. Von manchen Campern wird der Ort jedoch als Toilette missbraucht.

Walchensee - Seit Kurzem wird auch der gemeindliche Spielplatz im Ort Walchensee von Campern als Toilette missbraucht. Für Familienvater Paul Wolf ist damit das Maß des Erträglichen überschritten. „Bei uns ist es schon lange fünf nach zwölf“, sagt er.

Spielplatz am Walchensee: Auf Handy-App Geheimtipp für kostenloses Wohnmobil-Parken

Betroffen ist der Spielplatz an der Ringstraße. Die Kinder vom benachbarten Kindergarten nutzen ihn gerne zum Toben im Freien. Doch das können sie nach Wolfs Darstellung nicht mehr so unbeschwert wie früher, seit eine Handy-App für Wohnmobilisten die daneben liegende kleine Schotterfläche, auf der Eltern oft beim Bringen und Abholen stehen bleiben, als Geheimtipp für kostenloses Parken zum Übernachten empfiehlt.

„Seitdem stehen dort jeden Tag zwei, drei, vier Camper“, berichtet Wolf. Die seien nicht nur Wohnmobile mit eigener Toilette an Bord, sondern gerne auch mal umgebaute VW-Busse oder wohnlich eingerichtete alte Feuerwehrautos – deren Besitzer dann ihre Toilette in der Natur erledigen.

Walchensee: Kindergärtnerinnen müssen Haufen und Taschentücher wegräumen

So kam es, dass Wolfs Frau vor ein paar Tagen morgens eine böse Überraschung erlebte, als sie ihr Kind zum Kindergarten brachte. Direkt am Spielplatz „kam da eine fast Nackte aus dem Gebüsch, die sich offensichtlich dort gewaschen hatte“, schildert der 40-Jährige. Auch vor dem Spielplatz selbst macht mancher Besucher offenbar nicht halt. „Die Kindergärtnerinnen haben mir bestätigt, dass sie des öfteren erst mit Schaufel und Besen sauber machen müssen, um die Haufen und Taschentücher wegzuräumen, bevor sie die Kinder auf den Spielplatz lassen können.“

Walchensee: Hinterlassenschaften von Campern auf Spielplatz - „Äußerst bitter“

Auf Rückfrage des Tölzer Kurier bestätigt Armin Ebersberger, Geschäftsführer des Kindergarten- und Schulträgers „Dorfleben Walchensee“, dass so etwas schon vorgekommen sei. „Es ist nichts, was regelmäßig auftritt“, sagt er. Nicht jedes Mal müssten die Kindergärtnerinnen erst Müll sammeln, bevor die Kinder raus dürfen. „Es war selten – aber wenn es passiert, dann ist es natürlich äußerst bitter“, sagt Ebersberger.

Walchensee: Exkremente am Eingang zum Kochler Friedhof

Solche unappetitlichen Hinterlassenschaften kennt man in der Region freilich auch an anderer Stelle. Eine Minderheit der Ausflügler ist offenbar wenig heilig. Wie berichtet wurden auch schon Exkremente am Eingang zum Kochler Friedhof gefunden. Und Paul Wolf zufolge wurden vor der Aussegnungshalle des Walchenseer Friedhofs Camper beim gemütlichen Frühstück angetroffen.

Wolf selbst lebt mit seiner Familie in Obernach. Auch an örtlichen Wanderparkplätzen, auf denen er gerne zu Gassirunden starte, sei es gang und gebe, am Waldrand Menschen beim „Pieseln oder Kacken“ vorzufinden – oder ihre Hinterlassenschaften. „Ekelhaft“ sei das.

Touristen am Walchensee: „Sind an Punkt, an dem Bevölkerung sich massiv wehren muss“

„Wir sind an einem Punkt, an dem die Bevölkerung sich massiv wehren muss“, sagt Wolf. Und wie kann sie das? „Indem wir solche Vorfälle den Rangern, der Gemeinde, dem Landratsamt oder der Polizei melden“, sagt der Familienvater.

In der Konsequenz müssten dann wohl immer mehr Parkplätze gesperrt beziehungsweise für Wohnmobilisten verboten werden – auch wenn sich Wolf keinen „Schilderwald“ wünscht und er weiß, dass solche Maßnahmen alle treffen, die sich korrekt verhalten – inklusive der Einheimischen. Es sei klar, dass nur ein geringer Prozentsatz gegen die Regeln verstößt. „Aber mit der allgemeinen Zunahme der Wohnmobilisten werden auch das immer mehr.“

Hinterlassenschaften am Walchensee: „Eine Art von Tourismus, die aufhören muss“

Wolf betont, dass er nichts gegen Ausflügler und Touristen allgemein habe. Er bot zu Hause in Obernach selbst eine Ferienwohnung an. Dort aber beteilige sich eine vierköpfige Gästefamilie mit heranwachsenden Kindern bei einem zweiwöchigen Aufenthalt mit rund 100 Euro Kurbeitrag an den Kosten der örtlichen Infrastruktur, sagt er.

Aber bei vielen, die mit dem Wohnmobil übers Wochenende an den Walchensee fahren und ihr Übernachtungsfahrzeug irgendwo abstellen, „darf es nichts kosten“. Diese Gratis-Mentalität stört Wolf. „Es ist eine Art von Tourismus, die aufhören muss.“

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