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Dialog im Kraftwerk: Zeno Öttl, Wolfgang Bayer, Ulrich Strobel und Henner Beermann (v. li.) trafen sich mit Uniper-Sprecher Theodoros Reumschüssel zur Diskussion über die Zukunft der Energiegewinnung am Walchensee. 

Widersprüchliche Aussagen

Kampf gegen hässliche Schlammkrawatte am Walchensee: Hat Bürgerforum Aussagen falsch ausgelegt?

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  • Andreas Steppan
    Andreas Steppan
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Mit der Neuordnung der Wasserrechte steht am Walchensee ein Einschnitt bevor. Vor diesem Hintergrund kämpft das „Forum Walchensee“ gegen die Absenkung des Seepegels.

  • Jeden Winter wird der Walchensee um mehrere Meter abgesenkt.
  • Ein Bürgerforum will das und seine hässlichen Folgen für das Seeufer verhindern.
  • Nun wideerspricht das Wasserwirtschaftsamt Weilheim den Aussagen des Forums vehement.

Update am 4. November: Kochel am See - Das „Forum Walchensee“ – ein Kreis engagierter Bürger – kämpft gegen die winterliche Absenkung des Seepegels. In Zuge der anstehenden Neuverhandlung der Wasserrechte sehen die Bürger Chancen, ihre Forderung durchzusetzen. 

Wie berichtet (siehe ursprünglichen Artikel weiter unten) trug eine Delegation dieser Gruppierung das Anliegen vor wenigen Tagen bei einem Besuch im Walchenseekraftwerk bei Theodoros Reumschüssel vor, Pressesprecher im verantwortlichen Konzern Uniper. 

Im Vorfeld hatten die Bürger auch eingehend recherchiert und unter anderem berichtet, dass für den Hochwasserschutz die Absenkung des Seespiegels um einen Meter ausreichend sei. Das habe ihnen das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weilheim auf Anfrage bestätigt, hieß es im Gespräch.

Walchensee-Absenkung: Wasserwirtschaftsamt bezog sich auf konkreten Fall

Dem widerspricht nun aber Reumschüssel. „Nach Rücksprache mit dem WWA Weilheim halten wir fest, dass das WWA mitnichten eine maximal notwendige Absenkung des Walchensees im Winter von einem Meter bestätigt hat“, so Reumschüssel. 

Die Kommunikation zwischen Forum und Behörde habe sich „ausschließlich auf ein konkretes Hochwasser im Sommer (!) 2005 bezogen und beleuchtet nicht die Frage nach einer maximal erforderlichen Absenkung, sondern betrachtet lediglich das in diesem Fall eingenommene Wasservolumen“. 

Die vom „Forum Walchensee“ vorgenommene Schlussfolgerung „ist eine Fehlinterpretation und hält einer Überprüfung nicht stand“, so Reumschüssel.

Die Bewirtschaftung des „komplexen Walchenseesystems im gesamten Jahresverlauf“ – insbesondere im Winter – sowie die Bedeutung für den Wasserhaushalt inklusive Hoch- und Niedrigwasser für die gesamte Isar, sei überhaupt nicht thematisiert worden. Das aber werde „in den Aussagen des Forums Walchensee zur Stützung der eigenen Forderungen schlichtweg ignoriert“.

Ursprünglicher Artikel vom 25. Oktober:

Kochel am See – So malerisch der Walchensee im Sommer auch ist – im Winter bietet sich am Ufer ein Anblick, der den Naturgenuss deutlich schmälert: eine hässliche, bis zu 100 Meter breite „Schlammkrawatte“ nämlich. Sie entsteht dadurch, dass der Seepegel in den kalten Monaten um mehrere Meter abgesenkt wird. Das muss nicht sein, findet das „Forum Walchensee“.

Eine Delegation dieser Gruppierung trug dieses Anliegen nun bei einem Besuch im Walchenseekraftwerk bei Theodoros Reumschüssel vor, Pressesprecher im verantwortlichen Konzern Uniper. Die Gäste hatten ein beeindruckendes Zahlenwerk mit dabei.

2030 laufen die Wasserrechte am Walchensee aus

Das Treffen am Donnerstagabend ist vor dem Hintergrund einer historischen Zäsur zu betrachten, die am Walchensee ansteht. 2030 enden dort die Wasserrechte, die es dem Uniper-Konzern erlauben, rund um den See Wasser zur Energiegewinnung umzuleiten und zu nutzen. Der Freistaat wird dem Konzern – fristgerecht zum 30. September 2020 – ankündigen, dass diese Rechte zehn Jahre später tatsächlich auslaufen. Dies teilte kürzlich der Grünen-Landtagsabgeordnete Hans Urban mit. Er entnimmt den Termin einem Bericht der Staatsregierung zu dem Thema, den die Grünen zuvor beantragt hatten.

Somit tut sich jetzt die Gelegenheit auf, die Wasserrechte neu zu verhandeln und dabei zum Beispiel Standards in Ökologie und Hochwasserschutz nachzujustieren. Das wird ein langwieriger Prozess, in dem diverse Interessengruppen frühzeitig mitreden wollen – so auch das „Forum Walchensee“.

„Forum Walchensee“ ist Vereinigung von Menschen, die den See lieben

Bei dem „Forum“ handele es sich um eine „freie Bürgervereinigung“ von 20 bis 30 Menschen, die am See oder in der Nähe leben „und den See lieben“, sagte Sprecher Henner Beermann. Er selbst wohnt in Baierbrunn und ist Musiklehrer am Günter-Stöhr-Gymnasium in Icking. Zu dem Termin begleitet hatten ihn sein Kollege Ulrich Strobel aus München sowie zwei Männer, die in Urfeld wohnen: Bei Zeno Öttl ist das seit 40 Jahren der Fall, bei Wolfgang Bayer, Arzt im Ruhestand, erst seit Kurzem.

An besagter „Schlammkrawatte“ stört das „Forum“ nicht nur der Anblick, sondern auch, dass die winterliche Absenkung „jede Art von natürlicher Fauna“ verhindere und „Schäden an unzähligen Gebäuden“ verursache.

Berechnung besagt, dass Pegel des Walchensees nicht abgesenkt werden muss

Dem Uniper-Sprecher wollte die Gruppe nun anhand umfangreicher Recherchen beweisen, dass es für den Konzern aus wirtschaftlicher Sicht nicht ins Gewicht fallen würde, den See nur um einen statt um drei bis vier Meter abzusenken. Strobel, Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik und Lehrer für Mathe und Physik, hatte akribisch Niederschlagsdaten und Zuflussmengen zusammengetragen, daraus die mögliche Stromerzeugung errechnet und auch die Preise an der Strombörse einkalkuliert. Der Pädagoge räumte zwar ein, dass ihm betriebswirtschaftliche Einblicke in Unternehmenszahlen fehlten. Doch die Tendenz sei klar: Die Absenkung bedeute für den Kraftwerksbetreiber lediglich eine Erlössteigerung „im unteren einstelligen Bereich“.

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Zum Vergleich: Als für die Isarwasserableitung in Krün eine bestimmte Restwassermenge festgelegt wurde, habe das einen Erlösverlust von 15 bis 16 Prozent bedeutet. „Demgegenüber sind wir mit unserem Anliegen sehr kommod“, meinte Strobel.

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Reumschüssel versprach, die Daten von Fachleuten im Unternehmen überprüfen zu lassen. Doch er meldete auch Zweifel an, „ob die Grundannahmen über das komplexe System der Wasserwirtschaft und das nicht minder komplexe System der Preisbildung alle richtig und auch richtig interpretiert sind“. Er sei zudem der festen Überzeugung, dass die Pregel-Absenkung aus Hochwasserschutzgründen weiterhin notwendig sei.

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Dies bestritten wiederum die „Forums“-Vertreter. Für den Hochwasserschutz sei ein Meter Pegelabsenkung ausreichend. Das habe ihnen das Wasserwirtschaftsamt auf Anfrage bestätigt.

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