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Da herrschte noch Einigkeit: Beim Tag der offenen Tür im September 2016 pflanzen (v. li.) Pfarrer Josef Kraller, Fördervereins-Vize-Vorsitzende Anja Künkele, Rathaus-Geschäftsleiterin Heidi Kiefersauer, Fördervereins-Vorsitzender Dieter Braun und Bürgermeister Werner Weindl symbolisch einen Baum vor den neue n Containern neben der Schule. Darin befindet sich die Mittags- und Hausaufgabenbetreuung.

Mittags- und Hausaufgabenbetreuung

Ärger zwischen Förderverein und Gemeinde

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200 Kinder nutzen das Betreuungsangebot des Fördervereins der Schulen im Isarwinkel. Der Verwaltungsaufwand ist aus Sicht des Vorstands ehrenamtlich nicht mehr zu stemmen. Um die Arbeit fortsetzen zu können, wurde eine feste Kraft eingestellt. Die Gemeinde wusste davon nichts, soll aber zahlen.

Lenggries– Seit 20 Jahren engagiert sich Anja Künkele ehrenamtlich für den „Förderverein der Schulen im Isarwinkel“. Eine Herzensangelegenheit, wie sie sagt. Trotzdem überlegte die Vize-Vorsitzende im August, aufzuhören: Das Ehrenamt fraß zu viel Zeit, die Belastung war zu groß. Ihre Vorstands-Kollegen reagierten schnell und boten ihr eine Festanstellung an. Andernfalls, sagt Vorsitzender Dieter Braun, wäre die Mittags- und Hausaufgabenbetreuung in Lenggries vor dem Aus gestanden. Künkele kündigte ihren alten Job und kümmert sich seitdem um die Verwaltung.

Von alledem erfuhr Bürgermeister Werner Weindl erst im Nachhinein. Im September bat der Verein nämlich bei der Gemeinde um einen finanziellen Zuschuss in Höhe von 15 000 Euro. „Ungut“, findet der Rathaus-Chef das Vorgehen, nicht in die Personalentscheidung eingebunden gewesen zu sein – und im Nachhinein um Geld gebeten zu werden. „Wir haben 60 Vereine“, sagt Weindl. „Wenn das alle so machen würden, würden wir nicht mehr froh werden.“

Braun kontert, er habe keine andere Wahl gehabt, um das Angebot aufrecht erhalten zu können. Neben der Mittags- und Hausaufgabenbetreuung betreibt der Verein in Lenggries, Arzbach und Gaißach auch „Spatzennester“ – ein Betreuungsangebot für Kinder ab 18. Monaten. Rund 200 Mädchen und Buben nutzen eines dieser Angebote. Deren Eltern sind laut Braun in der Regel darauf angewiesen, weil sie arbeiten müssen.

Deshalb unterstütze die Gemeinde „diese wichtige Arbeit“ nach Kräften, sagt Weindl. Sie bezahle zum Beispiel die Betriebskosten. 190 000 Euro investierte die Kommune außerdem in die Anschaffung und den Umbau der Container, in denen die Mittags- und Hausaufgabenbetreuung seit April 2016 beheimatet ist.

Stimmt, sagen Braun und Künkele. Das sei aber auch mehr oder weniger die Pflicht der Gemeinde. „Wir betreuen Lenggrieser Kinder“, betont Künkele. Würde die Kommune diese Aufgabe selbst übernehmen, müsste sie deutlich mehr investieren, glaubt die Vize-Vorsitzende des Fördervereins. Ihr und Braun fehlt die Wertschätzung ihrer Arbeit. Bestes Beispiel: die Festanstellung Künkeles. Der Verwaltungsaufwand sei ehrenamtlich nicht mehr zu stemmen. Trotzdem will die Gemeinde nach Alternativen suchen und knüpft einen finanziellen Zuschuss an Bedingungen.

So muss der Verein laut Weindl einen Haushaltsplan vorlegen, um Einsparmöglichkeiten aufzuzeigen. Nur dann wandelt die Gemeinde das kürzlich gewährte Darlehen in Höhe von 5000 Euro in einen Zuschuss um. Das Geld stammt aus dem Gemeindehaushalt. Weitere 5100 Euro bewilligte vor zwei Wochen die Josef-und-Irmgard-Brückl-Stiftung. Trotz dieser Soforthilfe wird der Verein um eine Erhöhung der Mitglieds-Beiträge wohl nicht herumkommen.

Damit befasst sich am morgigen Dienstag auch ein Tagesordnungspunkt bei der Jahreshauptversammlung des Fördervereins in der „Kaminstubn“ im Arabella Brauneck Hotel in Lenggries. Beginn ist um 19.30 Uhr. Auch Neuwahlen stehen auf dem Programm. Ob sich Braun noch einmal für den Vereinsvorsitz zur Verfügung stellt – dazu wollte er sich im Vorfeld der Sitzung nicht äußern.

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