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An manchen Stellen der Isar gibt es zu viel Kies, an anderen zu wenig. Eine Verlagerung hat aber Auswirkungen – beispielsweise auf den Lebensraum der Fische.

Ärger über Kiesverlagerung

„Isar ohne Fische wünscht sich niemand“

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Lenggries - Der Sylvensteindamm ist gerade für den Hochwasserschutz wichtig. Aber er unterbricht auch den natürlichen Fluss der Isar. Und er sorgt dafür, dass es keinen Geschiebetransport mehr gibt. Regelmäßig wird daher im Zulauf zum See Kies ausgebaggert und unterhalb des Damms wieder in die Isar geschüttet. Das sorgt nicht unbedingt für Begeisterung bei Fischern und der Gemeinde Lenggries.

Geschiebe ist für die Isar wichtig, weil sich der Wildfluss sonst weiter eintieft, und es unter anderem zu Uferabbrüchen kommen könnte. In regelmäßigen Abständen beantragt das Weilheimer Wasserwirtschaftsamt daher Kiesumlagerungen.

Zuletzt wurde 2013 Geschiebe ausgebaggert und wieder in den Fluss eingebracht. Dasselbe beantragte das Wasserwirtschaftsamt in der Gemeinderatssitzung am Montag. An vier Stellen – unter anderem am Steinbock-Denkmal und an der Isarburg – sollen Kiesmengen zwischen 4000 und 10 000 Kubikmetern in den Fluss zurück. Anfangen möchte die Behörde bereits im August. „Die Beteiligung der Gemeinde erfolgte wieder extrem kurzfristig, und wir sollen dann hupfen“, kritisierte Bauamtsleiter Anton Bammer. Dem Fischereiverein sei gar keine Möglichkeit gegeben worden, Stellung zu beziehen. Dennoch hat sich der Verein auf Bitten der Gemeinde geäußert. Und Vorsitzender Stefan Greif findet in dem Schreiben harte Worte. „Der Fischereiverein ist derzeit klar gegen die geplante Geschiebeeinbringung.“ Bereits jetzt sei die Isar starken Veränderungen unterworfen. Verantwortlich dafür sind die jüngsten Baumaßnahmen und die deutliche Absenkung des Sees über den vergangenen Winter.

„Die nun geplante Geschiebeeinbringung wird die letzten verbliebenen Tiefwasserstellen und Gumpen vollends versanden lassen.“ Genau diese Bereiche seien aber als Unterstände für Fische wichtig. Werde der Kies eingebracht, „entsteht eine strukturlose Unterwasserautobahn, in deren Strömung sich kein Fisch dauerhaft halten kann“, so Greif.

Der Verein plädiert daher für eine Ortsbegehung mit allen Beteiligten, um eine naturverträgliche Lösung zu finden. „Denn eine Isar ohne Fische wird sich niemand wünschen.“ Ziel müsse es sein, eine „einvernehmliche Lösung zu finden“, sagte auch Bürgermeister Werner Weindl (CSU). Josef Wasensteiner (CSU) vermisste zudem die seit Langem zugesagte Dokumentation, was die vergangenen Kiesverlagerungen tatsächlich gebracht haben. „Der Erfahrungsbericht sollte uns doch mal vorgelegt werden.“

Dass diese Zusage vom Wasserwirtschaftsamt nicht eingehalten wird, ist auch für Vize-Bürgermeister Franz Schöttl (CSU) „ein Ärgernis“. Letztlich sei man immer in Erklärungsnot, wenn Bürger wissen wollen, warum sich in der Isar große Steinhaufen auftürmen. „Und wenn man dann keine Argumente hat, dass das sinnvoll ist, bleibt das Unverständnis bestehen“, sagte der passionierte Fischer.

Seine Zustimmung zu der Kieseinbringung wollte der Gemeinderat nicht geben. Beschlossen wurde stattdessen, auf einen gemeinsamen Ortstermin mit dem Fischereiverein und dem Wasserwirtschaftsamt zu drängen und die Entscheidung so lange zu vertagen.

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