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Aufstauen, entnehmen, umleiten: Rund um den Walchensee gibt es viele Eingriffe in den Verlauf diverser Gewässer. Sie dienen in erster Linie dem Betrieb des Walchensee-Kraftwerks. Unterwegs wird auch am Krüner Wehr sowie in den Kraftwerken Obernach und Niedernach Energie aus Wasserkraft gewonnen.

Wasserrechte

Eine neue Ordnung nach über 100 Jahren?

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Ein historisches Ereignis bahnt sich an: 2030 laufen die Wasserrechte des Konzerns Uniper für die Energienutzung rund um den Walchensee aus. In weiser Voraussicht bringen sich die betroffenen Kommunen bereits in Stellung. Schließlich eröffnen sich Chancen für Natur- und Hochwasserschutz.

Jachenau– In der Jachenau ist man vorausschauend: Bürgermeister Georg Riesch sprach kürzlich in der Bürgerversammlung ein Thema an, bei dem es noch Jahre dauert, bis es richtig akut wird. Dennoch lohnt es sich, jetzt schon darüber nachzudenken: Die Wasserrechte für die Energiegewinnung rund um den Walchensee laufen 2030 aus. Die Neuverhandlung bietet möglicherweise Chancen für ökologische Verbesserungen, für neue Wege beim Hochwasserschutz oder gar eine Neuordnung bei der Energieversorgung.

Was hat es mit den sogenannten Wasserrechten auf sich? Cornelia Breiter, Sachgebietsleiterin Wasser und Boden im Tölzer Landratsamt, und der zuständige Abteilungsleiter Michael Foerst erklären die Hintergründe. „Sobald es über den sogenannten Gemeingebrauch, wie Baden oder Bootfahren, hinausgeht, braucht man für die Nutzung eines Gewässers eine staatliche Erlaubnis“, sagt Foerst. Dies gelte insbesondere für das Aufstauen, Einleiten und Entnehmen des Wassers – und zwar ganz unabhängig davon, ob der Nutzer an der betreffenden Stelle auch Grundeigentümer ist. Formal ist es die Untere Wasserrechtsbehörde am Landratsamt, die die sogenannten „Erlaubnisse“ oder – eine Stufe höher angesiedelt – „Bewilligungen“ vergibt.

Heutzutage werden solche Bewilligungen laut Gesetz nur mehr für eine Frist von 30 Jahren ausgestellt. Es gibt im Landkreis aber eine große Ausnahme: „Das Walchenseekraftwerk, das ist unser längster Fall“, stellt Cornelia Breiter fest. Dort bestehen die Wasserrechte seit Inbetriebnahme des Kraftwerks 1924. Das liegt laut Foerst und Breiter daran, dass ursprünglich der Staat selbst das Kraftwerk betrieb: Bayern vergab die Rechte an das in seinem Besitz befindliche Bayernwerk, eine zeitliches Ende festzulegen hielten die damals Verantwortlichen in dieser Konstellation offenbar da nicht für nötig. Erst viel später, in einem Beschied von 1958, wurde eine Befristung festgelegt. Mit der Privatisierung in den 1990er-Jahren gingen die Rechte auf den Energiekonzern Eon über, mittlerweile hat sie das abgespaltene Unternehmen Uniper inne.

Mit dem Auslaufen der Wasserrechte nach über 100 Jahren bahnt sich sozusagen ein historisches Ereignis an. Bis dahin sind aktuell noch 13 Jahre Zeit. Bereits 2020 aber müssen die Nutzungsrechte widerrufen werden, weil sie sich sonst automatisch um 25 weitere Jahre verlängern. Doch auf kommunaler Ebene will man sich die Gelegenheit zur Neuverhandlung der Wasserrechte nicht entgehen lassen. „Einfach verlängern würde ich nicht“, sagte etwa Landrat Josef Niedermaier in der Jachenauer Bürgerversammlung. Er wolle „niemanden verteufeln“, meinte er in Anspielung auf den Kraftwerksbetreiber Uniper. Trotzdem sei die Neuverhandlung der Rechte die Chance zu einer „sinnvollen Weiterentwicklung“. Und es sei gar zu überlegen, ob der Staat die Rechte an der Energienutzung der Gewässer nicht selbst behält und lediglich an einen Dritten weitervergibt. Zumindest theoretisch sind viele Variationen bis hin zur Neuausschreibung möglich. Fakt bleibt freilich, dass das Walchenseekraftwerk im Besitz von Uniper ist.

Wenn es um neue Bedingungen für die Wasserrechte geht, werden voraussichtlich viele Interessengruppen und Verbände mitreden. Unter anderem geht es um ökologische Belange. „Der jetzige Zustand bringt für die Isar gewisse Nachteile“, stellt Foerst fest. „Unterhalb des Krüner Wehrs fehlt Wasser.“ Breiter ergänzt: „Es wurde festgestellt, dass der Zustand der Isar vom Sylvensteinspeicher bis Bad Tölz für die Fische mäßig, teilweise unbefriedigend ist.“

Auch deshalb bringen sich die Gemeinden in Stellung, um ihre Interessen auszuloten, zu formulieren und zu koordinieren. Laut dem Jachenauer Bürgermeister Georg Riesch sind bereits erste Termine zwischen der Jachenau, Wallgau, Krün, Mittenwald, Lenggries und Kochel am See sowie dem Umweltministerium anberaumt. Die Jachenau hat zum Beispiel ein Projekt zum Hochwasserschutz im Sinn: Wie berichtet hat Riesch ein Konzept vorgelegt, laut dem das Wasser des Alpenbachs in den Walchensee umgeleitet wird, damit es sich im Hochwasserfall nicht in die Jachen ergießt und von dort landwirtschaftliche Flächen in der Jachenau überflutet. Eine Neuordnung der Wasserrechte böte die Chance zur Umsetzung.

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