„Land unter“ - Gewitterfront rollt über Deutschland - Autofahrerin muss aus Geröllmassen gerettet werden

„Land unter“ - Gewitterfront rollt über Deutschland - Autofahrerin muss aus Geröllmassen gerettet werden
Ein Toilettenhäuschen mit öffentlichen WCs im Landkreis Bad-Tölz.
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Das Toilettenhaus ist zum Teil so verschmutzt, „dass sich das Reinigungspersonal Sorgen um die Gesundheit macht“, sagt Rathaus-Geschäftsleiter Tobias Riesch.

Verhalten regelrecht „verstörend“

Ausflügler-Andrang am Sylvenstein: Müll, Feuer und Fäkalien - Isar-Ranger spricht von „Katastrophe“

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Die durch Ausflügler-Anstürme verursachten Zustände rund um den Walchensee sind mitunter katastrophal. In zunehmendem Maße gilt das auch für den Sylvensteinsee und Fall.

  • Der Ausflügler-Andrang in Fall und am Sylvenstein nimmt bedenkliche Ausmaße an.
  • Müll, Feuer und Fäkalien in Gärten bereiten großen Ärger.
  • Die Gemeinde plant nun Maßnahmen, um dem Ansturm Herr zu werden.
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Lenggries/Fall – Das Urteil von Hans Adlwarth über die Situation in Fall und am Sylvenstein ist eindeutig. „Es ist eine Katastrophe“, sagt der Isarranger im Gespräch mit dem Tölzer Kurier. Viel Müll werde zurückgelassen, dazu kommen die zahllosen Feuer, die trotz des Verbots entzündet werden. „Ganz schlimm war das im April, als die Corona-Ausgangsbeschränkungen eigentlich noch galten“, sagt Adlwarth. Damals herrschte große Trockenheit, die Waldbrandgefahr war hoch. Trotzdem brannten Lager- und Grillfeuer – genau wie jetzt. „Wir sind eigentlich jede Nacht dort unterwegs“, und jede Nacht müssen die Ranger eingreifen. 

Ausflügler-Andrang am Sylvenstein: Verhalten mancher Menschen sei „verstörend“

Dabei sei ein Großteil durchaus einsichtig, wenn man auf die Verbote hinweise und diese auch erkläre, sagt Adlwarth. „Aber bei 20 Prozent kommt das gar nicht an.“ Das Verhalten der Menschen sei mitunter regelrecht „verstörend“, ergänzt der Isarranger.

Dazu komme, dass praktisch überall geparkt wird, ohne irgendwelche Verbote zu beachten, und der viele Verkehr. Zwischen Autos, Wohnmobilen, Radlern und Motorradfahrern, die sich alle Richtung Fall wälzen oder im Landschafts- oder Naturschutzgebiet parken, sind Fußgänger unterwegs. „Eigentlich kann man darauf warten, dass jemand totgefahren wird“, sagt Isarrangerin Sabine Gerg.

Lage in Fall: Notdurft wird in Privatgärten verrichtet - Gemeindliches Toilettenhaus völlig verschmutzt

Sie ist auch Mitglied des Lenggrieser Gemeinderats. Dort war die Situation am Montag Thema. Die Schilderungen des Geschäftsleitenden Beamten Tobias Riesch waren drastisch. Wohnmobil-WCs würden nicht in der dafür gedachten Station entsorgt, sondern auch in den Toiletten und Waschbecken des öffentlichen WCs, mit den entsprechenden Spuren, so Riesch. Das gemeindliche Toilettenhaus sei zum Teil so verschmutzt, „dass sich das Reinigungspersonal Sorgen um die Gesundheit macht“. Es gibt aber offenbar auch eine erhebliche Anzahl von Menschen, die das WC-Häuschen gar nicht nutzt. „Erholungssuchende verrichten ihre Notdurft im Wald und in den Privatgärten“, schilderte Riesch. Gerg berichtet auch davon, dass die Chemieklos der Wohnmobile mitunter einfach in die Botanik gekippt werden. „Sie steigen aus dem Auto und stehen mittendrin. Das ist der Wahnsinn“, schildert sie.

Fall im Landkreis Bad Tölz: „In der Ortschaft Fall wird rücksichtslos alles zugeparkt“

Der Parkplatz in Fall ist regelmäßig überfüllt – und das, obwohl bislang nur wenige Badegäste oder Wassersportler da sind. Die Folge: „In der Ortschaft Fall wird rücksichtslos alles zugeparkt, sogar die Ausfahrt des Feuerwehrhauses Fall und Privatgrundstücke“, sagte Riesch. Müll landet in privaten Tonnen. „Brennholz wird aus privaten Gärten und Garagen gestohlen“, so Riesch. Und: Gemeindemitarbeiter, die auf Fehlverhalten hinweisen, „werden übel beschimpft“.

Ausflügler-Andrang in Fall und am Sylvenstein - Zweiter Bürgermeister: „Wir sind überrannt worden“

Die Situation habe sich seit dem Vatertag „relativ brisant entwickelt“, sagte Vize-Bürgermeister Franz Schöttl (CSU). „Wir sind überrannt worden.“

Die Gemeinde plant nun erste Maßnahmen, um alles in etwas geordnetere Bahnen zu lenken. Der Faller Parkplatz wird in zwei Bereiche getrennt. Auf einem werden durch eine Höhenbeschränkung Wohnmobile keine Zufahrt mehr haben. Die Parkgebühr für Nachtparker im Wohnmobilbereich wird von vier auf zehn Euro erhöht, die Höchstparkdauer auf 24 Stunden beschränkt. Die bestehende Beschilderung werde so ergänzt und konkretisiert, dass eigentlich jeder wissen müsste, welche Regeln gelten. In Fall wird eine Parkverbotszone eingerichtet. Geparkt werden darf nur noch auf markierten Flächen. Die Verkehrsüberwachung wird ausgebaut.

Schöttl über Lage in Fall: „Wir wollen keinen aussperren“

Ob man nicht schon in Lenggries über ein Leitsystem darauf hinweisen könnte, wenn die Parkplätze in Fall voll sind, fragte Markus Ertl (FWG). Zumindest wolle man auf der Homepage den Live-Ticker des Tourismusverbands Oberbayern einbinden, der Infos wie diese bieten kann, antwortete Riesch.

Mittelfristig sollen weitere Parkplätze ausgewiesen werden. Dazu seien aber Verhandlungen mit privaten Grundstückseigentümern nötig, sagte Schöttl. Roman Haehl (Grüne) sieht das skeptisch. Das schaffe nur noch einen größeren Anreiz, an den Sylvenstein zu fahren. Daniela Werner (Grüne) wünscht sich, dass die höheren Parkgebühren in einen kostenlosen Shuttlebus vom Lenggrieser Bahnhof nach Fall investiert werden. Über all das könne man mittelfristig reden, sagte Schöttl. Jetzt sollte man aber erst einmal mit den ersten Verbesserungsversuchen anfangen. „Wir versuchen herauszufinden, was funktioniert und was nicht. Wir wollen keinen aussperren, aber wir müssen das in Bahnen lenken, die annehmbar sind.“

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