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Die Familie gibt ihm Halt: Tom Witjes mit Tochter Franzi (14) und Ehefrau Andrea.  

Benefiz-Fussballspiel für Tom Witjes 

Mit Hilfe der Freunde zurück ins Leben

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Seit einem Unfall vor sechseinhalb Jahren ist der ehemalige Top-Sportler Tom Witjes vom Hals abwärts gelähmt. Unter großen Anstrengungen hat er den Weg zurück ins Leben gefunden. Kraft spenden ihm dabei auch seine Freunde. Sie organisieren nun ein Benefiz-Fußballspiel, das ihm helfen soll, den Alltag zu meistern.

Lenggries/Bad Tölz – „Mir geht es gut“, antwortet Tom Witjes auf die Frage nach seinem Befinden. „Die Lähmung ist brutal schlimm, mein Leben hat sich komplett verändert. Aber ich mache das Beste daraus.“ Etwa sechseinhalb Jahre ist es her, dass sich der Sportler durch einen unglücklichen Sturz beim Judo den zweiten und dritten Halswirbel brach. Seither ist der 56-Jährige vom Hals abwärts gelähmt. Seine Sportfreunde vom TV Lenggries halten weiter zu ihm: Ein Benefiz-Fußballspiel am Samstag, 17. Juni, soll Tom Witjes helfen, die großen Herausforderungen zu meistern.

Tatsächlich hat Witjes seit dem Schicksalsschlag am 20. November 2010 viel erreicht. Dank seines Willens und täglichen Trainings hat er es geschafft, tagsüber ohne Beatmungsgerät auszukommen – bei seiner Art von Verletzung alles andere als selbstverständlich. Er bewohnt in Bad Tölz eine eigene Wohnung, hat auch beruflich wieder Fuß gefasst. Aktuell ist der gebürtige Niederländer bei der Firma Eagle-Burgmann für 30 Stunden pro Woche fest angestellt. Hier war er zunächst im Bereich strategisches Marketing tätig, derzeit zudem in der technischen Dokumentation. Die Arbeit erledigt er von zu Hause aus, wo er per Sprachsteuerung den Computer bedient. Zwei- bis dreimal im Monat fährt er in die Firmenzentrale nach Wolfratshausen.

„Es ist nicht mehr so, dass ich morgens schnell unter die Dusche springe, einen Kaffee trinke – und dann geht’s los“, schildert Witjes seinen Alltag. „Ich bin pflegebedürftig.“ Etwa eineinhalb Stunden dauern am Morgen das Waschen und die Körperpflege mit Hilfe eines Pflegers. Etwa von 7.30 bis 15 Uhr sitze er dann am Rechner und arbeite. „Zwischendurch ist eine Stunde Pause für Physio- und Ergotherapie. Und ich mache eine normale Mittagspause.“

Ausgelastet fühlt sich Witjes mit der Teilzeitstelle nicht. Die Arbeit sei neben dem Sport immer sein Lebensinhalt gewesen. „Nachmittags hätte ich von 15 bis 17 Uhr noch Zeit für einen weiteren Job“, sagt er heute. Bis Februar arbeitete er zusätzlich zehn Stunden für den Tölzer ReAL-Verbund, an einem Projekt zur Integration Behinderter auf dem Arbeitsmarkt. Dafür lief jedoch die Finanzierung aus. Jetzt sucht Witjes noch eine 25-Prozent-Stelle. An Qualifikationen mangelt es ihm nicht: Er ist diplomierter Sportlehrer, hat eine Ausbildung im Bereich Marketing gemacht und verfügt über ein IHK-Zertifikat als Finanzberater. Er arbeitete als Sporttherapeut, Pharmareferent, Regionalleiter, Geschäftsführer und Controller. Erfahrung hat er zudem als Unternehmensberater, unter anderem – bereits in der Zeit nach dem Unfall – für das Heilbrunner Firnesscenter Vitarea. „Und diese Firmen laufen alle ganz gut und haben ihre Ergebnisse verbessert“, stellt der 56-Jährige fest.

Ein großes Stück Freiheit hat Witjes dadurch zurückgewonnen, dass er sich – auch dank Spendengeldern – ein Auto kaufen und auf seine Bedürfnisse umbauen lassen konnte. „Vorher bin ich mit dem Taxi gefahren“, sagt er. „Aber es gibt im Landkreis nur ein einziges in Geretsried, in das ich mit dem Rollstuhl hineinpasse. Das war immer ein ziemlicher Organisationsaufwand.“

Sehr wichtig ist Tom Witjes, dass viele Freunde nach wie vor zu ihm halten, ihn besuchen, Ausflüge mit ihm unternehmen und zu Sportveranstaltungen begleiten, bei denen er zusieht. „Ich habe früher anscheinend einiges richtig gemacht, dass mir die Leute immer noch helfen“, kommentiert er mit seinem trockenen Humor, räumt aber auch ein: „Es gibt Tage, da bin ich nicht gut drauf. Und die Leute kommen trotzdem wieder.“

Ein wichtiger Freund sei ihm in den vergangenen Jahren Karl Hofherr geworden, Pfarrer im Ruhestand, der zuletzt in Witjes’ früherem Wohnort Waakirchen tätig war. „Er besucht mich zweimal im Monat und sorgt dafür, dass es mir gut geht.“ Er sei immer ein gläubiger Mensch gewesen, sagt der Katholik. „Aber wenn man in so ein tiefes Tal fällt, wird der Glaube noch wichtiger, weil man Halt sucht.“

Mit seinem Arbeitsverdienst kann Tom Witjes den Lebensunterhalt der Familie – er ist verheiratet und hat eine 14-jährige Tochter – einigermaßen bestreiten. Für die Lücke, die bleibt, zehrt er noch von einer Zahlung der Unfallversicherung. Trotzdem sind Spendengelder extrem wichtig für ihn – siehe Auto. „Wenn man sich Schuhe kauft, kosten sie vielleicht 100 Euro“, sagt er. „Meine medizinischen Schuhe kosten 500 Euro.“ Auch für etliche Therapien, die ihm helfen, muss er selbst aufkommen: Akupunktur etwa, Osteopathie und Magnetfeldtherapie. „Die Kasse zahlt viel, aber es gibt Sachen, die nicht anerkannt sind“, sagt er. Auch einen speziellen Behandlungstisch musste er aus eigener Tasche finanzieren.

Begeistert erzählt er davon, wie die Lenggrieser Damen- und Herren- Judomannschaft einmal einen Benefizkalender für ihn auflegten. „Ich bin echt froh, dass ich meine Jungs und Mädels habe.“

Das Benefizspiel

Auf dem Lenggrieser Fußballplatz tritt am Samstag, 17. Juni, um 16 Uhr ein Isarwinkler Ü-40-All-Star-Team gegen eine andere Ü 40-Mannschaft aus Kaiserslautern an. Tom Witjes und seine Familie sind vor Ort, und es gibt die Gelegenheit, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Wer nicht zum Fußballspiel kommen kann, aber trotzdem helfen möchte, kann auf das Konto des Vereins „Holzkirchen hilft“ spenden, IBAN: DE45 7002 0270 6440 2226 66 (Verwendungszweck: „Tom Witjes“).

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