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Bei der Ausstellungseröffnung (v. li.): Archivarin Manuela Strunz, Filmemacher Rudi Kornbichler und „Deichelbohrer“ Sepp Wasensteiner

Ausstellung „Deicheln und Deikern“ im Lenggrieser Heimatmuseum 

Alles im Fluss – wenn gut gebohrt ist

In gar manch bäuerlicher Werkstatt finden sich heute noch alte Werkzeuge, von denen die Jungen nicht wissen, wofür sie einst verwendet worden sind. Wenn diese alten Werkzeuge aber in die richtigen Hände kommen, kann daraus ein interessanter Rückblick in vergangenes Handwerk entstehen.

Lenggries – Im Lenggrieser Heimatmuseum wurde am Donnerstag die Ausstellung „Deicheln und Deikern“ eröffnet. Weil aber auch die Begriffe „Deicheln“ und „Deikern“ nicht unbedingt zum heutigen Wortschatz gehören, hatte Museumsleiterin Manuela Strunz nachgeforscht: „Das Wort Deichel leitet sich von ,Duktile‘ ab und bedeutet so viel wie Leitung. Und unter dem Begriff „Deicheln“ versteht man das zentrale Durchbohren eines Baumstammes zum Erhalt einer Holzröhre.“ Die Bezeichnung „Deikern“ sei wohl eher eine örtliche Abwandlung von „Deicheln“.

Wie ist es zu dieser Ausstellung gekommen? Sepp Wasensteiner bekam eines Tages von einem Cousin altes Werkzeug in die Hände. Er wusste noch um den Gebrauch dieser Gerätschaften und ging mit wachsendem Interesse daran, die alte Technik auszuprobieren und das Wasserleitungssystem früherer Zeiten zu erkunden. „Das war vor etwa zehn bis zwölf Jahren“, schilderte Wasensteiner.

Beim jüngsten Flößermarkt in Lenggries stach dem Tölzer Hobby-Filmer Rudi Kornbichler Wasensteiners Vorführung ins Auge – die Idee, einen Film über das „Deicheln“ zu machen und damit dieses mittlerweile nicht mehr erforderliche Wissen und Können für die nachfolgenden Generationen zu bewahren, wurde prompt im Sommer 2016 umgesetzt. Die etwa halbstündige Dokumentation stand nun im Mittelpunkt der Ausstellungseröffnung und gab den Gästen einen nahezu greifbaren Einblick in die Arbeiten und die dazu notwendigen Kenntnisse, die Wasensteiner und Hias Gerg als Protagonisten sehr anschaulich und verständlich vermitteln.

Die Rohre wurden hier meist aus Fichten- oder Tannenholz hergestellt und waren jeweils vier Meter lang. Bei einer Leitungslänge von einem Kilometer brauchte man also immerhin 250 Stück. Je nach Arbeitsgang wurden Bohrer mit unterschiedlichen Spitzen eingesetzt – normale Leitungen hatten einen Durchmesser von 40 Millimetern.

Maßarbeit war aber nicht nur beim akuraten mittigen Durchbohren gefragt, sondern auch beim Zusammenschließen der Rohre. Da musste mit dem Muffenhobel das eine Rohrende rundum abgeflacht werden, um das andere darüberschieben und dicht zusammenfügen zu können. All diese Werkzeuge können in der Sonderausstellung begutachtet werden, ebenso können Besucher den Film anschauen.

Bei seinen Erkundungen vor Ort war Wasensteiner auf eine Besonderheit gestoßen: nämlich auf eine alte, eichene Verteilersäule, in welcher der Hauptzufluss durch mehrere Ableitungen auf verschiedene Verbraucher verteilt wurde. „Bis 1957 war sie in Betrieb. Sie ist wohl im weiten Umfeld die einzige, die erhalten geblieben ist.“ Nicht fündig geworden ist er dagegen auf der Suche nach alten, auf Vorrat gefertigten Deicheln. „Die wurden im Moorboden eingelagert, wo sie stets feucht waren und Jahrzehnte überdauerten.“ (Rosi Bauer)

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