+
Balian Buschbaum las aus seinem Buch "Blaue Augen bleiben blau".

Alpenfestsaal

Balian Buschbaum klärt über Transsexualität auf

Lenggries – Das Resümee am Ende des Abends war einhellig: „Das war eine gute Sache.“ Der vom Verein „Schwule und Lesben in Tölz und im Oberland“ (Schutz) organisierte Vortrag des Mental- und Fitnesstrainers Balian Buschbaum über Transsexualität eröffnete vielen Zuhörern im Alpenfestsaal eine neue Perspektive auf das Thema.

Buschbaum weiß, was es heißt, im falschen Körper „gefangen“ zu sein: Er ist als Mädchen zur Welt gekommen, hieß damals noch Yvonne. „Aber ich habe schon sehr früh bemerkt, dass diese Identität nicht zu mir passt“, sagte Buschbaum. „Schon als Schulkind wollte ich ein Junge sein.“ Seine innere Zerrissenheit und die damit einhergehende psychische Belastung habe er dann durch die Ausübung extremen Leistungssports – Yvonne Buschbaum zählte damals zu den besten Stabhochspringerinnen der Welt – zu verdrängen versucht. Für seine „Befreiung aus dem falschen Körper“ habe er schließlich mit 27 Jahren seine sportliche Karriere aufgegeben und eine operative Geschlechtsangleichung vornehmen lassen.

Auch die Lenggrieserin Amanda Reiter erzählte ihre Geschichte. Als Bub geboren und während der Ausbildung oft nicht interessiert an den Unternehmungen der Schulkameraden, hat auch sie sich durch sportliche Erfolge Anerkennung verschafft. „Aber erst nach der Ehescheidung habe ich mir die Frage gestellt: Bin ich transsexuell?“

Doch was ist das überhaupt? Die Veranlagung dazu werde dem ungeborenen Kind durch bestimmte hormonelle Vorgänge während der Schwangerschaft mitgegeben, erklärte Buschbaum. Die Geschlechtsidentität eines Menschen sei im Gehirn verankert – bei Transsexuellen passe die geschlechtliche Identität des Gehirns nicht zu den körperlichen Geschlechtsteilen. Jedenfalls dürfe man Transsexualität keinesfalls mit Travestie verwechseln oder gleichsetzen, so Buschbaum. „Travestie-Künstler ziehen gegengeschlechtliche Kleidung an, sie spielen eine Rolle.“

Die vorgelesenen Auszüge aus Buschbaums Buch „Blaue Augen bleiben blau“ verfolgte das Publikum konzentriert. Das große Interesse, mehr über das Thema zu erfahren, zeigte sich auch in den offenen Fragen der Besucher, die Buschbaum und Reiter ebenso offen beantworteten. Wie das denn nun mit dem Sex wäre, wollte ein Zuhörer wissen. „Geil“, war Buschbaums eindeutige Antwort. Das Glück, „bei sich selbst angekommen zu sein“, werde Betroffenen allerdings durch die mangelnde Akzeptanz in der Gesellschaft versäuert. „Deshalb sind solche Veranstaltungen wie hier heute enorm wichtig.“

Zustande gekommen war der Abend aufgrund eines Eklats beim Lenggrieser Faschingszug, bei dem ein Wagen Amanda Reiter persönlich diffamierte (wir berichteten). Trotz einer Aussprache und dem Versprechen, zu der Veranstaltung zu kommen, erschienen die verantwortlichen Burschen an diesem Abend nicht. Michael Gascha, Vorsitzender der Faschingsvereins „Mia san’s“, zeigte sich verärgert, wies aber auch darauf hin, dass die jungen Männer in den vergangenen Wochen von vielen Seiten „gebeutelt“ worden seien. 

Rosi Bauer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Hans Söllner live auf dem Summer Village
Hans Söllner live auf dem Summer Village
Kollision in Bad Heilbrunn: Drei Verletzte
Ein Kochler (80) gerät auf die Gegenfahrbahn, streift einen entgegenkommenden Wagen und kracht dann frontal in einen weiteren. Die Unfallbilanz in Bad Heilbrunn am …
Kollision in Bad Heilbrunn: Drei Verletzte
Toni Lautenbacher und Regina Danner gewinnen Hohenburger Schlosslauf
Toni Lautenbacher und Regina Danner gewinnen Hohenburger Schlosslauf
Wunsch an die Beurer „Flugschüler“: Immer die richtige Höhe halten
22 Schüler der Mittelschule Benediktbeuern haben den Quali bestanden - fünf davon mit einer 1 vor dem Komma.
Wunsch an die Beurer „Flugschüler“: Immer die richtige Höhe halten

Kommentare