+
Dicht bevölkert war der Badestrand in Walchensee wieder einmal am vergangenen Sonntag. Eine Gruppe von Bürgern befürchtet, dass ein gep lanter provisorischer zusätzlicher Parkplatz noch mehr Besucher in den Ort bringt. 

100 von 600 Bürgern unterzeichen

Walchenseer sammeln Unterschriften gegen Parkplatz

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
    schließen

Die Idee der Gemeinde Kochel, das Wildparken von Ausflüglern im Ort Walchensee mit einem Zusatzparkplatz einzudämmen, stößt auf Gegenwehr.

Walchensee – Was sich in der Jachenau bewährt hat, soll auch im Ort Walchensee Erleichterung bringen: Angesichts des riesigen Besucheransturms und des Verkehrschaos’ an schönen Tagen plant die Gemeinde Kochel wie berichtet einen provisorischen Zusatzparkplatz auf einer Wiese im Ort. Doch genau damit zeigt sich nun eine Gruppe von Walchenseern nicht einverstanden: Sie haben rund 100 Unterschriften dagegen gesammelt – was bei rund 600 Einwohnern im Dorf einen nennenswerten Anteil ausmacht.

„Kein neuer Parkplatz auf dem Hubschrauberlandeplatz!“ ist ein Flugblatt überschrieben, das jetzt kursierte. Rund zehn Bürger haben Unterschriften gesammelt, organisatorisch laufen die Fäden bei Julia Schuster vom Café Bucherer zusammen. „Ich wohne sehr zentral im Ort, ratsche mit vielen Leuten, und habe von unterschiedlichen Seiten mitbekommen, dass die Anwohner dagegen sind“, sagt sie.

Befürchtung: Mehr Parkplätze in Walchensee ziehen mehr Besucher an

Ihr Grundgedanke: Mehr Parkplätze im Ort würden noch mehr Besucher anziehen. Dabei sei schon lange deutlich: „Der Ort platzt aus allen Nähten“, wie es in dem Flugblatt heißt. Es gibt in Walchensee zwei große Parkplätze: den an der Herzogstandbahn und einen weiteren privat betriebenen. „Wenn die voll sind, dann ist die Kapazitätsgrenze erreicht“, sagt Julia Schuster. Die Badewiese sei dann voll, die Bergbahn fahre auf Hochtouren, die Plätze in Cafés und Restaurants seien besetzt. Das gelte umso mehr in Corona-Zeiten, in denen außerdem noch Abstand gehalten werden muss. Verschärft werde die Lage dadurch, dass Walchensee nicht über die passende Infrastruktur verfüge. „Es gibt immer noch keine öffentlichen Toiletten.“

Die Initiative gegen den zusätzlichen Parkplatz richte sich nicht gegen Tagesausflügler, betont Julia Schuster. „Aber ab einem gewissen Punkt ist es hier weder für Einheimische noch für Feriengäste mehr schön“, sagt sie. „Und diese Grenze ist leider erreicht.“ Zudem wehrt sie sich dagegen, dass „eine schöne Wiese plattgemacht“ werde. „Wenn man vom Herzogstand schaut, wird man in Walchensee aber irgendwann nur noch Autos sehen.“

Gemeinde will mir Parkplatz Wohngebiete in Walchensee entlasten

Bürgermeister Thomas Holz, der derzeit Urlaub hat, hat von der Unterschriftensammlung bisher nur gehört. Er stellt zunächst klar, dass der Behelfsparkplatz nicht als dauerhafte Einrichtung gedacht sei – er habe gehört, dass auch anders kolportiert werde. Der Zusatzparkplatz sei nur als Übergangslösung in diesem Jahr gedacht. Die Nutzung der Fläche, die den Staatsforsten gehört, sei nach jetzigem Stand auch nur bis Ende Oktober möglich.

„Unser Ansinnen war, mit dem Parkplatz Autos aus den Wohngebieten rauszubekommen“, erklärt Holz. Walchenseer Bürger hätten beklagt, dass, sobald die beiden bestehenden Parkplätze voll sind, „alles mögliche zugeparkt wird bis hin zu Hofeinfahrten“. Der provisorische Parkplatz solle Entlastung für die Anwohner schaffen – auch vom Parksuchverkehr. Stelle sich aber heraus, dass die Walchenseer Bürger dies nicht wünschen, müsse man die Sache überdenken.

Bürger haben Angst, dass aus Walchensee ein zweites Ischgl wird

Im Moment aber gebe es einen Gemeinderatsbeschluss für den Parkplatz – und den wolle er zügig weiterverfolgen. Aktuell werde geprüft, wie sich die Zufahrt gestalten lasse. Erst dann könne man auch sagen, wie viele Autos auf die Fläche passen.

Aus Julia Schusters Sicht wird das wilde Parken jetzt schon gut eingedämmt – durch Polizei, Walchensee-Ranger und das Abplanken bestimmer Bereiche mit Baumstämmen. „Da sind wir auf einem guten Weg.“

Der in Walchensee lebende Gemeinderat Frank Sommerschuh (FW) erklärt, er sei in dieser Frage „hin- und hergerissen“. Auch er hat im Gemeinderat dem temporären Parkplatz zugestimmt, weil er helfen könne, das Wildparken einzudämmen. Andererseits verstehe er die Ängste der Bürger. Angesichts der Bilder, die sich erst wieder am Sonntag boten – einer Badewiese, auf der die Menschen dicht an dicht lagen – hätten viele Angst, „zu einem zweiten Ischgl zu werden“.

Lesen Sie auch: Wegen des Besucheransturms in der Region schreibt der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz einen Brandbrief

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Walchensee Kraftwerk: Infozentrum und Gastronomie wieder offen
Die lange Zwangspause ist beendet: Ab Freitag, 14. August, sind das Informationszentrum des Walchenseekraftwerks und auch die Besucherebene in der Maschinenhalle in …
Walchensee Kraftwerk: Infozentrum und Gastronomie wieder offen
Wegen Panne: 700 Raser im Oberland bekommen Führerschein zurück
Nach der Aufhebung des neuen Bußgeldkatalogs korrigiert der in Bad Tölz ansässige „Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum“ rund 16.000 Bescheide.
Wegen Panne: 700 Raser im Oberland bekommen Führerschein zurück
Mountainbiker ignoriert Absperrung und zwängt sich unter laufendem Bagger durch - „Wie lebensmüde...“
Sie ignorieren Absperrungen und bringen dadurch sich und andere in Lebensgefahr: Mountainbiker sorgen immer öfter für Ärger bei Forstarbeitern. Doch diese Aktion …
Mountainbiker ignoriert Absperrung und zwängt sich unter laufendem Bagger durch - „Wie lebensmüde...“
Trinkwasser: Benediktbeurer müssen weiter abkochen - aber es gibt gute Nachrichten
Nach der Verunreinigung des Trinkwassers müssen die Benediktbeurer weiter abkochen. Aber ein Ende dürfte in Sicht sein.
Trinkwasser: Benediktbeurer müssen weiter abkochen - aber es gibt gute Nachrichten

Kommentare