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Das Haupttor der Lenggrieser Kasene.

Lenggrieser Bürgerversammlung

Asyl: Gemeinde prüft Kasernengebäude

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Lenggries - Gut gefüllt war der Alpenfestsaal am Freitag bei der Lenggrieser Bürgerversammlung. Hauptthemen des Abends waren die Unterbringung von Asylbewerbern und die künftige Entwicklung der Kaserne, die die Gemeinde für 4,95 Millionen Euro gekauft hat.

142 Flüchtlinge leben in Lenggries – die meisten davon in der Containeranlage an der Geiersteinstraße. Damit erfüllt die Gemeinde im Moment ziemlich genau die Quote. 16 Plätze sind derzeit frei. Unter den Flüchtlingen sind 53 sogenannte Fehlbeleger: Menschen, die bereits eine Anerkennung haben, aber nicht aus den Unterkünften ausziehen können, weil sie keine bezahlbare Wohnung finden. „Wie es mit den Zahlen weitergehen wird, kann niemand sagen“, erklärte Bürgermeister Werner Weindl. Das stelle Kommunen vor große Probleme. „Wir wissen nicht, wie viele Kindergartenplätze wir brauchen oder wie viele Klassen.“ Treffen die Prognosen des Landratsamts für den Landkreis zu, müsste Lenggries bis Ende des Jahres mit 400 Flüchtlingen rechnen. Allerdings stochert auch das Landratsamt im Nebel. „Land und Bund trauen sich nicht mehr, Prognosen abzugeben“, sagte Landrat Josef Niedermaier. „Aber wir müssen bei unseren Planungen ja von irgendeiner Zahl ausgehen.“ Gut 1800 Asylbewerber leben derzeit in den Städten und Gemeinden. Bis Ende des Jahres geht die Kreisbehörde von 5000 aus.

In den vergangenen Wochen ging der Zustrom zurück. Dennoch hält der Landkreis an den Unterkunfts-Bauprojekten für einen zweistelligen Millionenbetrag fest. Schließlich seien im Landkreis immer noch Turnhallen belegt. „Die müssen wir freibekommen.“

Weindls Wunsch nach dezentralen Unterkünften, um eine Ghettobildung zu verhindern, kann Niedermaier nachvollziehen. Erfüllbar sei er aber nicht. Mit den bestehenden 170 Liegenschaften sei die Grenze des Machbaren erreicht. „Die Strategie geht jetzt zu größeren Unterkünften.“ Eine davon wird auf dem Gelände der Lenggrieser Flussmeisterstelle entstehen. Sie bietet Platz für rund 80 Menschen. „Aber natürlich ist auch die Kaserne in den Fokus geraten“, sagte Niedermaier.

Tatsächlich hat die Gemeinde einen kleinen Teil der Liegenschaft bereits auf diese Möglichkeit untersuchen lassen, wie Weindl erklärte. Gemeinsam mit einem Architekten wurde bei einem der u-förmigen Gebäude geklärt, was nötig wäre, um es nutzbar zu machen. „240 Menschen könnten dort wohnen“, sagte Weindl. Allerdings müssten vorher 1,3 Millionen Euro in Schadstoffsanierung, Brandschutz und den Einbau von Sanitäranlagen investiert werden. „Das Geld muss man erst einmal haben.“

Zudem führt die Gemeinde Gespräche mit dem Eigentümer der restlichen Kasernenflächen. Auf dem Gelände der Luitpolderhöfe GmbH leben bereits rund 20 Asylbewerber in einem der beiden Unteroffiziersheimen. Hier ist nun auch die Nutzung des zweiten langgestreckten Hauses im Gespräch. Die beiden Häuser könnten 80 bis 100 Menschen ein Zuhause bieten. Wichtig für die Gemeinde ist allerdings, dass der Eigentümer aus dieser vorübergehenden keine dauerhafte Wohnnutzung ableiten kann.

Bei der Frage, wie die Nutzung der alten Kaserne aussehen könnte, erbat sich Weindl Geduld. „Bitte geben Sie dem Gemeinderat die Zeit, sich umfassend mit dem Für und Wider einer Entwicklung auseinanderzusetzen. Dafür werden wir das ganze Jahr brauchen – und vielleicht darüber hinaus.“ Die Entwicklung sei auf jeden Fall „ein Generationenprojekt“.

Derzeit führe man Gespräche mit einem Interessenten, „der ein Sportcamp ernsthaft umsetzen will“. Als erstes wird die Gemeinde aber gemeinsam mit den Vereinen einen separaten Weg auf der Nordseite der Kaserne zum Sportplatz anlegen.

Besitzübergang der Liegenschaft von Action Sports auf die Gemeinde ist am 31. März. Bis dahin müssen die ungenehmigten Zwischennutzungen beendet sein. Wie berichtet hatte der alte Eigentümer zahlreiche Flächen und Gebäude vermietet – ohne Genehmigung. Gegen die Kündigung der Verträge hatten die Mieter protestiert und um Aufschub gebeten. „Es gibt keinen Grund, warum man diese Zwischennutzung dort nicht belassen sollte“, meinte auch ein Bürger am Freitag. Aber offensichtlich habe Lenggries ja so viel Geld, dass es die Einnahmen nicht brauche, ergänzte er.

Weindl verteidigte das Vorgehen in Sachen Zwischennutzung. Bereits im Mai 2014 hatte man das Landratsamt auf die nicht genehmigten Nutzungen hingewiesen und um Eingreifen gebeten. Allerdings dauerte es über ein Jahr, bis die Kreisbehörde den Besitzer aufgefordert habe, die Nutzungen einzustellen. „Und das ist dann nicht befolgt worden“, so Weindl. Da nun aber die Gemeinde der neue Eigentümer sei, sei es unumgänglich, die Schwarznutzung zu beenden. „So lange ich gewählt bin, mache ich nicht bewusst etwas Rechtswidriges“, sagte Weindl. Dabei richte sich der Vorwurf nicht gegen die Mieter, ergänzte er. „Die haben in gutem Glauben gehandelt.“

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