+
Nur Trümmer sind von der Hütte im Bereich der Geißalm übrig geblieben.

Helfer berichtet von Schreckensnacht

Waldbrand auf dem Jochberg: „Hinter eurer Hütte brennt der Berg“

  • schließen

Dem Feuer am Graseck/Jochberg in der Neujahrsnacht sind nicht nur dutzende Hektar Wald zum Opfer gefallen. Niedergebrannt ist auch eine Hütte im Bereich der Geißalm. Helmut Renner feierte mit seiner Familie dort Silvester und erlebte die Katastrophe hautnah mit.

Kochel am See –  Am 31. Dezember 2016 gegen 15 Uhr erreichen Renner und seine Frau die „Pensberger Hütte“ (Oberschulte-Hütte) auf 904 Metern Höhe. Sie ist nur zu Fuß erreichbar. Mit Tochter, Schwiegersohn und dem siebenjährigen Enkel wollen die beiden dort den Jahreswechsel feiern. Gegen 23 Uhr schlagen die Hunde an. Zwei Wanderer kommen an der Hütte vorbei. „Meine Frau hat sich gewundert, wie man nachts auf den Berg gehen kann“, erinnert sich Renner. „Ich hab’ gesagt: ,Schau Dir diese schöne Sternennacht an, die gehen bestimmt auf die Gamskanzel und schauen von dort das Feuerwerk an.“ Die Gamskanzel oder auch Gamsköpfl ist ein Aussichtspunkt, der etwa 15 Geh-Minuten entfernt liegt.

Auch Renners bewundern um Mitternacht das Feuerwerk im Loisachtal. „Zu diesem Zeitpunkt brannte es schon oben an der Gamskanzel, nur davon haben wir nichts mitbekommen.“ Der 53-Jährige erinnert sich noch daran, wie er sich darüber aufregte, dass auf dem Jochberg einige Unvernünftige Raketen abschossen. Dabei ist der Boden strohtrocken, zudem weht seit Stunden der Föhnwind. „Meinem Enkel habe ich nicht erlaubt, seinen kleinen Sternwerfer anzuzünden. Ich hab’ ihm gesagt, schau mal, wie trocken hier alles ist, da reicht schon ein Funke, und alles brennt.“

So sah die Hütte vor dem Brand aus. 

Gegen 0.45 Uhr legt sich die Familie schlafen. Doch Renner ist kaum im Bett, als sein Handy klingelt. Ein alter Schulfreund ist am anderen Ende, schwer atmend, weil er gerade den Aufstieg Richtung Graseck bewältigt. Renner fragt: „Max, warum schnaufst du denn so schwer?“ Der antwortet: „Wir haben einen Einsatz, der Berg brennt hinter eurer Hütte, und einer ist abgestürzt. Vielleicht könnt ihr ihm helfen.“

Renner und sein Schwiegersohn marschieren los. Nach zehn Minuten haben sie die beiden Wanderer – es sind die Männer, die vorher an der Hütte vorbeikamen – erreicht. „Der Unverletzte hatte uns mit seiner Stirnlampe Zeichen gegeben“, sagt Renner. „Zirka 25 Meter oberhalb des Verletzten brannte der Steilhang, rechts brannten Bäume, einzelne Steine fielen von oben herab, diese lösten sich, nachdem der Boden verbrannt war“, schildert der Kochler. Der unverletzte Münchner habe ihm erklärt, wie das kleine Lagerfeuer schnell das gesamte Berggras in Flammen gesetzt habe. Beim Versuch, das Feuer zu löschen, sei sein Freund abgestürzt. Dass dieser den Sturz überlebt hat, grenzt für Renner immer noch an ein Wunder. „Er ist nach zirka 70 Metern auf dem Steilhang aufgeschlagen, zwischen Bäumen hindurch weitere 50 Meter gestürzt, bis er von einem querliegenden Baum gebremst wurde.“

Waldbrand am Jochberg: Bilder vom Rettungseinsatz

Wieder klingelt Renners Handy. „Bergwachtbereitschaftsleiter Anton Geiger wollte Informationen zum Gesundheitszustand des Verletzten“, erinnert er sich. Der Mann ist ansprechbar, leidet aber unter starken Schmerzen. Renners Schwiegersohn holt Wasser und eine Decke. Etwa 20 Minuten später erreichen die ersten Bergretter die Einsatzstelle. Mit der Gebirgstrage wird der Schwerverletzte zur Kesselbergstraße gebracht. Was sich so einfach anhört, dauert Stunden und verlangt den freiwilligen Helfern im steilen Gelände alles ab. „Das war wirklich bewundernswert“, sagt Renner mit Blick auf die Leistung der Einsatzkräfte.

Er kehrt kurz in die Hütte zurück. Gegen 5.30 Uhr macht sich die Familie aber an den Abstieg. Die Brandlinie wandert zu diesem Zeitpunkt immer weiter nach unten. „Gegen 10 Uhr wurde uns mitgeteilt, dass unsere Hütte brennt“, sagt Renner.

Der Brand am Graseck breitete sich schnell aus.

Ein paar Tage später macht sich der Kochler wieder auf zur Geißalm. Er möchte wissen, wie es am Brandort aussieht. Viel übrig ist nicht. „Selbst das Aludach war verbrannt“, sagt Renner. In einer Ecke ragt der Ofen aus den Trümmern, an anderer Stelle liegt etwas zerbrochenes Geschirr – und eben der Fondue-Topf. Eine zusammengeschmolzene Buddha-Figur nimmt der 53-Jährige später mit ins Tal.

Sollten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu dem Ergebnis kommen, dass die beiden Münchner für den Brand verantwortlich sind, hofft Renner,dass deren Haftpflichtversicherung für den Schaden aufkommt.

Brand am Jochberg: Ermittlung wegen fahrlässiger Brandstiftung

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Ein Batzen Geld“ für Strafzinsen
Jeder redet über Strafzinsen, die Kommunen zahlen sie längst. Es sind teils fünfstellige Beträge, die die Städte und Gemeinden im Landkreis für sparsames Haushalten zu …
„Ein Batzen Geld“ für Strafzinsen
Schönheit ist Ansichtssache
Der Kunstverein Tölzer Land eröffnet am Samstag seine neue Ausstellung „Schönheitsfehler“ im Kunstsalon an der Marktstraße. Beginn ist um 19 Uhr. 
Schönheit ist Ansichtssache
Musik- und Literaturfestival „Moosbrand“ in Bad Heilbrunn
Musik- und Literaturfestival „Moosbrand“ in Bad Heilbrunn
Galerie „Die Tenne“ in Wackersberg feiert 30-jähriges Bestehen
Galerie „Die Tenne“ in Wackersberg feiert 30-jähriges Bestehen

Kommentare