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Wegen der Schneelast auf dem Dach des historischen Kochler Bahnhofsgebäudes rückten am Mittwoch vorsorglich Feuerwehr und Bauhof-Mitarbeiter an.

Wegen Schneelast auf Gebäuden

Kochler spritzen Schnee vom Bahnhofsdach - Landratsamt sperrt zwei Turnhallen

Das Landratsamt in Bad Tölz fordert alle Hausbesitzer auf, ihre Dächer zu räumen. Auch bei einigen öffentlichen Gebäuden gibt es erste Maßnahmen wegen der großen Schneelast. 

Bad Tölz-Wolfratshausen– Die Erinnerung an den Einsturz der Bad Reichenhaller Eissporthalle vor 13 Jahren wirkt als warnendes Beispiel bis heute nach. Auch dieser Tage gilt es, das Gewicht der Schneemassen auf den Dächern im Auge zu behalten. Als erstes öffentliches Gebäude wurde am Mittwoch der Kochler Bahnhof von der Schneelast befreit. Das Landratsamt hat zudem in Geretsried die Sperrung der Turnhalle und des Musenbaus am Gymnasium sowie der Turnhalle der Franz-Marc-Schule angeordnet.

Am Mittwochnachmittag sei auf dem Dach des Schulzentrums eine Schneelast von 93 Kilo pro Quadratmeter gemessen worden, teilte Behördensprecherin Marlis Peischer mit. „Zulässig sind in diesen Gebäudebereichen 115 Kilogramm. Die Dächer werden jedoch geräumt, um wieder Reserven für angekündigte weitere mögliche Schneefälle am Wochenende zu schaffen.“ An diesem Donnerstag werde sich entscheiden, ob auch das Hauptgebäude der Franz-Marc-Schule gesperrt werde. Die Dächer würden am Freitag geräumt.

Keine Probleme gibt es laut Peischer beim Gymnasium in Icking, der Real- und Berufsschule Wolfratshausen sowie bei Real-, Förder- und Berufsschule Bad Tölz.

Die Schneeräumaktion auf dem Kochler Bahnhofsgebäude war laut Bürgermeister Thomas Holz ebenfalls eine vorbeugende Maßnahme, um jedes Risiko für die Menschen in Wartehalle, Lesesaal und Tourist-Info zu vermeiden. Außerdem ging es Holz um den Erhalt des 120 Jahre alten, denkmalgeschützten Gebäudes.

Feuerwehr befreit keine privaten Dächer von der Schneelast

Unkonventionelle Methode: Weil die Schneefänge auf dem Dach des Kochler Bahnhofs das Schippen mit der Schaufel erschweren, spritzte die Feuerwehr von der Drehleiter aus den Schnee vom Bahnhofsgebäude herunter.

„Wir haben beim Umbau vor rund zehn Jahren ein statisches Gutachten anfertigen lassen“, erklärt der Rathauschef. „Daher wissen wir: Ab 16 Zentimetern Kompaktschnee wird es kritisch.“ Diese Marke sei am Mittwochmorgen zwar noch nicht erreicht worden. Aber weil weitere Schneefälle angesagt waren, hätte es in der Summe in eine bedenkliche Richtung gehen können. „Wir haben uns gesagt: Lieber räumen wir das Dach vorsorglich am Tag und bei Plusgraden als später in der Nacht.“

Wegen der auf dem Dach angebrachten Schneefangeinrichtungen lässt sich das Dach mit der Schaufel nur schwerlich räumen. Stattdessen wurde der Schnee von der Drehleiter aus mit dem Schlauch heruntergespritzt. „Das hat schnell und vor allem effektiv funktioniert“, berichtet der Bürgermeister.

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Das Landratsamt fordert derweil auch die privaten Hausbesitzer auf, ihre Dächer zu räumen, sobald es die Wetterlage zulässt. Kreisbrandrat Alfred Schmeide weist darauf hin, dass die Feuerwehren und das Technische Hilfswerk (THW) nicht für Dachräumungen zuständig seien. „Wenn Gefahr in Verzug ist, dann müssen sich Privatpersonen an entsprechende Firmen wenden“, betont er. „Das können zum Beispiel Zimmereien, Dachdecker oder Gerüstbauer sein.“

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Keinerlei Sorgen müssen sich die Besucher des Tölzer Eisstadions machen, wie der Geschäftsführer des Betreibers, der Tölzer Stadtwerke, versichert. „Es könnte leicht das Doppelte an Schnee auf dem Dach liegen, damit wir in einen kritischen Bereich kämen“, sagt Walter Huber. Die Statik der Arena werde turnusmäßig alle drei Jahre überprüft und sei zufällig dieser Tage gecheckt worden. Als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme gibt es laut Huber eine Lasermessung der Durchbiegung der Balken. „Auch da sind wir ganz weit im grünen Bereich.“ Das Hallenbad sei in einer Architektur ebenfalls so stabil, dass es keinen Anlass zur Sorge gebe.

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„Keinerlei Gefahr“ sieht derzeit das Bauamt der Stadt Bad Tölz. „Die statischen Berechnungen der Gebäude, für die die Stadtverwaltung zuständig ist, haben so viel Reserve, dass die derzeitige Schneelage absolut kein Problem darstellt“, erklärt Brita Hohenreiter, derzeit Rathaus-Sprecherin. Trotzdem behalte das Bauamt die Situation „kritisch im Auge“, vor allem was das Parkhaus, die Jahnschule und das Sportstudio Hirsch betrifft.

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In der Gemeinde Lenggries liegt das Hauptaugenmerk auf der „Isarwelle“ und der Sporthalle sowie auf dem Alpenfestsaal, wie Bürgermeister Werner Weindl erklärt. Noch aber sei die Schneemenge auf den Dächern „nicht so groß“, sagte er am Mittwoch. Bei Bedarf werde man in den nächsten Tagen mit der Drehleiter hinauffahren, das Schneeprofil messen und die Schneelast wiegen.

Auch für die Gemeinde Bad Heilbrunn, wo es speziell die Turnhalle zu beobachten gilt, vermeldet Bürgermeister Thomas Gründl: „Aktuell ist die Lage nicht gefährlich.“

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