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Damit so eine Pryamide perfekt sitzt, muss viel trainiert werden. Dazu haben die Jugendlichen in dem Camp am Walchensee ausreichend Zeit, bevor das Erlernte am Freitagabend im Kurhaus präsentiert wird.

Bezirksjugendring

Zirkusfieber am Walchensee: Jonglieren und balancieren für die große Gala

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40 Jugendliche, die eine große Leidenschaft für Zirkus verbindet: Gemeinsam trainieren sie gerade in einem Camp am Walchensee. 

Walchensee – Fast sieht es aus, als sei ein Zirkus am Walchensee zu Gast – aber es ist „nur“ ein Trainingscamp. Wer auf der Süduferstraße unterwegs ist, sieht hinter den Bäumen rote und weiße Zirkuszelte und jede Menge Jugendlicher, die zum Beispiel jonglieren oder Trapezkünste üben.

„Fast alle sind hier Wiederholungstäter“, sagt Caro Eberl und schmunzelt. Die Sozialpädagogin ist Leiterin der Fachstelle für Jugendkultur des Bezirksjugendrings Oberbayern und Gründerin des Zirkuscamps „Chapoclac“. Es findet zum vierten Mal am Walchensee statt, und die Nachfrage steigt beständig. 40 Jugendliche sind heuer mit dabei, das sind gut zehn mehr als 2018. 24 von ihnen waren im vergangenen Jahr auch schon in dem Camp. Sie kommen aus dem gesamten bayerischen Raum sowie aus Südtirol, denn in Bozen hat der Bezirksjugendring einen Kooperationspartner. Untergebracht sind sie im Jugendlager Breitort, das dem Walchenseeverein gehört.

Für solche Übungen wie hier am Netz braucht man große Konzentration. Rebbecca (13) hat schon Erfahrung.

Auf dem Gelände haben die 13- bis 18-Jährigen eine Woche reichlich Platz zum Üben. Viele von ihnen sind von einem „Zirkusfieber“ befallen, das heißt, sie haben schon seit längerer Zeit ein Faible für Jonglieren, Keulen schwingen, Seiltanz oder Figuren am Trapez. Andere Jugendliche sind zum ersten Mal dabei, etwa die 13 Jahre alte Stella. Sie interessiert sich für Luftakrobatik. „Ich freue mich schon sehr auf die Show am Freitag“, sagt die Schülerin aus München.

Camp am Walchensee: Viele Jugendliche haben schon Zirkuserfahrung

In was sie sich vertiefen, entscheiden die Teilnehmer nach einem Schnuppertag zu Beginn des Camps selbst, erklärt Leiterin Caro Eberl. 17 Betreuer stehen dafür zur Verfügung, allesamt Zirkus-Pädagogen. Gemeinsam mit den Jugendlichen wird eine Varieté-Show erarbeitet, die zum Abschluss im Tölzer Kurhaus aufgeführt wird.

Die 17-jährige Nikoka aus Würzburg ist schon zum vierten Mal am Walchensee dabei. „Heuer lerne ich Keulenschwingen“, sagt die Schülerin und strahlt. Der Trainer habe ihr gutes Talent bescheinigt, „denn es ist gar nicht so leicht. Manchmal müssen die Hände zur gleichen Zeit etwas Unterschiedliches machen“.

Ähnlich wie Nikoka hat auch Regina (17) aus Bad Aibling schon Zirkuserfahrung. Sie tanzt und macht in einem Verein in München Luftakrobatik. Jetzt trainiert sie eine Nummer am Trapez. „Dafür braucht man große Konzentration“, sagt sie. „Manche Sachen kosten schon Überwindung.“ Das Schönste an dem Camp sei, dass man das Erlernte anschließend vor Publikum zeigen dürfe.

Damit jeder auf der Bühne seinen Platz findet und auch die Kunststücke klappen, dafür sorgen 17 Betreuer. „Sicherheit hat oberste Priorität“, betont Caro Eberl. Für jeden werde die richtige Rolle gefunden – sei es eine größere oder eine kleinere. Pädagogisch sei es für die Jugendlichen sehr wertvoll, das Erlernte in einer Abschlussshow zeigen zu können. „Das gibt viel Selbstbewusstsein.“ Und auch abseits der Bühne würden sie viel lernen: Rücksicht nehmen, sich auf jemanden verlassen können und Vertrauen aufbauen, sagt Caro Eberl. „Noten wie in der Schule gibt es bei uns nicht.“

Das Zirkuscamp ist für alle Jugendlichen offen

Das Zirkuscamp steht allen interessierten Jugendlichen offen. Heuer ist auch ein Mädchen mit Down Syndrom dabei. Die Teilnehmer müssen zwischen 13 und 18 Jahre alt sein. Der Aufenthalt kostet 165 Euro, „aber wenn das für die Eltern Schwierigkeiten bedeutet, dann finden wir eine Lösung“, sagt Eberl. Jeden Tag gibt es einen festen Ablauf mit Trainingseinheiten und gemeinsamem Essen. Dafür müssen auch kleinere Dienste übernommen werden. Caro Eberl hatte – auch mit Blick auf die vergangenen Jahre – nie mit Schwierigkeiten zu kämpfen: „Die Gruppendynamik, die sich hier jedes Jahr entwickelt, ist toll.“ Viele Jugendlichen würden in Kontakt bleiben.

Diese Begeisterung teilt auch Quirin aus Eurasburg. Der 19-Jährige ist heuer Trainer, zuvor war er Teilnehmer. „Es ist wahnsinnig schön hier“, beschreibt der junge Mann die Atmosphäre. Sein Schwerpunkt liegt auf Diabolos und Devil Sticks zum Jonglieren. Der 19-Jährige ist im Sportverein Beuerberg in der Gruppe „Bewegungskünste“ aktiv und wird ab September deren Leiter. Nach dem Abi im kommenden Jahr will der junge Mann gerne „Zirkus und Performing Arts“ studieren, entweder in Berlin, Holland oder Belgien.

Warum ist das Interesse für das Camp so groß? „Ich glaube, es liegt auch daran, dass wir speziell etwas für Jugendliche anbieten“, sagt Caro Eberl. Angebote für Kinder gebe es zuhauf, aber befristet bis 14 Jahre. „Bei uns können sie dann weitermachen.“ Zudem stelle der Bezirksjugendring einiges zur Verfügung, allein das gesamte Equipment am Walchensee umfasse zwei Lkw-Ladungen. Bei der Abschlussgala kommen Licht- und Tontechnik zum Einsatz. „Solche Auftrittsmöglichkeiten gibt es sonst für Jugendliche halt nur selten.“

Show im Kurhaus

Die Jugendlichen laden am Freitag, 23. August, um 19 Uhr zur Varieté-Show ins Tölzer Kurhaus ein. Einlass ist ab 18 Uhr. Der Eintritt kostet 8 Euro (ermäßigt vier Euro), an der Abendkasse sind es 10 beziehungsweise fünf Euro. Karten gibt es vorab bei der Tölzer Tourist-Info, Telefon 0 80 41/78 67 15.

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