Karl Haider sen. ist seit 1954 Mitglied beim Skiclub. esc
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Karl Haider sen. ist seit 1954 Mitglied beim Skiclub.

Gründungsjubiläum

75 Jahre Skiclub Lenggries: Urgestein Karl Haider erinnert sich an „goldene Zeiten“

  • vonEwald Scheitterer
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75 Jahre wird der Skiclub Lenggries am 28. Februar alt. Eines der langjährigsten Mitglieder ist Karl Haider sen., der im März seinen 80. Geburtstag feiert.

Lenggries - Acht Jahre nach der Gründung des Skiclubs Lenggries trat Karl Haider 1954 in den Verein ein. „Da war ich schon 13 Jahre alt und kam in die Skijugend. Schülermannschaften gab’s damals noch nicht.“ Der rührige Senior war nicht nur selbst ein ausgezeichneter Ski-Rennläufer. Auch als engagierter Trainer und Funktionär verdiente er sich bis heute seine Meriten.

In den Anfangsjahren ging es noch zu Fuß aufs Brauneck

„Wir sind schon als Buben gerne und viel Ski gefahren, wobei ich natürlich stets meinem großen Bruder Martin nacheiferte“, sagt Haider. Ohne Lift mussten die Sportler damals zu Fuß hinauf aufs Brauneck. Das Skifahren war eine echte körperliche Herausforderung.

Bald wurde Haiders außerordentliches Talent überregional erkannt. 1956 durfte er erstmals bei der Deutschen Jugend-Meisterschaft in Riezlern (Kleinwalsertal) starten: „Mit einem Paar Ski und einem Rucksack setzte ich mich da in den Zug nach München, dann nach Oberstdorf und von dort ging’s dann mit dem Bus weiter.“ Haider startete später bei zahlreichen FIS-A-Rennen – das entspricht dem heutigen Weltcup. Seine beste Platzierung war ein Rang sechs bei der Abfahrt in Morzine (Frankreich). Darüber hinaus wurde der ehemalige Lenggrieser Postbote neun Mal Post-Europameister. Ein Knöchelbruch in St. Moritz beendete 1963 seine Rennfahrer-Karriere.

Haiders Bruder Martin rief den Jugend-Skitag ins Leben

Der Aufschwung im Lenggrieser Skiclub hatte schon 1962 begonnen, als Martin Haider zum alpinen Jugend-Sportwart gewählt wurde. Der stellte das Nachwuchstraining auf eine leistungsorientierte Basis um. Zudem war er einer der Initiatoren des Kinder- und Jugend-Skitags. Dabei wurden immer wieder verborgene Talente entdeckt. „Als der Zulauf der Kinder immer größer wurde, hat der Martin einen zweiten gebraucht, der sich um die Kleinen kümmert. Und da hat er mich verpflichtet“, erinnert sich der 79-Jährige an seine Anfänge als Trainer und Funktionär.

Mit dem nötigen Abstand stellte sich aber der Jubiläums-Vorstand zum Gruppenbild auf. Das Foto zeigt: (v. li.) Vorstand Karl Gerg, OK-Chef Claus Redetzki, Schatzmeister und Streckensprecher Roland Pfleger, nordischer Jugend-Sportwart Jan Richter, nordischer Sportwart Hans Aschenloher, Pressesprecher Peter Hoffmann, Schriftführerin Barbara Kell, Zweiter Vorsitzender Toni Danner und alpiner Sportwart Karl Haider sen.

So wurde er 1964 erstmals zum alpinen Sportwart gewählt. Ein Amt, das er seit 1984 bis zum heutigen Tag ununterbrochen inne hat. „Das hat sich alles so ergeben. Auch dass ich dann Streckenchef bei Skirennen wurde, vom Kinderrennen hinauf bis zu den beiden Weltcups auf unserem Skihang.“

Bei der WM 1974 holte Traudl Treichl die erste Silbermedaille für den Skiclub

Den ersten großen internationalen Erfolg für den Skiclub gab es bei der WM 1974, als Traudl Treichl in St. Anton (Vorarlberg) die Silbermedaille im Riesenslalom holte. Die nächste „große“ Isarwinkler Skirennläuferin war dann Michaela Gerg, die 1980 mit erst 15 Jahren in Val d’Isere im Weltcup debütierte und auf Anhieb in der Kombination auf Platz zwölf fuhr. Rückblickend bezeichnet Haider die Trainerzeit Anfang der 1990er-Jahre als eine der erfolgreichsten. Damals waren Martina Ertl, Hilde und Annemie Gerg, Karin Gilgenreiner, Anneliese Reiser und Monika Gerg in seiner Mannschaft: „Da sind wir mit sechs Madln zum Skirennen gefahren und kamen mit sechs Medaillen wieder nach Hause.“

Goldene Zeiten in den 90er-Jahren: „Leichter, ein Weltcup-Rennen zu gewinnen, als beim Lenggrieser Skiclub Vereinsmeisterin zu werden“

Er erinnert sich auch noch gut an den ersten Parallelslalom, der 1997 im Weltcup ausgetragen wurde. In Mammoth Mountain (USA) fuhren Martina Ertl und Hilde Gerg im Finale gegeneinander – Letztere gewann. Aus diesen „goldenen Zeiten“ stammt auch der Satz: „Es ist leichter, ein Weltcup-Rennen zu gewinnen, als beim Lenggrieser Skiclub Vereinsmeisterin zu werden.“

Für die Zukunft wünscht sich Haider, „dass sich auch weiterhin viele Leute für den Nachwuchs im Skiclub engagieren. Dass das, was Martin und ich angefangen haben, weitergeführt wird.“ Darüber hinaus hofft er, „dass Corona möglichst bald vorbei ist, dass die Kinder wieder mit Freude am Brauneck Skifahren können.“  

Meilensteine in der Geschichte des Skiclubs

Der Skiclub Lenggries, der als erfolgreichster Skiclub der Welt in den Annalen steht, feiert am kommenden Sonntag sein 75-jähriges Bestehen. Corona-geschuldet ganz ohne jedwede Feierlichkeit. Nachfolgend in chronologischer Reihenfolge die Eckpunkte seiner bemerkenswerten Entwicklung:

28. Februar 1946: Die amerikanische Militärregierung genehmigt die Gründung des Skiclubs Lenggries.

1962: Martin Haider wird zum alpinen Jugend-Sportwart gewählt; er richtet das Nachwuchs-Training leistungsorientiert aus, zudem „erfindet“ er den Lenggrieser Kinder- und Jugend-Skitag sowie zusammen mit Hermann Geiger das alljährliche Sommerfest im Biergarten der Schlossbrauerei Hohenburg.

1974: Traudl Treichl gewinnt bei der WM in St. Anton mit Silber im Riesenslalom die erste Medaille für den SCL bei einem internationalen Großereignis.

1980: Weltcup-Herren-Slalom auf dem Weltcup-Hang.

1982: Weltcup-Damen-Slalom auf dem Weltcup-Hang.

2001: Der vereinseigene Sessellift wird eröffnet.

2005: Die deutsche Nationalmannschaft gewinnt Gold im Teambewerb bei der WM in Bormio; von den sechs Teammitgliedern kommen mit Martina und Anderl Ertl, Hilde Gerg und Flori Eckert vier vom Lenggrieser Skiclub.

2007/08: Die maschinelle Beschneiungsanlage auf dem Weltcup-Hang wird fertiggestellt.

2017: Die wettkampftaugliche Flutlicht-Anlage wird erstmals offiziell eingeschaltet.

28. Februar 2021: Der Skiclub Lenggries feiert seinen 75. Geburtstag.

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