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Märchenstunde im Kochler Kindergarten: Hermann Büttner erzählt in Kleingruppen spannende Geschichten. Er kann 200 deutsche und ausländische Märchen auswendig vortragen. 

Besuch beim Märchenerzähler 

Warum die böse Hexe in den Backofen muss

Kochel am See –  Die Hexe verbrennt im Backofen. Die böse Frau muss auf glühenden Kohlen tanzen. Und dem Wolf wird bei lebendigem Leib der Bauch aufgeschnitten. Märchen sind brutal. Können wir diese Geschichten Kindern überhaupt zumuten? Unbedingt, sagt der professionelle Märchenerzähler Hermann Büttner. Denn Geschichten hören – das macht stark fürs Leben.

Fangen wir mit der Hexe an: Dass sie von Gretel in den Backofen geschubst wird, klingt für Erwachsene grausam. Die Kinder finden das Backofen-Schubsen aber gut, denn: „Das Böse bekommt seine gerechte Strafe“, erklärt Hermann Büttner. Und nur das sei für Kinder relevant.

Der ehemalige Rektor war kürzlich als professioneller Märchenerzähler zu Gast im Kochler Gemeindekindergarten. Zwei Tage lang erzählte er den Kindern Märchen und erklärte ihren Eltern, warum es so wichtig ist, den Kleinen Geschichten vorzulesen oder zu erzählen.

Natürlich würden sich Kinder schon auch fürchten vor Wolf und Co. „Aber wenn wir keine Angst hätten, würden wir uns ständig in extrem gefährliche Situationen begeben. Die Angst bringt uns zur Vorsicht.“

Indem Kinder immer wieder ein und dieselbe Geschichte vorgelesen bekommen wollen, würden sie sich dieser Angst stellen und sie nach und nach bewältigen. Erst, wenn das geschafft ist, wollen sie ein neues Märchen hören. „Das ist dann ein Entwicklungsschritt“, so der 72-Jährige. Er war für die Projekttage eigens aus Göppingen (Baden-Württemberg) angereist. Märchen sind seiner Überzeugung nach ein wichtiges Mittel, mit dem Kinder lernen, dass es im Leben Ängste und Probleme gibt – die man aber meistern kann. Reif für Märchen und die Verarbeitung von Ängsten sind Kinder laut dem Experten erst mit drei Jahren.

Auch in der Schule profitiert, wer vorgelesen bekommt. Laut dem ehemaligen Rektor haben diese Kinder „ein besseres Leseverhalten“, einen größeren Wortschatz und „eine viel bessere Satzbildung“ als Gleichaltrige, die nur CDs hören oder fernsehen. Während die Kleinen zuhören, laufe in ihrem Gehirn ein wunderbares „Kopfkino“ ab. „Und dieses Kopfkino ist in diesem Alter geistige Arbeit.“ Durch dieses Kopfkino werde die Fantasie auf eine Weise trainiert, wie es fertige Bilder im Fernsehen nicht können – auch das sei wichtig fürs spätere Leben. Denn, so Büttner: Nur wer Fantasie habe, könne auch Pläne schmieden und von der Zukunft träumen. Etwa davon, mal ein berühmter Arzt zu werden. Oder als Forscher Dinge zu erforschen. Fantasie sei also ein wichtiger Motor, der den Menschen voran bringe und ihn antreibe, seine Träume wahr zu machen.

Gastspiel

Wer den Märchenerzähler live hören will: Im Spätsommer kommt Hermann Büttner ins Freilichtmuseum auf die Glentleiten, um Familien Märchen zu erzählen. Der genaue Termin wird noch bekannt gegeben.

Franziska Seliger

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