Mann trinkt aus Flasche
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Zu viel Akohol war die Ursache allen Übels

Gericht

Betrunkene Schwestern rasten vor Asklepios-Klinik völlig aus

  • vonRudi Stallein
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Wegen tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Beleidigung musste sich nun zwei junge Frauen vor dem Jugendgericht verantworten.

Lenggries/Wolfratshausen – Am 11. Mai diesen Jahres gegen 23 Uhr wird ein junges Mädchen in die Klinik in Bad Tölz eingeliefert: völlig durchnässt, unterkühlt und sturzbetrunken. So war die 17-Jährige von einem Fremden auf dem Volksfestplatz in Lenggries aufgefunden worden. Wenig später ist die vom Krankenhaus informierte Polizei vor Ort. Als kurz darauf die ältere Schwester der Minderjährigen dazukommt, eskaliert die Situation.

Nun mussten sich die beiden jungen Frauen wegen tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und Beleidigung vor dem Jugendgericht verantworten. Die 21-Jährige zusätzlich noch wegen versuchter Gefangenenbefreiung. Sie wurde zu einer Woche Dauerarrest und 1300 Euro Geldstrafe verurteilt, ihre Schwester muss zwei Wochen Arrest verbüßen.

Alles hatte angefangen, als die Polizei entschied, die 17-Jährige, die nicht im Krankenhaus bleiben wollte, heim zu ihrer Mutter zu fahren. Damit war die 21-Jährige nicht einverstanden, sie wollte ihre Schwester selbst mitnehmen. So entwickelte sich vor dem Krankenhaus ein lautstarker Tumult. Die „kleine Schwester“ spreizte sich dagegen, ins Polizeiauto verfrachtet zu werden. Es gab Tritte gegen Schienbeine. Ein Polizist wurde in den Arm gebissen und angespuckt. Beleidigungen wie „Fotze“, „Scheißbullen“, „Drecksbullen“ hallten durch die Nacht, bis es schließlich mehreren Beamten gemeinsam gelang, die junge Lenggrieserin ins Auto zu setzen und zur Polizeiinspektion zu fahren, wo sie die Nacht in der Ausnüchterungszelle verbrachte.

Beide Frauen können sich an Details nicht mehr erinnern

„Ich wollte meiner kleinen Schwester helfen“, begründete die 21-Jährige ihr Eingreifen. „Sie war nicht gefragt worden, ob sie sich behandeln lassen wollte. Für mich gab’s keinen Grund, warum sie im Krankenhaus bleiben sollte.“ An Details konnte sie sich nicht erinnern, weil sie zu betrunken gewesen sei.

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Die jüngere Angeklagte wies ebenfalls massive Erinnerungslücken auf. Sie könne sich weder an die Fahrt mit dem Krankenwagen noch an irgendwelche Untersuchungen erinnern und auch nicht an ihr Auftreten in der Ausnüchterungszelle, bestätigte sie mit leiser Stimme. Nur eines wusste sie gewiss: „Ich war sehr, sehr betrunken.“

Beleidigungen und Tritte gegen Polizeibeamte

Während sich für die Staatsanwältin der Sachverhalt wie für die Anklage ermittelt darstellte, beanstandete Rechtsanwalt Jost Hartman-Hilter als Verteidiger der älteren Angeklagten das Vorgehen der Polizisten. „Man muss sich nicht untersuchen lassen“, argumentierte der Verteidiger. Die Beamten hatten die 17-Jährige dazu sogar kurzzeitig in Handschellen gelegt. „Eine zwangsweise Verbringung zur ärztlichen Untersuchung halte ich für nicht legitim. Wenngleich die Sorge der Beamten berechtigt gewesen sein mag.“

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Auch für den Tatbestand der Gefangenenbefreiung habe eine kurze Filmsequenz, die mit der Body-Cam eines Polizisten aufgenommen worden war, keinen Beweis geliefert. „Nichts deutet darauf hin, dass sie ihre Schwester, die erkennbar gegen ihren Willen ins Polizeiauto gesetzt worden war, herausholen wollte.“ Lediglich die Beleidigungen „werden bleiben“, so Hartman-Hilter. „Da gibt’s nichts dran zu mauscheln.“

Dauerarrest und Geldbuße 

Richterin Friederike Kirschstein-Freund sprach die jungen Frauen in allen Anklagepunkten schuldig. Die Ältere verurteilte sie zu einer Woche Dauerarrest sowie 1300 Euro Geldbuße, die Staatsanwältin hatte vier Wochen beantragt. „Ihnen ist es zu verdanken, dass es ein solches Ausmaß annahm“, hielt die Richterin der Angeklagten vor. „Und das aus absolut nichtigem Anlass: Die wollten nur ihre Schwester nach Hause bringen – zu Mama.“ Auf die 17-Jährige warten zwei Wochen Dauerarrest, die sie jedoch wegen wiederholtem Fehlen in der Schule verbüßen muss.

Beiden Angeklagten verbot die Richterin für die Dauer eines Jahres, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken oder sich betrunken draußen aufzuhalten. Außerdem müssen beide je fünf Beratungsgespräche bei der Caritas-Suchtberatung absolvieren.

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