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Blickt auf viele Projekte zurück: Bürgermeister Werner Weindl (stehend), der am Ende bekannt gab, dass er im kommenden Jahr nicht mehr kandidieren wird.  

Bürgerversammlung

7800 Quadratmeter Bauland für Einheimische in Lenggries

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Rund 120 Interessierte verfolgten am Freitagabend die Lenggrieser Bürgerversammlung. 

Lenggries – Der Rückblick von Bürgermeister Werner Weindl in der Bürgerversammlung im Alpenfestsaal war umfangreich. Er berichtete von der Umrüstung der Kläranlage auf anaerobe Schlammfaulung, vom Radwegbau in die Jachenau sowie vom Umbau der ehemaligen Post und dem Bau eines Nahwärmenetzes. Mit beiden Maßnahmen wird in den nächsten Tagen begonnen.

Auch auf die abgeschlossene Hochwasserschutzmaßnahme am Lahnerbach ging Weindl ein. Knapp 5,5 Millionen Euro hat das Projekt gekostet – etwas weniger als vorab berechnet. „Das zeigt, dass öffentliche Bauten nicht zwingend teurer werden müssen“, sagte Weindl. Durch den Ausbau seien nun alle Anwesen zwischen alter Talstation und der Einmündung des Bachs in die Isar bei Schlegldorf geschützt. Schöner Nebeneffekt: Auf einem nun hochwassersicheren Grundstück an der Enzianstraße will die Gemeinde auf 2800 Quadratmetern im Rahmen eines Erbpachtvertrags jungen einheimischen Familien das Bauen ermöglichen. Zudem habe die Gemeinde Ende 2018 nahe der Wackersberger Straße ein weiteres 5000 Quadratmeter großes Grundstücke erworben. Auch hier soll ein Einheimischenmodell realisiert werden.

„Die Vergabe erfolgt nach einem Punktekatalog“, sagte Weindl. Allerdings sind die Richtlinien, die die EU für Einheimischenmodelle aufgestellt hat, recht strikt. So liege die Einkommensgrenze für Alleinstehende bei 37 000 Euro, für Paare und Alleinerziehende bei 74 000 Euro. Das Immobilieneigentum der Eltern werde angerechnet – genauso wie das eigene Vermögen, sagte Weindl. Darüber hinaus gibt es unter anderem Punkte dafür, wenn pflegebedürftige Angehörige im Haushalt leben, man sich ehrenamtlich in der Gemeinde engagiert und dort auch arbeitet. Von diesen Kriterien könne man kaum abrücken, antwortete Weindl auf Nachfrage. „Wenn wir davon abweichen, machen wir uns angreifbar. Und diejenigen, die bei der Vergabe nicht zum Zug kommen, schauen da dann ganz genau hin.“

Beim Blick auf anstehende Projekte zeigte sich, dass die Aufgaben nicht kleiner werden. Allen voran: der Neubau des Pflegeheims. Weindl blickte auf „die langwierigen Verhandlungen mit dem Landkreis“ zurück und auf „den wegweisenden Beschluss“ des Gemeinderats, den Neubau selbst zu stemmen. „Alleiniger Investor und Vermieter werden wir sein“, sagte Weindl. Er rechnet mit einer Investition in Höhe von 15 Millionen Euro. Das werde nur mit Hilfe von Krediten zu schultern sein. „Das heißt, Lenggries wird hoch verschuldet sein“, sagte Weindl. Refinanziert werden soll das Ganze über die Miete, die die Caritas als künftiger Betreiber bezahlt, sowie über Zuschüsse. Die gibt es unter anderem vom Landkreis: 15 000 Euro schießt der zu jedem neugebauten Platz zu. Bei 100 Plätzen wäre das 1,5 Millionen Euro. Darüber hinaus gewährt der Kreis, der das Heim bislang betreibt, der Gemeinde ein 3,5-Millionen-Euro Darlehen mit einer Laufzeit von 40 Jahren – 30 davon zinsfrei. „Der Bau wird eine der größten Herausforderungen der letzten Jahrzehnte“, sagte Weindl. Eigentlich sei die Errichtung eines Pflegeheims nicht Aufgabe einer Kommune. So behalte Lenggries aber die Entwicklung in der Hand.

Lesen Sie auch: Lenggrieser Bürger bitten um Tempo-30-Limit im Ortszentrum

Nächster Schritt ist die europaweite Ausschreibung der Planungsleistung. Das brauche Zeit. „Wir werden erst im Sommer wissen, wer das für uns plant.“ Das jetzige Heim soll dann so lange in Betrieb bleiben, bis der Neubau steht. Weindl hofft, dass es auch für einen Teil des Altbaus eine Nachfolgenutzung gibt. „Als Personalwohnungen oder für die Verwaltung.“

Bürgermeister tritt 2020 nicht mehr an

Nach dem Grußwort von Drittem Landrat Klaus Koch, der ein Plädoyer für Europa und die Europawahl hielt, und den Bürgerfragen überraschte Weindl mit der Ankündigung, im März 2020 vor allem aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Rathauschef zu kandidieren. Mit 24 Jahren habe er eine längere Amtszeit als alle seine Vorgänger absolviert, sagte Weindl, der am Tag der Wahl 59 Jahre alt sein wird. „Es ist Zeit, Platz zu machen für neue Ideen.“ Natürlich sei es immer die Frage, wann der richtige Zeitpunkt für einen Rückzug gekommen sei. „Wenn man zu früh geht, hat man keine Zeit, Akzente zu setzen, geht man zu spät, heißt es, man klebt an seinem Stuhl.“ Er werde bis zum 30. April 2020 – dem letzten Tag seiner Amtszeit – „mit 150 Prozent“ für die Gemeinde arbeiten. „Danach haben meine Gesundheit und meine Familie Vorrang“, sagte Weindl. Viele würden denken, ein Bürgermeister sei nur ein Grußonkel. Tatsächlich aber sei man „sieben Tage und Nächte die Woche gefordert“. Das gehe an die Substanz – „und das ist auch bei mir der Fall“.

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