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Die Fachklinik in Lenggries schließt Ende Juni. Die Mitarbeiter verlieren ihre Jobs.

Mitarbeiter stehen auf der Straße

Asklepios schließt Fachklinik in Lenggries

Bad Tölz/Lenggries - Es kam für die über 100  Mitarbeiter der Lenggrieser Fachklinik aus heiterem Himmel: Asklepios-Geschäftsführer Dr. Joachim Ramming teilte ihnen am Mittwochnachmittag mit, dass die Klinik im Juni geschlossen wird. 

„Der Schock war groß“, schildert ein Teilnehmer die Stimmung bei der Betriebsversammlung am Mittwoch, bei der die Schließung verkündet wurde. Es habe keinerlei Anzeichen für diesen Schritt gegeben. Im Gegenteil: Erst kürzlich sei noch Personal eingestellt worden, sagt ein anderer. „Respektlos“ sei dieses Vorgehen. Ein Kommentator auf der Facebook-Seite des Tölzer Kurier drückt es noch drastischer aus: „Da hat man sich jahrelang den Arsch aufgerissen, um dann wie ein altes Tier ausgesetzt zu werden.“

Auch am Donnerstag standen die Mitarbeiter noch unter Schock. „Es war eine sehr gedrückte Stimmung – vermischt mit Wut, Fassungslosigkeit und Trauer“, schildert eine Mitarbeiterin. „Keiner weiß, wie es weiter geht. Wir motivieren uns aber auch gegenseitig, damit die Patienten nicht leiden.“

2013 hatte die Tölzer Asklepios-Stadtklinik GmbH die Fachklinik gekauft. 2014 wurde sie in ein Zentrum für geriatrische Rehabilitation mit 95 Betten umgewandelt - eine der „größten geriatrischen Einrichtungen Bayerns“, heißt es auf der Homepage.

Nun möchte Asklepios das Angebot nach Tölz verlagern und an der dortigen Stadtklinik  eine Hauptabteilung für Akutgeriatrie aufbauen. Sie wird zum 1. Juli 2017 mit einer geplanten Stationsgröße von 30 Betten eröffnen. Auch das geriatrische Rehabilitationsangebot soll mittelfristig in Bad Tölz neu aufgebaut werden, um dort die geriatrische Akutversorgung zu ergänzen. Den Patienten der Akutgeriatrie soll  so „ein nahtloser Übergang in die Rehabilitation ohne Ortswechsel ermöglicht werden“, heißt es von Seiten von Asklepios. „Vor dem Hintergrund dieser strategischen Entscheidung in Bad Tölz erscheint es nach Auffassung der Geschäftsleitung der Asklepios-Klinik Lenggries strategisch nicht sinnvoll, den Standort in Lenggries aufrecht zu erhalten. Es ist daher geplant, diesen Standort zum 30. Juni 2017 zu schließen.“

Immobilie ist bereits verkauft

Tatsächlich ist die Immobilie in Lenggries bereits verkauft - an die Bergweg 21 Immo GmbH & Co. KG. „Der neue Eigentümer möchte die Immobilie einer neuen Nutzung, voraussichtlich im Bereich der Daseinsvorsorge, zuführen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Dafür werde ein siebenstelliger Euro-Betrag in die Immobilien investiert. 

„Mir ist bewusst, dass dieser Schritt für die Beschäftigten in Lenggries überraschend und einschneidend ist. Als Teil der Geschäftsleitung der Asklepios-Klinik Lenggries ist es mir daher wichtig mit dem Betriebsrat zunächst sozialverträgliche Lösungen zu verhandeln und in diesem Zusammenhang auch die Möglichkeit der Beschäftigung in anderen Asklepios-Häusern zu prüfen“, sagt Stadtklinik-Geschäftsführer Dr. Joachim Ramming. Eine Übernahme könne aber nicht garantiert werden. „Wir werden diese Verhandlungen zeitnah beginnen, die sich aus den veränderten Rahmenbedingungen ergebenden weiteren Schritte selbstverständlich eng mit dem Betriebsrat abstimmen“, so Ramming.

Bürgermeister: „Ich bin schockiert“

Nicht nur die Mitarbeiter traf die Nachricht aus heiterem Himmel. Auch Bürgermeister Werner Weindl wurde von der Schließung völlig überrascht. „Am Mittwochabend habe ich das erste Gerücht gehört“, sagte er. Donnerstagvormittag wurde er dann von Ramming informiert. „Für die Gemeinde ist das ein Schlag. Es gab ja keinerlei Anzeichen“, betont Weindl. Die Fachklinik sei einer der größten Arbeitgeber in Lenggries. „Ich bin schon schockiert.“ Zumal er sich immer mal wieder über die Entwicklung informiert habe. „Da hieß es immer, es passt, man sei im Aufbau, plane eine Erweiterung der Bettenzahl, finde aber nicht genügend Personal“, so Weindl. 

Er findet das Vorgehen von Asklepios „schon ungewöhnlich“. Auch, dass sich der neue Eigentümer vor dem Kauf nicht mit der Gemeinde in Verbindung gesetzt hat, um auszuloten, was auf dem Areal möglich ist, findet der Rathauschef seltsam. Schließlich lasse der Bebauungsplan für das Grundstück am Bergweg wenig Spielraum. „Darin ist eine Reha-Einrichtung festgeschrieben.“ 

Natürlich werde man jetzt versuchen, mit dem neuen Eigentümer Gespräche zu führen. Weindl möchte auch gerne wissen, wer hinter der Gesellschaft steckt. „Herr Hertwig ist ja wahrscheinlich nur der Geschäftsführer.“ Über die genauen Hintergründe der Schließung kann Weindl auch nur rätseln. „Ich habe Herrn Ramming auch gefragt, ob es eine wirtschaftliche Entscheidung ist. Er hat gesagt, die Einrichtung schreibt eine gute schwarze Null.“ 

Neuer Eigentümer sieht „gute Möglichkeiten“ für neue Nutzung

Christoph Hertwig, Geschäftsführer der Bergweg 21 Immo GmbH & Co. KG, erklärt gegenüber dem Tölzer Kurier, dass er am Donnerstagvormittag zusammen mit Ramming bei Bürgermeister Weindl vorstellig wurde. Davor gab es mit der Gemeinde noch keine Gespräche über eine künftige Nutzung.

„Uns sind die Rahmenbedingungen - etwa Dienstbarkeiten und Bebauungsplan - bewusst“, sagt Hertwig. Vor diesem Hintergrund sehe er „gute Möglichkeiten“ für eine weitere Nutzung, „die auch für die Gemeinde von Vorteil ist“. Was genau aus dem Gebäude wird, stehe aber noch nicht fest.

Hertwig lebt in Lenggries und ist dort aufgewachsen. „Ich kenne die Familie, die das Haus gebaut hat, die Immobilie ist mir Zeit meines Lebens bekannt“, sagt er. „Dass Asklepios den Standort aufgibt, hat sich niemand gewünscht.“ Zum Kauf sei das rund einen Hektar große Grundstück aber attraktiv gewesen. „Der Standort ist sehr gut.“ Das Gebäude selbst, das aus der Zeit Anfang der 1990er-Jahre stamme, mache zwar äußerlich einen guten Eindruck, genüge aber nicht mehr den heutigen Anforderungen für einen Klinik- oder Pflegebetrieb. „Man wird einige Millionen Euro investieren müssen.“ Er gehe dennoch nach jetzigem Stand davon aus, dass das Gebäude nicht abgerissen, sondern erhalten werde. „Die Entscheidung trifft letzten Endes der künftige Nutzer.“

Wer die Gesellschafter der im November 2016 eigens aus der Taufe gehobenen „Bergweg 21 Immo GmbH & Co. KG“ sind, dazu gibt Hertwig auf Rückfrage keine Auskunft. Er selbst sei seit Anfang der 2000er-Jahre im Bereich Immobilien tätig, als Makler, in der Entwicklung sowie im Bereich Kapitalbeschaffung.

Veronika Ahn-Tauchnitz und Andreas Steppan

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