1. Startseite
  2. Lokales
  3. Bad Tölz
  4. Lenggries

Als der Berg in Flammen stand – Vor 10 Jahren brannte es hoch über dem Sylvensteinsee

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Veronika Ahn-Tauchnitz

Kommentare

Stück für Stück fraß sich das Feuer am Abend des 20. Novembers 2011 über die Bergflanke.
Stück für Stück fraß sich das Feuer am Abend des 20. Novembers 2011 über die Bergflanke. © Matthäus Krinner/A

Es war ein Bild, das sich einprägte: Ein riesiger Ring aus Feuer wälzte sich über die Bergflanke und erhellte die Nacht über dem Sylvensteinsee. Ein Rückblick.

Lenggries – Vor genau zehn Jahren stand der Schwarzberg/Falkenberg in Flammen. Fünf Tage dauerten die Löscharbeiten und der von Landrat Josef Niedermaier ausgerufene Katastrophenfall. Hunderte Helfer waren im Einsatz.

Eine Fläche so groß wie 20 Fußballfelder brannte

Wochenlang hatte es in jenem Spätherbst nicht geregnet. Entsprechend trocken war alles. Am 20. November gegen 15 Uhr werden die ersten Rettungskräfte an den Sylvensteinsee gerufen. Am jenseitigen Ufer ist im Bergwald ein Feuer ausgebrochen. Zwei Stunden später steht eine Fläche so groß wie 20 Fußballfelder in Flammen. Die Wasserwacht setzt zwar immer wieder Feuerwehrleute über, die versuchen, vom Boden aus zu löschen. „Aufgrund des Geländes war das aber schnell vorbei“, erinnert sich der damalige Kreisbrandrat Karl Murböck. Die Hoffnung ruht zu diesem Zeitpunkt auf Unterstützung aus der Luft – doch die bleibt an jenem Tag aus. Wegen Nebels können die Helikopter in München nicht starten. „Wir mussten das Feuer über Nacht brennen lassen. Wir wussten nicht, was passieren wird, wie sich beispielsweise der Wind entwickelt und in welche Richtung er die Flammen treibt“, sagt Murböck rückblickend.

Der ganze Boden ist voller Glutnester

Noch am Sonntag ruft Landrat Niedermaier den Katastrophenfall aus. Am Montag um 7.30 Uhr kommen die ersten Hubschrauber. Vier von ihnen werden den ganzen Tag mit den Löscharbeiten beschäftigt sein. Glücklicherweise ist der Wind über Nacht abgeflaut. Statt offener Flammen sind nun an vielen Stellen am Hang Rauchfahnen zu sehen. Der ganze Boden ist voller Glutnester. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit: Je länger es dauert, alle Glutnester zu löschen, desto mehr von dem stabilisierenden Wurzelwerk der Vegetation wird zerstört – der nächste Regen droht das bisschen Erde, das es in der exponierten Lage gibt, wegzuspülen und dem Bergwald die Lebensgrundlage zu nehmen.

Fünf Tage lang dauerten die Löscharbeiten im November 2011
Fünf Tage lang dauerten die Löscharbeiten im November 2011 © arp/A

Hilfe durch damals neuartige Technik

Die Glutnester zu lokalisieren, ist nicht so einfach. Zur Hilfe kommt den Rettern eine Firma aus Penzberg. „Die hatte eine Wärmebildkamera stationär aufgebaut, ein Raster über den ganzen Berg gelegt und die Helikopter zielgenau mit den Koordinaten der einzelnen Glutnester versorgt“, erinnert sich Murböck. Es sei wohl einer der ersten Einsätze gewesen, bei dem diese Technik zum Einsatz gekommen sei, sagt der ehemalige Kreisbrandrat.

Mit der Wärmebildkamera wurden die Glutnester aufgespürt. 
Mit der Wärmebildkamera wurden die Glutnester aufgespürt.  © Feuerwehr

Die Löscharbeiten im steilen Gelände sind beschwerlich

Der Dienstag beginnt mit Erkundungsflügen. Am Boden werden derweil die Mannschaften zusammengestellt, die ins Einsatzgebiet müssen. „Das sind 20 Mann von der Feuerwehr und genauso viele Leute von der Bergwacht, die die Sicherung übernehmen“, schilderte damals René Mühlberger, der für die Feuerwehr die Pressearbeit übernahm. Im Wechsel rücken den ganzen Tag über Trupps zum Löschen aus. Die Hubschrauber fliegen die Helfer zum Einsatzort. Die Löscharbeiten im sehr steilen Gelände sind beschwerlich – nicht nur wegen der 22 Kilo schweren Rucksackspritze, die viele auf dem Rücken tragen. Gearbeitet werden kann auch nur auf einer Linie, um die Gefahr von ohnehin drohenden Steinschlägen nicht noch zu vergrößern. „Zum Teil musste auch der Boden aufgemacht werden, weil die Glutnester sehr tief waren“, erinnert sich Murböck. Dazwischen gibt es immer wieder Unterstützung beim Löschen aus der Luft.

Die Löscharbeiten am Boden waren in dem steilen Gelände kräftezehrend. 
Die Löscharbeiten am Boden waren in dem steilen Gelände kräftezehrend.  © Pröhl/A

Bis Freitag gehen die Arbeiten weiter. 600 bis 700 Helfer, die meisten davon ehrenamtlich, kämpfen in diesen Tagen gegen den Brand. Am 25. November 2011 um 12.08 Uhr ist es dann geschafft. Der Landrat hebt den Katastrophenfall auf, das Feuer ist endgültig unter Kontrolle.

Die Brandursache ist bis heute nicht geklärt

Die Einsatzkosten belaufen sich am Ende auf über 150 000 Euro. Größter Brocken sind die Hubschraubereinsätze. Ein Teil davon wird aus dem Katastrophenfonds des Freistaats erstattet.

Und der Wald? Tatsächlich hat sich die Vegetation auf der etwa 15 Hektar großen Brandfläche ganz gut entwickelt. Der Tölzer Forstbetrieb der Bayerischen Staatsforsten setzte bei den Nachpflanzungen vor allem auf Lärchen. „Sie ergänzen den Bestand von Fichten und Mehlbeeren gut und kommen mit dem humusarmen Boden dort gut zurecht“, sagt Forstbetriebsleiter Rudolf Plochmann auf Anfrage. Die Lärche habe sich bewährt. „Wir sind dort auf dem richtigen Weg“, sagt Plochmann. Natürlich dauere es aber viele Jahre, bis sich der Wald vollständig erholt habe.

Sechs Monate nach dem Brand waren die Spuren des Feuers noch gut zu sehen.
Sechs Monate nach dem Brand waren die Spuren des Feuers noch gut zu sehen. © va/A

Die Ursache des Feuers – die Kripo Weilheim ermittelte – ist übrigens ungeklärt. Ausgegangen wird von fahrlässiger Brandstiftung.

Bad-Tölz-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Bad-Tölz-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Bad Tölz – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare