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Jede Menge Wilde Möhren wachsen auf der Blühwiese an der Lenggrieser Karwendelstraße. Michael Pichler, Vorsitzender des Imkervereins, sorgt sich um die Artenvielfalt.

Blühwiesen-Nachahmer gesucht

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Lebensraum für Kleintiere sollen so genannte Blühwiesen bieten. Zwei davon hat der Lenggrieser Imkerverein gemeinsam mit der Gemeinde geschaffen.

Lenggries– Michael Pichler steht zwischen rund 50 Pflanzenarten: Wilde Möhren, Glockenblumen oder Frauenmanteln. Sie sind für Wildbienen und andere Insekten eine Lebensgrundlage. Pichler ist Vorsitzender des Lenggrieser Imkervereins. Über zwei Jahre ist es nun her, seit er zusammen mit der Gemeinde zwei Blühwiesen im Ort geschaffen hat.

Eine davon, etwa 300 Quadratmeter groß, liegt an der Karwendelstraße. Neben der Info-Tafel steht ein „Wildbienen-Hotel“ mit kleinen Röhrchen, in denen die Tiere ihre Eier ablegen können. Imker Pichler erklärt, dass ihm aber auch Schmetterlinge oder Käfer am Herzen liegen: „Die Arten verschwinden durch Monokulturen. Das muss man immer wieder ins Gedächtnis rufen.“ Der 43-Jährige appelliert an Gartenbesitzer, auf Teilen ihrer Flächen dem Wildwuchs freien Lauf zu lassen. „Gerade bei uns auf dem Land haben viele Flächen übrig.“ Die sollte man am besten nur einmal im Jahr im Herbst mähen. Seit der Schaffung der Blühwiesen hätten sich mehrere Menschen bei Pichler informiert: „Es gibt einige Nachahmer.“ Sie tun Gutes: Manche Tiere seien auf den Nektar bestimmter Pflanzen spezialisiert und bräuchten ihn zum Überleben. Was Vielfalt bedeutet, beweisen alleine die Wildbienen, von denen es in Mitteleuropa noch 750 Arten gibt. Neben den Honigbienen übernehmen sie laut Pichler 20 Prozent der Bestäubung. An der Karwendelstraße können Kinder den Bienen, die übrigens nicht stechen, beim Bau der Nester zuschauen und begutachten, welche unterschiedlichen Materialien sie dafür verwenden. Wildbienen-Hotels könne man auch im Baumarkt kaufen, sagt Pichler. „Aber selbstgebaute sind natürlich besser.“ Allerdings legen laut dem Imkervereinschef 70 Prozent der Arten ihre Eier im Boden ab. „Darum ist es ja so wichtig, dass man möglichst selten mäht.“

Ähnliche Blühwiesen gibt es in Lenggries noch an der B13 auf Höhe des Waldfriedhofs und auf den Grünflächen, die der Gemeinde auf dem Kasernenareal gehören. Macht insgesamt mehrere tausend Quadratmeter. Weitere Flächen sind laut Bürgermeister Werner Weindl derzeit nicht geplant. „Wenn alle Gemeinden im Landkreis so große Flächen bereitstellen könnten, dann wäre das ein Gewinn“, sagt er.

Pichler ist nicht der einzige, der sich im Landkreis um die Artenvielfalt sorgt. Das Projekt „Blühender Landkreis“ schafft in mehreren Gemeinden „bunte Meter“. Das Motto: Wilde Flächen statt schlichtem grünen Rasen, auf dem es für Bienen nichts zu holen gibt.

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