Beim Pflanzen einer Weißtanne: Der Vorsitzende der AV-Sektion Wolfratshausen, Gerhard Hofmann.
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Beim Pflanzen einer Weißtanne: Der Vorsitzende der AV-Sektion Wolfratshausen, Gerhard Hofmann.

Aktion von AELF und DAV

Zum Schutz von Berg, Wald und Mensch: Fast 300 neue Bäume am Sonnenspitz gepflanzt

  • Katja Brenner
    VonKatja Brenner
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Manchmal braucht der Wald ein bisschen Hilfe, um den Menschen helfen zu können. Zahlreiche Helfer haben nun bei einer Aktion von AELF und DAV unterhalb des Sonnenspitz fast 300 Bäume gepflanzt.

Kochel am See/Wolfratshausen - Manchmal braucht der Wald ein bisschen Hilfe, um den Menschen helfen zu können. Der Pflege gefährdeter Bergwälder im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen widmet sich die Wolfratshauser Sektion des Alpenvereins (AV) im Rahmen der Bergwaldoffensive der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) schon länger. Das Prinzip: Das AELF stellt die Bäume, freiwillige Helfer setzen sie in den Boden. Sowohl private als auch kommunale Waldbesitzer können sich diese Unterstützung holen. Nun trat die AV-Sektion wieder in Aktion – und hat unterhalb des Sonnenspitz nahe Kochel 250 Weißtannen und 30 Lärchen gepflanzt.

Viele Familien helfen mittlerweile mit

Vor 35 Jahren ins Leben gerufen hat die Umweltaktion für den Bergwald Wolfgang Neuerburg, pensionierter Förster, Tourenleiter und 2. Vorsitzender der Wolfratshauser Sektion des Alpenvereins. „Das war damals die Zeit, als das Thema Waldsterben ganz groß war“, erinnert er sich an die Anfänge der Pflanzaktionen Mitte der 1980er. Seither ist er jedes Mal fleißig mit dabei.

Außer ihm waren diesmal Familien mit Kindern, Jugendliche und Erwachsene tatkräftig im Einsatz. Neuerburg ist stolz auf das 17-köpfige Team, das sich diesmal durch die steinigen Böden arbeitete. Viele waren schon in den Vorjahren dabei. „Das sind mittlerweile wirklich Profis“, sagt er mit einem Augenzwinkern über seine Mithelfer. „Besonders die Jüngsten waren kaum zu bremsen in ihrem Tatendrang für einen intakteren Bergwald“, ergänzt Robert Nörr, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit des AELF Holzkirchen, mit dem der Alpenverein im Rahmen der Pflanzaktionen zusammenarbeitet.

Tannen gab es dort kaum noch

Dort, wo nun gepflanzt wurde, war der Wald im Laufe der Zeit stellenweise recht licht geworden. „Es war ein relativ alter Wald“, erklärt Neuerburg. Eigene Samen hätten sich dort kaum noch ausgebracht, Tannen, insbesondere Weißtannen, habe es kaum noch gegeben. Die sind jedoch „wichtig für die Stabilität“, sagt Neuerburg, „damit das ein gesunder Bergwald wird“.

Ein solcher habe nämlich eine wichtige Schutzfunktion, weiß Neuerburg. Er „schützt vor Steinschlag, Muren und Hochwasser, dadurch, dass er Wasser zurückhält“. Damit ein Bergwald gleichzeitig Schutzwald sein kann, braucht er einen gesunden Boden mit Schwammwirkung.

Klimawandel macht dem Wald zu schaffen

Zu schaffen mache denen jedoch der Klimawandel. Der Boden im Bereich der Kalkalpen sei ein „sehr empfindlicher Boden“, erklärt Neuerburg. In Geologenkreisen spricht man von „Humuscarbonatböden“. Das Problem: Ein solcher Boden gibt unter Einfluss von Wärme CO2 ab, etwa wenn die Sonne darauf scheint. Und: „Das dauert lang, bis der Boden sich neu bildet. Der Abbau geht relativ schnell“, so Neuerburg. „Ich sage immer: Das ist unser Regenwald.“

Der 2. Vorsitzende des AV-Sektion findet, dass man etwas zurückgeben sollte, wenn man wie er gerne in die Berge fährt, um Kraft zu schöpfen, „wenn man die frische Luft des Bergwaldes genießen darf“. Daher die groß angelegte Pflanzaktion bei Kochel unterhalb des Sonnenspitz. Die knapp 300 neu gesetzten  Bäume wurden zudem gegen Wildverbiss geschützt. Denn auch Rehe, Hirsche und Gämsen haben ihre Freude am Wald – zum Leidwesen der Menschen und Waldbesitzer.  

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