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Immer noch sind die Hubschrauber am Jochberg im Einsatz. 

Nun wird gegen die Wanderer ermittelt

Waldbrand am Jochberg: Die Ereignisse des zweiten Tages

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Kochel am See - Unermüdlich gingen an Tag 2 die Löscharbeiten beim Waldbrand am Jochberg/Graseck weiter. In der Frage, wie es zu dem Feuer kam, gab es eine Wendung: Die Polizei ermittelt gegen die Wanderer. 

Die erste Version klang für viele fragwürdig. Von einem Notsignal war die Rede, das ein Wanderer nach dem Absturz seines Begleiters entzündet haben wollte, um die Rettungskräfte auf sich aufmerksam zu machen (wir berichteten). Montagmittag leitete die Polizei nun in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft München II Ermittlungen wegen fahrlässiger Brandstiftung gegen die beiden Münchner Wanderer (32 und 36 Jahre) ein. „Die Brandermittler der Kripo Weilheim gehen im Moment nicht davon aus, dass das Feuer als Notsignal entfacht wurde“, sagte Anton Huber, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd. Vielmehr hatten die beiden Münchner bei ihrem Ausflug aufs Graseck in der Silvesternacht wohl ein Lagerfeuer angezündet, das auf dem strohtrockenen Untergrund außer Kontrolle geriet. Beim Versuch, den Brand zu löschen, stürzte der Jüngere der beiden ab und verletzte sich. An diesem Punkt – um 0.15 Uhr – alarmierte sein Begleiter die Rettungskräfte. Diesen zeitlichen Ablauf bestätigen die Aufnahmen einer Webcam am Herzogstand. „Es gibt eine Aufzeichnung, die den Jochberg vor der Absturzzeit zeigt. Hier waren erste Flammen erkennbar“, so die Polizei.

Das Feuer breitete sich im Verlauf der nächsten Stunde auf einer Fläche von rund 100 Hektar aus. Betroffen ist auch Schutzwald der Bayerischen Staatsforsten. Dieser soll vor Lawinen, Erosion und Muren schützen. Montag machte sich der Tölzer Forstbetriebsleiter Rudolf Plochmann vor Ort ein Bild. Die Schäden abzuschätzen sei schwierig. „Die Frage ist, ob die Bäume die Hitze ausgehalten haben. Das wird sich aber erst in den nächsten ein bis zwei Jahren beantworten lassen, weil sie nicht von heute auf morgen absterben.“ Erst nach und nach werde man sehen, wo Nachpflanzungen notwendig sind. Kein einfaches Unterfangen im steilen Gelände. „Das ist ausgesprochen schwierig und gefährlich.“ Plochmann weist noch einmal darauf hin, dass Feuer machen im Wald verboten ist. „Das regelt das Waldgesetz.“ Oftmals werde die Gefahr schlicht unterschätzt. „Waldbrände verbinden viele mit Sommerhitze und Trockenheit.“ Im Sommer sei aber zumindest das Gras noch grün. „Jetzt ist es wie Heu. Das brennt wie Zunder.“ Am heutigen Dienstag wird sich noch der Vorstandsvorsitzende der Staatsforsten, Martin Neumeyer, vor Ort ein Bild von den Schäden machen.

Großbrand am Jochberg: 725 000 Liter Wasser zur Brandstelle gebracht

Montag wurde den ganzen Tag über weiter aus der Luft gelöscht. Sieben Hubschrauber – unter anderem ein großer CH-53 der Bundeswehr – waren im Dauereinsatz. Zwei Maschinen der bayerischen Polizei untersuchten das Gelände zudem mit Wärmebildkameras, um Glutnester aufzuspüren. „Wir haben heute 725 000 Liter Wasser zur Brandstelle gebracht“, sagte René Mühlberger, Pressebeauftragter der Örtlichen Einsatzleitung, nach der Abschlussbesprechung um 17 Uhr. „Und es wurden gute Löscherfolge erzielt.“ Es gebe kein offenes Feuer mehr, „aber es raucht noch an verschiedenen Stellen“.

Vor Ort war Montag auch wieder Landrat Josef Niedermaier, während die Führungsgruppe Katastrophenschutz zusammen mit dem Örtlichen Einsatzleiter das Ganze koordinierte. Diese Rollenverteilung gilt seit dem Neujahrsmorgen: Um 3.40 Uhr hatte Niedermaier den Katastrophenfall ausgerufen. Das passiert, „wenn wir es mit einer komplexen Lage zu tun haben, bei der hohe Sachschäden zu befürchten sind und bei der Einsatzkräfte vieler verschiedener Organisationen zu koordinieren sind“, erklärt Niedermaier. Die Regelung bleibt bestehen, bis der Landrat den K-Fall für beendet erklärt. Mit dem Katastrophenfall einher geht, dass der Landkreis bei den Kosten erst einmal in Vorleistung geht.

Und wie geht es heute weiter? „Um 8 Uhr steht erst einmal wieder ein Erkundungsflug mit der Wärmebildkamera auf dem Programm“, sagte Mühlberger. Je nach Entwicklung in der Nacht sind zwei Varianten denkbar: Entweder wird weiter aus der Luft gelöscht, oder die ersten Einsatzkräfte arbeiten sich von der Kesselbergseite am Boden vor. Neben der Feuerwehr wäre hier dann auch die Bergwacht gefragt, weil jeder Brandschützer gesichert werden muss. Dazu müsste ein Löschwasserbehälter im Gelände eingerichtet und aus der Luft befüllt werden. Mühlberger: „Klar ist aber auch, dass überhaupt nicht alle Brandbereiche zu Fuß erreicht werden können, weil das Gelände einfach zu steil ist.“

Über die aktuellen Entwicklungen halten wir Sie in unserem Ticker auf dem Laufenden

Feuer am Jochberg: Das zeigt die Wärmebildkamera

Großbrand am Jochberg: Bilder unserer Leser

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