Mildes Urteil: Das Gericht folgte der Forderung der Staatsanwältin nicht.
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Mit einem Freispruch endete der Prozess

Prozess gegen jungen Lenggrieser

Anklage wegen illegalen Kfz-Rennens: „Das reicht nicht mal für ein Knöllchen“

  • VonRudi Stallein
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Wegen eines verbotenen Kraftfahrzeugrennens musste sich jetzt ein Lenggrieser vor Gericht verantworten. Die Verhandlung endete mit einem Freispruch.

Lenggries – Eine Polizeistreife will einen Motorradfahrer kontrollieren. Den schert jedoch weder das Signal „Stopp Polizei“, noch das Blaulicht. Er rast davon. Laut Anklageschrift mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit – die Rede ist von 80 bis 100 Stundenkilometer – in Bad Tölz stadtauswärts. Auf der B 13 Richtung Lenggries soll er trotz Begrenzung auf Tempo 100 seine Maschine bei einigen Überholvorgängen sogar bis zu 145 Stundenkilometer beschleunigt haben.

Gesetzesänderung macht Anklage überhaupt erst möglich

Nun musste sich der Lenggrieser (19) vor dem Jugendgericht verantworten. Der Anklagevorwurf: Verbotenes Kraftfahrzeugrennen – das kann man seit einer Gesetzesänderung vor ein paar Jahren nämlich auch gegen und mit sich selber veranstalten. Der junge Mann wurde freigesprochen.

Er sei schon flott unterwegs gewesen, räumte der Angeklagte ein, der nach einer kurzen Rundfahrt am 25. Mai dieses Jahres gegen 16.30 Uhr von Bad Tölz auf dem Weg nach Hause war. Auch habe er, wie in der Anklageschrift festgehalten, auf der B 13 das eine oder andere Auto vor ihm überholt. „Aber dann war kein Gegenverkehr“, beteuerte der Biker. „Und wenn jemand entgegenkam, war ich in meiner Spur – alles gut.“

Die Polizei habe er nicht bemerkt, sagt der Angeklagte

Die maximal erlaubten 100 Stundenkilometer habe er beim Beschleunigen wohl manchmal überschritten, gab er zu. Aber wie schnell genau er gefahren sei, könne er nicht sagen. „Ich habe nicht auf den Tacho geschaut.“ Dass die Polizei ihm über fünf, sechs Kilometer hinterhergedüst sei, habe er nicht bemerkt. Der Seitenspiegel sei defekt gewesen und über die Schulter habe er nicht geschaut vor dem Überholen.

Die junge Polizistin (24), die vor Gericht von dem Vorfall berichtete, hegte die Vermutung: „Er wollte sich der Kontrolle entziehen.“ Andernfalls hätte der Motorradfahrer doch eine der diversen Gelegenheiten, in einer Parkbucht rechts rauszufahren, wahrgenommen. Das tat er jedoch erst, als die Polizei irgendwann neben ihm aufgetaucht war, wie der Angeklagte selbst berichtete.

„Nur nicht anzuhalten, ist noch keine Flucht“, sagt die Richterin

Ob er tatsächlich fliehen wollte, konnte durch die Zeugenaussage nicht bestätigt werden. „Vielleicht hat er sie nicht wahrgenommen“, bemerkte Richterin Friederike Kirschstein-Freund. „Nur nicht anzuhalten, ist noch keine Flucht.“ Die Polizistin konnte keine Anhaltspunkte liefern, die das Gegenteil bewiesen hätten. Auch für die angegebenen Geschwindigkeiten blieb sie belastbare Angaben schuldig.

Entzug der Fahrerlaubnis wird aufgehoben

In den Akten fand sich lediglich ein Tachofoto, das bei Tempo 137 aufgenommen worden war. Da der Tacho im Polizeiauto nicht geeicht war, muss das Gericht davon 20 Prozent abziehen. „Dann verbleiben gerade mal 109 km/h – das reicht nicht mal für ein Knöllchen“, rechnete der Verteidiger Jost Hartman-Hilter vor.

So musste auch die Staatsanwältin einräumen: „Es konnte nicht der Beweis erbracht werden, dass die Voraussetzungen für ein Kraftfahrzeugrennen gegeben sind.“ Die Richterin verkündete: „Der Angeklagte wird freigesprochen, der Entzug der Fahrerlaubnis wird aufgehoben.“

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