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Wie viele Menschen verträgt die Isar? Zu diesem Thema befragt das Landratsamt derzeit die Bürger. Noch bis 16. Oktober kann jeder bei der Umfrage mitmachen.

Bootfahren auf der Isar

Schon über 1700 Rückmeldungen

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Sollte es Regeln geben für das Bootfahren auf der Isar? Und wie sollten diese aussehen? Dazu befragt das Landratsamt derzeit die Bürger. Die Resonanz ist groß.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Beim Thema Bootfahren auf der Isar scheiden sich die Geister: Im August wurde heftig diskutiert, nachdem das Landratsamt aufgrund eines drohenden Hochwassers ein Fahrverbot verhängt hatte (wir haben berichtet). Verschiedene Gruppen wie Naturschützer, kommerzielle Anbieter und Erholungssuchende vertreten ganz unterschiedliche Meinungen. Um diese zu hören, hat die Kreisbehörde auf ihre Homepage einen Fragebogen gestellt, der noch bis 16. Oktober von allen Interessierten ausgefüllt werden kann.

Über 1700 Rückmeldungen gibt es bereits, sagt Sabine Schmid, Sprecherin des Landratsamts. „Das sind schon sehr viele.“ Nach dem ersten Überblick seien die Teilnehmer bunt gemischt, sowohl Organisationen als auch Einzelpersonen. „Es geht in sämtliche Richtungen“. Zu einem Tenor lasse sich derzeit nichts sagen, da das Amt die einzelnen Rückmeldungen noch nicht durchgesehen hat. „Aber wir haben schon einige Male gehört, dass es sehr gut ankommt, dass wir nach der Meinung fragen.“

Seinen Wunsch könne er eigentlich ganz klar formulieren, sagt Friedl Krönauer vom Bund Naturschutz (BN) im Landkreis – nämlich möglichst wenig Eingriffe in die Natur. „Aber es gibt nun mal ein Befahrungs- oder Betretungsrecht und damit lässt sich das nur schwer vereinbaren.“ Das Bootfahren auf der Isar habe Ausmaße angenommen, „die besorgniserregend sind“, so Krönauer. „Was uns vor allem auffällt, ist, dass den Leuten das Bewusstsein dafür fehlt, dass sie Lebensräume schädigen.“ Die Kiesbänke seien Laichplätze für Fischarten und Brutplätze für Vögel. „Jeder Naturnutzer stellt eine Beeinträchtigung dar. Deshalb denke ich, obwohl es eine heikle Geschichte ist, werden wir um eine Einschränkung nicht herumkommen“, sagt Krönauer. Auch wenn er zugibt: „Es wird schwierig, das zu überwachen oder zu definieren.“ Es komme noch mehr dazu: Feuer, Müll, Trampelpfade, Wildparken. „Ich verstehe natürlich, dass der Mensch sich nach Naturgenuss sehnt“, sagt Krönauer und zitiert Hans Magnus Enzensberger: „Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet.“

Badegäste und Floßfahrer nimmt Krönauer nicht aus: „Ich weiß nicht, was an 30 bis 40 Leuten, die grölend mit unmöglicher Musik den Fluss runtergleiten, noch Tradition sein soll“, kritisiert er. „Ich möchte nicht im Amt sitzen und das entscheiden müssen. Aber es würde uns allen gut anstehen, unsere Ansprüche gegenüber der Natur zurückzuschrauben.“

Wolfgang Marchner von der Firma „Wilde Kaiser Outdoor Events“, die ebenfalls Touren auf der Isar anbietet, vertritt eine andere Meinung. „Wir haben bei der Umfrage mitgemacht. Wir haben schon Sorgen, dass jetzt zu viele Regeln eingeführt werden, die uns das Anbieten von Touren schwer oder unmöglich machen.“ Er halte es auch nicht für sinnvoll, wenn große Verbotstafeln entlang der Isar aufgestellt werden, „da wird die Freiheit der Menschen zu stark eingeschränkt“. Einige Regeln zum Natur- oder Vogelschutz auf den Hinweistafeln seien ausreichend.

Auch Saskia Seestaller von „Outdoor Dahoam“ hat bei der Umfrage mitgemacht. „Ich würde mir wünschen, einen guten gemeinsamen Nenner zu finden mit dem jeder – Naturschutzverband, Fischerei, Landratsamt, Touren-Anbieter aber auch die Kunden und privaten Bootsfahrer – leben kann und dass dann aber auch Ruhe einkehrt.“ Ihrer Meinung nach sind manche Regeln auch sinnvoll. „Schwimmwestenpflicht und ein Alkohol- oder Glasflaschen-Verbot sind für uns selbstverständlich.“ Es sei bedauerlich, dass Touren-Anbieter derzeit im negativen Fokus stehen. Viele Mitbewerber gebe es schon seit Jahrzehnten, gerade weil die Nachfrage nach Fahrten auf der Isar so groß sei. „Unsere Branche trägt auch zum Tourismus bei.“ Sie beobachtet allerdings auch, dass bei vielen „freizeithungrigen Isarpaddlern“ das Sicherheitsbewusstsein nicht sehr hoch sei. „Deshalb macht es Sinn, das in einer Verordnung festzuhalten.“ Allerdings sei es ihrer Meinung nach übertrieben, Wassersportgeräte wie Stand-Up-Boards oder Tubes zu verbietet. „Diese sind auf der Isar leicht zu fahren.“

Die Umfrage finde sie sinnvoll, da sich so auch jene äußern könnten, die bislang wenig Chancen dazu hatten. Denn: „Nicht jede Stimme, die laut ertönt, ist die einzige und wahre.“

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