Die Pisten auf dem Brauneck sind im Winter beliebt bei Ski- und Snowboardfahrern.
+
Die Pisten auf dem Brauneck sind im Winter beliebt bei Ski- und Snowboardfahrern.

Corona-Maßnahmen

Bangen um die Skisaison in Lenggries

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
    schließen
  • Felicitas Bogner
    Felicitas Bogner
    schließen

Nach der Forderung von Ministerpräsident Markus Söder, europaweit die Skigebiete zu schließen, herrscht großes Bangen um die Wintersport-Saison. Unter den Liftbetreibern am Brauneck kommt der Vorstoß erwartungsgemäß gar nicht gut an.

  • Markus Söder ist für europaweite Schließung der Skigebiete
  • Liftbetreiber aus Lenggries haben wenig Verständnis
  • Peter Lorenz, Geschäftsführer der Brauneck Bergbahn plädiert für gute Hygiene- und Abstandskonzepte

Lenggries – Inwieweit sind inmitten der Corona-Pandemie Winterurlaub und Wintersport möglich? Der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte hat sich zuletzt gegen eine schnelle Öffnung der Skigebiete und für eine europaweite Abstimmung in dieser Frage ausgesprochen. Unterstützung erhielt er von Ministerpräsident Markus Söder. Aus den bayerischen Skigebieten hingegen gibt es reichlich Gegenwind – auch vom Brauneck.

Winter ohne Skifahren? „Wäre katastrophal“

„Ein Ausfall der Skisaison wäre für uns katastrophal“, sagt Peter Lorenz, Geschäftsführer der Brauneck-Bergbahn. Eine große Infektionsgefahr berge der Skibetrieb nicht. „Der Andrang im Sommer hat uns ja schon gezeigt, dass es mit dem richtigen Hygiene- und Abstandskonzept funktionieren kann.“ Die Gondeln und Skilifte seien nicht das Problem. „Die Menschen sind dort nie länger als maximal zehn Minuten beisammen, und es ist gut durchlüftet oder gar ganz an der frischen Luft.“ Lorenz sieht eher Handlungsbedarf für gute Abstandskonzepte in den Anstell- und Wartebereichen. „Aber auch das hatten wir im Sommer schon erprobt.“ Die Wartebereiche habe er am Brauneck bereits vergrößert. „Das entzerrt das Ganze auch noch mal.“ Auf der Piste erkennt Lorenz überhaupt keine Ansteckungsgefahr. „Da sind von Haus aus alle weit genug auseinander, und Bewegung an der frischen Luft ist wichtig.“

Schlimmster Fall wäre: „Dass Österreich die Pisten aufmacht und wir in Bayern nicht dürfen.“

Die Schließung der Skipisten würde viele Liftbetreiber und Bergbahnunternehmen in eine „ganz schöne Schieflage“ bringen. „Man darf dazu auch die Mitarbeiter nicht vergessen.“ Inwieweit es dann staatliche Finanzhilfen gäbe, sei noch nicht absehbar. Viele Liftbetreiber hätten in den vergangenen Jahren große Investitionen getätigt. „Da muss ja vieles abgezahlt werden.“ Auch die Brauneck-Bahn eröffnete erst vergangenes Jahr einen neuen, modernen Sechsersessellift. Das Schlimmste, was in seinen Augen eintreffen könnte: „Dass Österreich die Pisten aufmacht und wir in Bayern nicht dürfen.“

Peter Lorenz ist der Geschäftsführer der Brauneck Bergbahn.

Eine Absage der Skisaison würde auch Josef Gerg, dem Betreiber des Draxlhanglifts, sehr weh tun: „Man arbeitet schließlich das ganze Jahr darauf hin. Jetzt sind die Vorbereitungen abgeschlossen.“ Ähnlich denkt Josef Wohlmuth vom Streidllift. Aus Infektionsschutzgründen hielte auch er eine Schließung der Skigebiete für nicht gerechtfertigt. Vorsicht sei gut, aber: „Bei uns am Schlepplift kann man entweder allein fahren oder trägt Maske, wenn man zu zweit einsteigt.“ Im Vergleich dazu sei die Ansteckungsgefahr deutlich größer, wenn man sich in München in S- und U-Bahnen oder im Bus drängle, wo es gar kein Hygienekonzept gebe – ein Vergleich, den auch Gerg heranzieht.

Wohlmuth verweist darauf, dass bei Schnee und Sonnenschein die Ausflügler so oder so ans Brauneck strömen würden – wenn die Lifte geschlossen seien, dann eben mit Tourenskiern und Schlitten. Seien dann auch noch die Gaststätten geschlossen, dann würden überall in der Natur große und kleine Geschäfte verrichtet. „Über so was macht sich die Politik keine Gedanken.“

„Hier tanzt keiner beim Aprés-Ski auf den Tischen“

Die Après-Ski-Gaudi, die vergangenen Winter als Infektionsherd in Ischgl in Verruf geriet, gebe es am Brauneck ohnehin nicht. „Hier tanzt keiner auf den Tischen, das hat’s bei uns nie gegeben“, sagt Wohlmuth. Sein Kollege Gerg vom Draxllift bestätigt: „Wir leben hauptsächlich von Tagesausflüglern. Die müssen ja abends wieder ins Auto steigen, um heimzufahren, da ist abends nichts mehr los.“ Selbst die Gäste in seinen Ferienwohnungen, so Wohlmuth, seien nach einem Wintersporttag „froh, wenn sie sich abends auf die Couch legen und ein Buch lesen können“.

Weitere Nachrichten aus Bad Tölz und Umgebung lesen Sie hier.

Eine Schließung des Skigebiets bedeute zwar nicht ihren unmittelbaren Ruin, sagen beide. Doch die wirtschaftlichen Folgen würden sie hart treffen. „Wenn wir über die Weihnachtsferien schließen müssen, würde das – je nach Wetter – ein Drittel unseres Jahresumsatzes ausmachen“, sagt Wohlmuth. Bei Gerg sollten am Lift eigentlich am 15. Dezember zwei Festangestellte anfangen. „Soll und kann ich die direkt in Kurzarbeit schicken?“, fragt er sich.

Das könnte Sie auch interessieren:

Tölzer Hütte am Schafreuter: Neustart schneller als gedacht

Alle Informationen zur Corona-Lange im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen lesen Sie hier.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare