Frau (43) wagt unglaubliches Manöver

“Halt dich fest, jetzt scheppert‘s“: VW-Bus von Straße gedrängt

Eine BMW-Fahrerin aus Gräfelfing (43) drängt beim Überholen einen Lenggrieser Familienvater (35) mit seinem VW-Bus von der Straße. Das lässt der sich nicht gefallen: Er stellt die Frau zur Rede. 

Wolfratshausen/Gaißach – Acht Monate später trafen sich beide vor dem Amtsgericht in Wolfratshausen wieder. Die Frau musste sich wegen Gefährdung des Straßenverkehrs verantworten, der Mann wegen Nötigung. Beide kamen milde davon.

Die Gräfelfingerin war am 9. Juli vorigen Jahres mit ihren zwei Töchtern im Auto auf der Bundesstraße 13 unterwegs zum Achensee. Als Freunde im Auto vor ihr bei Gaißach aus einer kleinen Kolonne ausscherten, setzte auch die Angeklagte mit ihrem BMW-Kombi zum Überholen an – und entging nur knapp einer Katastrophe. „Ich habe die Situation falsch eingeschätzt“, gestand die Beschuldigte.

„Halt dich fest, jetzt scheppert´s“

Denn der entgegenkommende VW-Bus war schneller als gedacht. Weil ihr Einfädeln in die Kolonne zu gefährlich erschien, setzte die Frau ihren Überholvorgang fort. „Ich habe meiner Frau gesagt: Halt dich fest, jetzt scheppert’s“, sagte ein Tölzer (49), der überholt worden war und eine Vollbremsung ins Bankett hingelegt hatte, damit die Angeklagte einscheren konnte. „Ich war sicher, dass es einen Unfall gibt.“ Der erwartete Frontalcrash wurde nur deshalb vermieden, weil auch der entgegenkommende Lenggrieser seinen VW-Bus aufs Bankett lenkte.

Ein ebenfalls äußert riskantes Überholmanöver hat sich im Ebersberger Forst ereignet. Dabei wurde ein Auto zwischen zwei Lastwagen eingeklemmt.

Für den Lenggrieser war die Sache trotzdem nicht erledigt. Er wendete und hielt die Gräfelfingerin an, um sie zur Rede zu stellen. „Ich hatte Todesangst. Ich dachte, jetzt ist es vorbei“, beschrieb der ebenfalls angeklagte Kraftfahrer seine Gefühle.

Aufreibende Situation für alle Beteiligten

Wenige Wochen zuvor war der Mann als Ersthelfer bei einem schweren Verkehrsunfall in der Nähe im Einsatz gewesen. „Deshalb wollte ich sie nicht so davon kommen lassen“, erläuterte er, warum er der Frau nachgefahren war. „Ich wollte das Nummernschild der Frau und den anderen Fahrer als Zeugen“, so der Lenggrieser. Er räumte ein, „aufgebraucht und laut“ gewesen zu sein. „Aber ich habe niemanden beleidigt, und ich wollte sie auch nicht maßregeln.“ Wie nervenaufreibend die Situation für alle Beteiligten gewesen sein muss, lässt eine Aussage des Zeugen erahnen, der vom Lenggrieser vor Ort um seine Personalien gebeten worden war. „Ich konnte meinen Namen nicht mehr schreiben, so habe ich immer noch gezittert“, sagte der Tölzer.

Gegen Zahlung von 1000 Euro an den Bund gegen Alkohol im Straßenverkehr wurde das Verfahren gegen den Lenggrieser eingestellt. Die Gräfelfingerin wurde für ihr „mehr als gefährliches Überholmanöver“, wie Richter Helmut Berger den Vorgang bezeichnete, zu einer Geldstrafe in Höhe von 2400 Euro (60 Tagessätze zu je 40 Euro) sowie einem Monat Fahrverbot verurteilt. Im Strafbefehl, gegen den die Frau Einspruch eingelegt hatte, war die Geldstrafe mit 5600 Euro angesetzt gewesen. „Es ist Ihnen hoch anzurechnen, dass Sie keine Ausreden gesucht haben und sich hier einsichtig und reuig zeigen“, begründete Berger die deutliche Reduzierung. (rst)

Rubriklistenbild: © picture alliance / Peter Steffen / Peter Steffen

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