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Teurer Einsatz am Jochberg - wenn die beiden Wanderer versichert sind, könnten sie mit einem blauen Auge davon kommen. 

Allein die Hubschrauber kosten 100.000 Euro- pro Tag

Waldbrand auf dem Jochberg: Wer kommt für die Kosten auf?

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    Marcus Mäckler
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Kochel am See - Ein außer Kontrolle geratenes Lagerfeuer hat einen Flächenbrand am Jochberg entfacht. Allein die Einsatzkosten sind enorm - wer wird dafür aufkommen?

Am frühen Morgen flogen sie wieder: sechs Hubschrauber, rauf auf den Jochberg und wieder runter, um die 5000-Liter-Tanks mit neuem Löschwasser aus dem Walchensee zu füllen. Ein siebter suchte mit Wärmebildkameras nach Glutnestern, die auch am Tag nach Ausbruch des Waldbrands weiter loderten. Weil die Einsatzkräfte ausschließlich aus der Luft löschten, blieb die Flugverbotszone bestehen, die B 11 musste ebenfalls gesperrt werden. Ausnahmezustand am Jochberg, zweiter Teil.

Derweil bestätigte sich, was sich schon am Sonntag angedeutet hatte: Der verheerende Brand ist nicht, wie zunächst angenommen, durch ein Notsignal, sondern durch ein Lagerfeuer verursacht worden, das die 32 und 36 Jahre alten Bergsteiger aus München in der Silvesternacht entzündet hatten. Laut Polizei geriet es außer Kontrolle. „Beim Versuch, die Flammen zu löschen, ist der jüngere Mann abgestürzt und hat sich verletzt“, erklärte ein Sprecher. Die Kripo und die Staatsanwaltschaft München II ermitteln wegen fahrlässiger Brandstiftung gegen die Männer.

Die Schadenshöhe ist noch nicht abzusehen, der Einsatz selbst ist aber schon jetzt teuer. Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums kosten alleine die sechs Lösch-Hubschrauber am Tag bis zu 100 000 Euro. „Grundsätzlich kommt für die Einsatzkosten zunächst das zuständige Landratsamt auf“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Prinzipiell ist es möglich, dass der Landkreis einen großen Batzen aus dem Katastrophenschutzfonds des Freistaats zurückbekommt. Die Ermittlungen machen aber eine zweite Variante wahrscheinlicher: „Wenn die Wanderer fahrlässig gehandelt haben“, sagt die Sprecherin, „ist das ein Fall für die Haftpflichtversicherung.“

Feuer am Jochberg: Das zeigt die Wärmebildkamera

Die übernimmt die Kosten sogar, wenn die Ermittlungen grobe Fahrlässigkeit ergeben sollten – vorausgesetzt, die beiden sind versichert. „Die Verursacher müssen nur dann zahlen, wenn sie vorsätzlich gehandelt haben“, sagt Kathrin Jarosch vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Strafrechtliche Folgen sind damit natürlich nicht ausgeschlossen – in vergleichberan Fällen hielten sie sich aber in Grenzen. So wurden zwei Wanderer, die im März 2011 mit einem Grillfeuer einen Großbrand am Herzogstand (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) ausgelöst hatten, nur zu einer Geldstrafe verurteilt.

Der Chef der Bayerischen Staatsforsten, Martin Neumeyer, will sich am Dienstag selbst ein Bild von den entstandenen Schäden machen. Ein Sprecher des Unternehmens betonte aber schon gestern, dass frühestens im nächsten oder übernächsten Jahr feststehe, ob und wie sehr der Baumbestand beschädigt wurde.

Klar ist, dass es sich etwa bei der Hälfte der 100 betroffenen Hektar um Schutzwald der Staatsforsten handelt, der die Gebiete unterhalb des Bergs vor Erosion, Lawinen und Muren schützt. Er besteht vor allem aus Kiefern, die eine sehr dicke Außenhaut haben, sagte der Sprecher. „Es ist möglich, dass die Bäume den Brand überstanden haben.“ Ersatzpflanzungen in diesem gefährlichen Gelände seien dagegen „sehr aufwendig und teuer“.

Feuer wie das am Jochberg sind in Bayern eher die Ausnahme. Zuletzt brannte im Juli 2013 ein etwa 3000 Quadratmeter großes Waldstück am Thumsee bei Bad Reichenhall. Die Löscharbeiten dauerten mehrere Tage. 1990 vernichtete ein Brand am Herzogstand bis zu 100 Hektar Wald. Diesmal ist eine etwa gleichgroße Fläche betroffen. Dank der Einsatzkräfte breitete sich das Feuer nicht aus. Der Sprecher der Staatsforsten sagte zur Einordnung: „Das ist kein Hinterhofbrand, aber auch kein Inferno.“

Gestern Nachmittag bekamen die Einsatzkräfte am Jochberg ein wenig Hilfe von höherer Stelle – es begann zu schneien. Am heutigen Morgen soll es zunächst mit einem Erkundungsflug weitergehen. Je nach Lage könnten dann die ersten Einsatzkräfte von Boden aus löschen.

Über die aktuellen Entwicklungen berichten wir in unserem Ticker. 

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