Stück für Stück werden die Metalschotts, die regeln, wie viel Wasser aus dem Speicher in die Isar strömt, aus dem Grundauslass an die Oberfläche gebracht.

Sylvensteinspeicher

Arbeiten im Auslass

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Lenggries - 40 Meter unter der Oberfläche werden derzeit am Sylvensteindamm für 3,5 Millionen Euro alle Stahl-Elemente erneuert.

Der Sylvensteindamm war in den vergangenen fünf Jahren immer für ein spektakuläres Foto gut. Gearbeitet wurde mit riesigen Maschinen, um eine neue Dichtwand einzuziehen oder einen Tunnel am Dammfuß zu bohren. 24 Millionen Euro haben Freistaat und EU investiert, um das Bauwerk aus den 50er-Jahren fit für die Zukunft und den Klimawandel zu machen. Im Mai wurde das Programm abgeschlossen. Das bedeutet aber nicht das Ende der Arbeiten. Im Gegenteil: Gerade werden rund 3,5 Millionen Euro in den Stahl-Wasserbau investiert – dieses Mal allerdings weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. „Die Arbeiten laufen eher im Stillen ab“, sagt Tobias Lang, am Weilheimer Wasserwirtschaftsamt zuständig für den Stausee. Gearbeitet wird derzeit im Grundauslass, etwa 40 Meter unter der Oberfläche.

Einfach ausgedrückt fließt durch den Grundauslass das Wasser aus dem Speichersee in die Isar. Um die Menge zu regeln, gibt es zwei Schieber, die hoch- und runtergefahren werden können. Diese bestehen aus dickem Stahl – und müssen jetzt raus. Das geht nur zerlegt in Einzelteilen. Blickt man von oben in den Schacht, sieht man noch die Flammen der Schneidbrenner. Ein Propan-Sauerstoff-Gemisch frisst sich durch das Metall. Gearbeitet wird mit Atemschutz. Das ist dringend nötig, wie der dicke Dunst, der nach oben steigt, zeigt.

Werktags regelt Ampel den Verkehr

Stück für Stück werden die beiden Schotts und die anderen Stahlteile abtransportiert. Damit das möglich ist, muss die B 307 Richtung Fall auf Höhe des großen Tors, das in den Felsen eingelassen ist, immer wieder halbseitig gesperrt werden. Hinter diesem Tor befindet sich nämlich ein Zugang zum Grundauslass: ein 40 Meter tiefer Schacht im Felsen. Während der Sperrung regelt eine Ampel den Verkehr. „Am Wochenende versuchen wir aber, die Straße freizugeben“, sagt Lang.

Damit überhaupt am Grundauslass gearbeitet werden kann, waren große Vorbereitungen nötig. Denn um den Stollen trockenzulegen, muss der Zugang von der Seeseite aus verschlossen werden. Diese Aufgabe erfüllt das Revisionsschütz, eine 21 Tonnen schwere Stahlplatte, praktisch der Stöpsel des Sees. Auch hier hatte das alte Exemplar seine Lebensdauer erreicht, und wurde im Dezember 2015 ausgetauscht. Um das Ungetüm überhaupt mit Hilfe eines Autokrans in die Führungsschienen einsetzen und richtig verbauen zu können, musste der Seespiegel soweit abgesenkte werden, dass die Ruinen des Dorfs Alt-Fall wieder zum Vorschein kamen. Sehr zur Freude zahlreicher Schaulustiger, die wochenlang durch den Schlamm wateten.

Wie kommt jetzt das Wasser in die Isar?

Da der Grundauslass verschlossen ist – wie kommt jetzt eigentlich das Wasser in die Isar? „Durch den Triebwasserstollen auf der anderen Seite des Damms“, sagt Lang. Durch ihn werden auch die beiden Kraftwerke gespeist. „Bei Hochwasser fließen normalerweise zwei Drittel des Wassers durch den Grundauslass und ein Drittel durch den Triebwasserstollen. Der leistungsfähigere Auslass steht also im Moment nicht zur Verfügung“, so Lang. Deshalb wird im Winter gebaut – der hochwasserärmsten Zeit im Jahr. Noch eine Sicherheitsvorkehrung wurde getroffen: Der Seespiegel hat immer noch Sommerstauhöhe, ist also zwei Meter niedriger als sonst zu dieser Jahreszeit. „Das haben wir auch mit den Fischern und dem Landratsamt abgesprochen“, sagt Lang.

Finanzierungspartner bei diesem Projekt ist übrigens dieses Mal nicht die EU. Die Zuschüsse stammen aus dem Aufbauhilfefonds der Bundesregierung zum Hochwasser 2013.

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