Im Bereich des Bahnhofs waren die beiden Minderjährigen in Streit geraten.
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Im Bereich des Bahnhofs waren die beiden Minderjährigen in Streit geraten.

Tat schockte den ganzen Ort

Vier Tage nach Messerangriff in Lenggries: So geht es dem Opfer

  • Christiane Mühlbauer
    VonChristiane Mühlbauer
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  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    Veronika Ahn-Tauchnitz
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Nach der Auseinandersetzung zweier Minderjähriger in Lenggries, bei der einer am Donnerstag ein Messer zog, ist der schwer verletzte Jugendliche noch nicht über den Berg.

Update vom 26. Juli, 14.45 Uhr:

Vier Tage nach der Messerattacke in Lenggries hat sich der Gesundheitszustand des Opfers nach Angaben der Polizei zumindest etwas stabilisiert. „Er ist aber noch nicht endgültig außer Lebensgefahr“, sagt Carolin Englert, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberbayern auf Anfrage unserer Zeitung.

Weitere Informationen zu der Tat, die ganz Lenggries geschockt hat, gibt es für die Öffentlichkeit nicht. Wie berichtet, war es am Donnerstagabend gegen 17.45 Uhr im Bereich des Lenggrieser Bahnhofs zwischen zwei Jugendlichen zu einer Auseinandersetzung gekommen, in deren Verlauf einer der beiden zu einem Messer griff und seinen Kontrahenten schwer verletzte.

Das Opfer war noch am Abend notoperiert worden. Der Täter flüchtete zunächst, meldete sich wenig später aber bei der Polizei und ließ sich widerstandslos festnehmen. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat führt die Kriminalpolizei Weilheim.

Artikel vom 23. Juli:

Lenggries - „Das ist ein sehr tragischer Vorfall“, sagte Bürgermeister Stefan Klaffenbacher (FW) am Freitag. Er wünsche dem Opfer gute Besserung und den Familienangehörigen viel Kraft, um den Vorfall zu verarbeiten. Die Tat hatte sich um kurz vor 18 Uhr im Bereich des Bahnhofs ereignet. Zum genauen Alter der beiden macht die Polizei keine Angaben. Das schwer verletzte Opfer wurde mit dem Hubschrauber in eine Klinik geflogen und notoperiert. Es schwebt laut Polizeipräsidium Oberbayern Süd noch in Lebensgefahr.

Ein Großaufgebot der Polizei, darunter auch ein Hubschrauber, suchte nach dem zunächst flüchtigen Täter. Dieser meldete sich wenig später selbst bei der Polizei und konnte widerstandslos im Bereich der Isarbrücke festgenommen werden. „Zehn Meter vor mir hat das Polizeiauto mit Blaulicht gestoppt“, berichtet ein geschockter Lenggrieser, der zufällig Augenzeuge wurde. Dann sah er, „dass einer der Beamten eine Waffe zog“ und sich zwei Jugendliche dem Polizeiauto näherten. „Der Junge hat sofort die Hände gehoben und ist auf die Knie gegangen.“

Nach Messerangriff in Lenggries: Krisenteam der Mittelschule im Einsatz

Die Staatsanwaltschaft beantragte am Freitag Haftbefehl gegen den Täter. „Dieser wurde aber vom zuständigen Jugendrichter nicht erlassen, so dass sich der Beschuldigte auf freiem Fuß befindet“, so die stellvertretende Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft München II.

Bürgermeister Klaffenbacher und die Lenggrieser Jugendreferentin Sabine Gerg (SPD) waren am Freitag sehr betroffen. Klaffenbacher hatte von der Tat noch am Donnerstagabend erfahren. „Niemand wünscht sich, dass in seiner Gemeinde so etwas passiert.“ Der Vorfall „schocke ganz Lenggries“, sagt Gerg.

Die Polizei hält sich mit Auskünften über die Beteiligten bedeckt. „Es gibt dazu keine offiziellen Angaben, aber einer beiden scheint unsere Schule zu besuchen“, sagt Mittelschulrektor Bernd Kraft. Deshalb wurde am Freitag das hausinterne Krisenteam der Schule mobilisiert, auch deshalb, weil andere Jugendliche den Streit beobachtet und Zeugen der Messerattacke geworden waren. Weil am Freitag die Jahresabschlussgottesdienste stattfanden, waren auch der evangelische Pfarrer Matthias Schricker und Pastoralreferent Christoph Freundl vor Ort.

Sie hätten Gespräche mit den Jugendlichen geführt und den Schülern vertrauliche Einzelgespräche angeboten. „Der Bedarf war da“, berichtet der Rektor. Viele Jugendliche seien geschockt. „Es sind viele Gerüchte in Umlauf“, sagt der Rektor. Der Vorfall wurde auch im Gottesdienst, den man gemeinsam im Freien feierte, thematisiert. Das Krisenteam wird auch am Montag den Jugendlichen zur Verfügung stehen.

Jugendliche sollen Situation aufarbeiten können

Alle Hilfsmechanismen scheinen nach der Tat „sehr gut gegriffen zu haben“, beurteilt Jugendreferentin Sabine Gerg die Lage. Sie dankt den Einsatzkräften und dem Team der Mittelschule: „Kurzfristig, kann man sagen, ist das Ereignis bisher gut aufgefangen worden.“ Gerg fände es wichtig, den Jugendlichen nochmal anzubieten, diesen Vorfall weiter aufzuarbeiten. Man werde sich in den kommenden Tagen Gedanken machen, über welche Plattform so etwas stattfinden könnte.

„Mittelfristig stellt sich für mich aber die Frage, welche Möglichkeiten es generell gibt, damit so etwas in Zukunft nicht mehr passieren wird“, sagt Gerg. „Wir haben in Lenggries eine gut funktionierende Vereinsstruktur, in der viele Kinder gut aufgehoben sind.“ Aber letztendlich würden nicht alle mit diesem Angebot abgeholt. „Und genau da müssen wir als Gemeinde, als Gesellschaft, aber auch als Eltern ansetzen und Möglichkeiten bieten.“

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