Schwitzen mit Ausblick, ohne gesehen zu werden: Michael Sindlhauser aus Ried entwickelt und baut unter anderem kleine Häuschen, die sich etwa als Gartensauna nutzen lassen.

Ausgezeichnet mit dem Bayerischen Staatspreis

Herr der Hölzer

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Kochel am See/Ried – Was für den Musiker sein Instrument, ist für Michael Sindlhauser das Holz. Schöne Dinge aus dem Material zu gestalten, die eine Symbiose mit der Natur eingehen, das ist sein Antrieb. Dass ihm das gelingt, beweist der Bayerische Staatspreis, der dem Handwerker aus Ried nun verliehen wurde.

Holz, soweit das Auge reicht. Stapelweise auf dem sich zur Straße hin öffnenden Grundstück an der „Alten Schmiedgasse“ aufgetürmt. Auf dem Boden und im Garten verteilt, verströmt es seinen würzigen, leicht harzigen Geruch. Und mittendrin, Michael Sindlhauser. Dunkles Haar, Vollbart, schwarz umrandete Brille. Mit dem Zollstock in der Gesäßtasche steht er vor seiner Werkstatt. Die ist – natürlich – überwiegend aus Holz gefertigt.

Es kann einem nur schwer entgehen, dass dieser Mann ein Faible für das Material hegt. Und wenn er zurück denkt, waren Holz und Architektur eigentlich schon immer Teil seines Lebens.

Fügt sich perfekt in die Umgebung ein: Eine Gartendusche aus naturbelassenem Holz.

Als Zimmerer ist das an sich auch nicht weiter verwunderlich. Sindlhauser hat aber ein fast schwärmerisches Verhältnis zu Holz. „Es ist fantastisch. Statisch hervorragend und wunderbar sogar mit dem Messer zu bearbeiten. Dazu diese tolle Oberfläche“, sagt der 52-Jährige voller Begeisterung. „Außerdem ist es ein Material, das in Würde altert.“
Der Rohstoff selbst ist ja oft schon ein Kunstwerk für sich. Warm, manchmal knorrig, mit Asteinschlüssen. Was Sindlhauser aber daraus macht, hebt Holz noch einmal auf eine andere Ebene. Da wären etwa eigentlich ganz profane Dinge wie beispielsweise eine Gartendusche. Die besteht gewöhnlich aus einem schmucklosen Aluminiumrohr, Duschkopf und Plastikschlauch. Wirkliche Hingucker sind sie eher selten. Sindlhausers Entwurf ist anders. Aus Holz mitsamt Rinde gefertigt. Unauffällig, perfekt an die Umgebung angepasst. Genau das ist es, was Sindlhausers Philosophie ausmacht: „Archaisch muss es sein. Ich frage mich immer, was sich am besten in die Landschaft einfügt.“
Das gilt für alle Arbeiten des passionierten Handwerkers. Auch für seine anderen „Mikroarchitekturen“, wie sie der Rieder nennt. Gartenhäuschen, die alles andere als nichtssagende Ware von der Stange sind. Man kann sie als Badehäuschen oder Sauna mit Ausblick nutzen. Dann stattet sie Sindlhauser mit Spiegelglas aus. Aufgestellt an einem schönen Ort kann der Besitzer „den Ausblick genießen, ohne gesehen zu werden“, erklärt der Rieder. „Das ist doch viel schöner, als im Keller eingesperrt zu sein“, findet der 52-Jährige, der sich nach seinen Lehrjahren und der Meisterprüfung 1990 selbstständig gemacht hat.

Ob nun Gartenhaus, Sitzplatz, Pergola oder Laubengang. Der Zimmerer, der sich „vollständig mit seiner Arbeit identifiziert“, wie er sagt, will mit seinen Entwürfen „ein beständiges Umfeld in unserer hektischen Zeit schaffen“. Seine größte Inspiration ist der eigene Garten.

So gefällig kann eine schnöde Umkleide sein: Die Lichtbänder sind von mittelalterlichen Schießscharten inspiriert.

Sindlhausers Wirkungskreis geht über die Grenzen von Loisachtal und Oberland hinaus und beschränkt sich bei Weitem nicht nur auf seine „kleinen Bauten“. Seine Leidenschaft gilt auch alten Häusern, insbesondere natürlich Bauernhäusern aus Holz. Diese restauriert der Bautechniker zusammen mit seinem Team in oft jahrelanger Kleinarbeit. Dabei versucht Sindlhauser stets, die „Seele eines Gebäudes zu bewahren“, wie er sagt. Dazu gehört auch der Einsatz von traditionellem Wissen.
Synthetische Farben etwa kommen nicht infrage. Er verwendet bevorzugt natürliche Anstriche aus Skandinavien. Überhaupt, die Ökologie spielt eine gewichtige Rolle in seinem Arbeitsalltag. Seine Hölzer bezieht Sindlhauser deshalb konsequent aus der Region. In der Jachenau lässt er sie bei abnehmendem Mond schlagen. Dabei stört es ihn nicht, dass die besonderen Qualitäten dieses Mondholzes wissenschaftlich nicht belegt sind. „Es hat schon seinen Grund, warum das unsere Vorfahren immer schon so gemacht haben“, ist der Handwerksmeister überzeugt. „Auch von der Natur können wir viel mehr lernen“, sagt der Loisachtaler. Wir machen aber genau das Gegenteil“.

Einige seiner Entwürfe zeigte Sindlhauser erst im Februar im Rahmen der internationalen Handwerksmesse auf der Sonderschau „Exempla“ in München. Vom bayerischen Wirtschaftsministerium wurde er dort für seine „funktionalen, nachhaltigen und fantasievollen Mikroarchitekturen für Gärten und Landschaften“ mit dem Bayerischen Staatspreis geehrt.

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