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Bis zur Renovierung 1980 schmückte die Jakobus-Sonnenuhr den Kirchturm. 

“Heiliger Jakobus“

Alte Sonnenuhr soll zurück auf Lenggrieser Kirchturm

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Bis zur Renovierung 1980 zierte eine außergewöhnliche Sonnenuhr den Lenggrieser Kirchturm. Nun soll sie wiederhergestellt werden.

Lenggries – Er greife eine Anregung aus der Bevölkerung auf, betonte Gemeinderat Stephan Bammer (Freie Wähler), als er seinen Antrag in der Gemeinderatssitzung erläuterte. Er hatte auch die Darstellung der alten Sonnenuhr mitgebracht. Bis 1980 war auf der Westseite des Kirchturms der heilige Jakobus aufgemalt. Ein plastischer Arm ragte aus der Mauer hervor. Dieser hielt einen Stab, dessen Schattenwurf die Zeit auf der Sonnenuhr anzeigte. „Als aus der rosaroten Kirche wieder eine gelbgefasste wurde, sind der Jakobus und zwei weitere Heilige weggekommen“, sagte Bammer. Alle drei Darstellungen seien mit der Begründung, dass sie weder historisch seien noch zum Baustil passen würden und sich außerdem in schlechtem Zustand befanden, als nicht erhaltenswürdig eingeschätzt und überstrichen worden.

Bammer hat nun aber eingehend geforscht und kann zumindest die Aussage, der Jakobus – dargestellt als Pilger – sei nicht historisch, widerlegen. „Die Darstellung war jahrhundertelang auf dem Kirchturm.“ Er präsentierte beispielsweise eine Zeichnung aus dem Jahr 1822, auf der die Sonnenuhr zu erkennen ist. Das habe ja auch Sinn, schließlich ist der Heilige der Namenspatron der Lenggrieser Kirche.

Ob die Gemeinde mitzahlt, ist fraglich

Auch mit dem Pfarrer und dem Vorsitzenden der Kirchenverwaltung hat Bammer bereits gesprochen. Das Germium „wird sich in seiner Juli-Sitzung mit dem Thema befassen und hoffentlich einen positiven Beschluss fassen“. Dann sollte die Angelegenheit ans Ordinariat weitergetragen werden. Die derzeit laufende Außenrenovierung des Kirchturms werde man aber wohl nicht mehr nutzen können, um die Sonnenuhr wieder herzustellen. „Da sind wir zu spät dran“, so Bammer.

„Vom Grundsatz her“ sei man sich hier sicherlich einig, sagte Bürgermeister Werner Weindl. Ihm gingen aber einige von Bammer formulierten Aussagen in einem Beschlussvorschlag etwas zu weit – beispielsweise die, dass sich die Gemeinde an den Kosten für die Sonnenuhr beteiligt. „Eine pauschale Zusage ist nicht möglich. Die Höhe der Kosten ist nicht bekannt, Haushaltsmittel sind nicht vorhanden“, ergänzte Kämmerer Michael Wenig. Zudem beteilige sich die Gemeinde ja bereits „mit einem nicht unerheblichen Betrag an der Turmsanierung. Und: Es sei keinesfalls möglich, dass die Kommune die Verwaltung der von Bammer angeregten Jakobi-Kasse, über die Spenden gesammelt werden sollen, übernimmt. „Das soll aber nicht heißen, dass sich die Gemeinde gar nicht beteiligt“, beeilte sich Weindl hinzuzufügen. „Nur jetzt haben wir ja gar nichts in der Hand.“

Ärger über Denkmalamt

Peter Gascha ärgerte sich derweil über das Denkmalamt, das sich hier nicht für die Wiederherstellung der Uhr stark mache. „Bei der Kaserne, wo wirklich nichts zu erhalten ist, waren sie gleich da. Und beim Kirchturm wird man abgespeist.“ Die Kirche habe außerdem genügend Geld, da müsse nicht die Gemeinde einspringen. Diese sollte dem Landesamt für Denkmalschutz zeigen, dass Interesse an der Sonnenuhr besteht. „Das Amt muss dann Druck auf die Kirche ausüben.“ Josef Wasensteiner (CSU) war da skeptisch. „Der Denkmalschutz ist dann gefragt, wenn es etwas zu erhalten gibt. Aber hier ist ja nichts mehr.“

Man sollte auf jeden Fall versuchen, die Wiederherstellen des Jakobus in der laufenden Renovierung unterzubringen, forderte Hans Proisl (FW). „Die sollen erst die drei anderen Seiten machen und nicht dort streichen, wo der Jakobus hin soll.“

Der Gemeinderat beschloss am Ende, dass er die Wiederherstellung der Jakobus-Sonnenuhr begrüßt – und vom Grundsatz her auch die Jakob-Kasse. Über eine finanzielle Beteiligung an der Restaurierung könne zum jetzigen Zeitpunkt aber keine Aussage gemacht werden.

Bilder gesucht

Wer Bilder besitzt, auf denen die Jakobus-Sonnenuhr zu sehen ist (vor allem welche in Farbe), wird gebeten, sich bei Stephan Bammer zu melden, Telefon 0 80 42/9 88 44, stephan.bammer@gmx.de

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