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Die Kupplung, die die Fahrgäste nervt

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Kupplungsprobleme: Unterhalb der mechanischen Kupplung zeigen BOB-Chef Kai Müller-Eberstein (li.) und Technischer Leiter Armin Nachtschatt die „E-Kupplung“ mit zahlreichen elektrischen Kontakten, die zu Problemen führten. Foto: arp
Kupplungsprobleme: Unterhalb der mechanischen Kupplung zeigen BOB-Chef Kai Müller-Eberstein (li.) und Technischer Leiter Armin Nachtschatt die „E-Kupplung“ mit zahlreichen elektrischen Kontakten, die zu Problemen führten. © arp

Lenggries - Die Bayerische Oberlandbahn erklärt im Bahnbetriebswerk Lenggries die Probleme mit den Kupplungen der Talent-Züge.

Nicht nur die Kupplungen der Talent-Züge sorgten bei der Bayerischen Oberlandbahn seit Dezember für Ärger und Verspätungen. Am Dienstag erläuterte die BOB, woran es krankt und zeigte, dass es besser wird.

Kuppeln und Flügeln der Zugteile sind wesentliche Aspekte beim BOB-Betrieb. Wenn es bei der Kupplung hakt, ist Ärger programmiert. Und davon hatte die BOB in den vergangenen Monaten genug. Bei einem Termin im Bahnbetriebswerk Lenggries erläuterte BOB-Chef Kai Müller-Eberstein zusammen mit dem Technischen Leiter Armin Nachtschatt die Probleme vor allem beim Zusammenfügen der Talent-Züge.

Die Kupplung hat eine mechanische Seite und eine elektronische Seite, die das Steuern des gesamten Zugs ermöglicht. Letztere „E-Kupplung“ war das Sorgenkind der vergangenen Monate. „Wenn die Züge selten gekuppelt werden, dann funktioniert alles, aber bei uns ist das häufig der Fall, und das haben die E-Kupplungen am Talent nicht mitgemacht“, so Müller-Eberstein. Das Problem: Mechanische- und E-Kupplung müssen beim Zusammenführen der Zugteile gleichzeitig verbunden werden. Ein regulärer Kupplungsprozess dauert allein fünf Minuten. Dabei wird die Steuerung des neuen Zugteils übertragen, außerdem muss ein Bremstest durchgeführt werden. „Wenn nach zwei Minuten rauskommt, dass sich die Elektrik nicht richtig verbunden hat, dann muss der ganze Vorgang abgebrochen und wiederholt werden, dann sind wir schon bei mindestens zehn Minuten“, sagt Nachtschatt. Muss das System neu hochgefahren werden, „dauert das weitere Minuten“, sagt der Technische Leiter. Inzwischen wurden sämtliche Kupplungen überarbeitet und gängig gemacht. Bei den 17 Integral-Zügen ist das Kuppeln übrigens kein Problem, weil dort erst der mechanische Teil verbunden wird, anschließend werden die elektrischen Komponenten in einem eigenen Schritt zusammengeführt.

Weitere Verbesserungen bei BOB-Fahrplan und BOB-Fahrkarten

Seit Ende April sind laut Müller-Eberstein auch die Probleme mit den Fahrkarten-Automaten behoben. „Wir mussten neue Automaten einführen, die auch Tickets für den Regionalverkehr in ganz Deutschland verkaufen, dafür brauchten wir eine Datenbank“, sagt Arno Beugel. Doch diese Datenbank mit Zugverbindungen und Preisen sei fehlerhaft gewesen, was zu Irritationen der Fahrgäste führte (wir berichteten). Inzwischen könnten Monatskarten am Automaten gekauft werden, auch sind wieder alle Stationen buchbar, sagt der BOB-Betriebsleiter. „Jetzt, wo die Datenbank stimmt, werden wir auch den Online-Shop in Betrieb nehmen“, so Müller-Eberstein.

Mit der Einführung des deutlich dichteren Fahrplans im Dezember fielen für die BOB Pufferzeiten weg, um kleine Verspätungen auszugleichen. „Wir haben das mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft besprochen und werden zum 30. Juni einen Fahrplanwechsel durchführen“, sagt der BOB-Chef. Dabei werden Pufferzeiten wieder verlängert. „Das System ist so dicht, dass wir sonst minimale Verspätung, weil etwa ein Rollstuhlfahrer einsteigt oder jemand die Zugtür aufhält, über den ganzen Tag mitschleppen“, so Beugel. Und Störungen gebe es immer, so Müller-Eberstein.

Ein weiteres Problem: Wenn Sturm oder Unwetter vorhergesagt ist, kann die Deutsche Bahn das Tempo auf ihren Strecken reduzieren, die die BOB benutzt - wegen herumschlagender Äste etwa. „Das passierte recht häufig und leider auch nicht selten, wenn letztlich gar kein Sturm in Sicht war“, sagt Müller-Eberstein. Natürlich mindern auch diese Langsamfahrten die Pünktlichkeit der BOB - ganz ohne deren Zutun. Hier sei man in Gesprächen mit der Bahn.

Beugel zu einem bedenklichen Trend: „Leider sinkt der Respekt vor den Gleisen, wir wissen nicht, warum.“ Wenn Kinder entlang des Gleiskörpers spielen, geht vom Lokführer eine Meldung raus, und nachfolgende Züge müssen langsam oder gar auf Sicht fahren. „Das nimmt dramatisch zu“, sagt Beugel. Mit zusätzlichem Personal, reparierten Zügen und einem etwas entspannteren Fahrplan will die BOB nun in ruhigere Gewässer aufbrechen. „Die Infrastruktur wurde einst dafür gebaut, dass alle drei Stunden ein Zug fährt, für die heutigen Erfordernisse stoßen wir ohne weiteren Ausbau an Grenzen.“

jhd

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