Alle Straßen überlastet: Im Heimreiseverkehr am Sonntagabend versuchten etliche Autofahrer, sich einen Schleichweg durchs Tölzer Badeteil zu suchen – um dann hier ebenfalls im Stau zu stehen.
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Alle Straßen überlastet: Im Heimreiseverkehr am Sonntagabend versuchten etliche Autofahrer, sich einen Schleichweg durchs Tölzer Badeteil zu suchen – um dann hier ebenfalls im Stau zu stehen.

Auch Ausweichrouten überlastet

Ausflugsverkehr erreicht neuen Höhepunkt: Freuden am Berg, Leiden auf Heimreise

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Der Ausflügler-Andrang auf Brauneck, Sunntratn, Herzogstand und andere beliebte Ausflugsziele im südlichen Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen war am Sonntag enorm.

  • Sonnenschein und farbenprächtiges Herbstlaub: Der wunderschöne Sonntag lockte Massen an Ausflüglern ins Tölzer Land.
  • An der Kasse der Herzogstandbahn mussten die Besucher bis zu eine Stunde Schlange stehen.
  • Noch weit mehr Geduld war dann auf der Rückreise im Auto gefragt.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Den wunderschönen Herbsttag zu einem Ausflug in die Berge zu nutzen: Das war am Sonntag prinzipiell eine gute Idee – aber eben keine allzu originelle. Der Andrang zu den beliebtesten Zielen im südlichen Landkreis war enorm.

Über ein gutes Geschäft freuten sich die Bergbahnen. „Es war Wahnsinn, fast ein ein bisserl übertrieben“, sagt Peter Lorenz, Geschäftsführer der Brauneckbahn. Letztlich aber war es aus seiner Sicht ein „toller Tag“. Rund 2300 Bergfahrten und fast ebenso viele Talfahrten verkaufte sein Unternehmen.

An der Herzogstandbahn müssen Besucher bis zu einer Stunde Schlange stehen

„Einwandfrei, alles im grünen Bereich“, lautet auch die Bilanz von Bernd Heilingbrunner, stellvertretender Betriebsleiter der Herzogstandbahn. 1400 Berg- und Talfahrten wurden laut Heilingbrunner gekauft. Wer in der Stoßzeit zwischen 10 und 12 Uhr ankam, der musste laut Heilingbrunner bis zu eine Stunde Schlange stehen – auch weil in eine Gondel aus Infektionsschutzgründen höchstens 20 Personen einsteigen dürfen. Die Talfahrten, die man vorab für eine bestimmte Uhrzeit reservieren muss, seien am Mittag ausverkauft gewesen.

Ob nun Brauneck, Hirschbachsattel oder andere Berge: „Überall, wo ein Parkplatz vorhanden ist, wird man an solchen Tagen regelrecht überrannt“, sagt der Lenggrieser Bürgermeister Stefan Klaffenbacher. „Ruhige Orte gibt es nicht mehr.“ So sei die Region auch am Sonntag wieder „aus allen Nähen geplatzt“.

Ausflügler parken in Gaißach Rettungsweg zu

Von „heillos überfüllten Parkplätzen“ und mitunter „chaotischen Verhältnissen“ berichtet Gaißachs Bürgermeister Stefan Fadinger. Sunntratn und Schweigeralm gehören zu den beliebten Ausflugszielen in seiner Gemeinde. Im Gemeinderat will Fadinger nun ein akutes Problem ansprechen, das er am Sonntag beobachtete: Wenn der Sunntratn-Parkplatz voll ist, stellen sich viele Autofahrer an die frisch sanierte Verbindungsstraße Richtung Untermberg. „Das ist ein wichtiger Rettungsweg, zum einen für die Bewohner, zum anderen für den ganzen Bereich des Steinbachtals“, stellt Fadinger fest. Der Bürgermeister regt daher eine Erweiterung des Halteverbots an.

Auch Gaißach leidet unter dem Ausweichverkehr: Doch auf die Strecke über Untergries und Kranzer ist alles andere als ein Geheimtipp.

Machtlos steht der Rathauschef unterdessen der Tatsache gegenüber, dass viele Autofahrer den Stau auf B 13 und B 472 umgehen, indem sie durch Gaißach fahren – und dann dort von Untergries bis zur Einmündung der Ortsverbindungsstraße in die B 472 die Straßen verstopfen. „Bis 19 Uhr stand die Autoschlange den Gaißacher Berg rauf“, schildert Fadinger. Die Überlastung der Ausweichstrecke durch Gaißach trete aber auch an Werktagen ein. „Da können wir nur auf die Tölzer Nordspange warten und hoffen, dass es möglichst bald losgeht.“

Baustelle auf der B472 spielt für Stau in Bad Tölz keine große Rolle - gesperrte Töl7 schon eher

Dass die Autofahrer – teils mit Ortskenntnis, teils vom Navi geleitet – über Gaißach fahren, das sei „ärgerlich, aber nicht verboten“, muss auch Lars Werner, Verkehrsexperte der Tölzer Polizei, feststellen. Ansonsten konstatiert der Beamte für Sonntag ein Verkehrsaufkommen, wie es an einem der wohl letzten schönen Herbsttage durchaus zu erwarten war. Die Rückstaus hätten sich noch durch „den ein oder anderen Unfall“ verschärft, wie etwa gegen 14.50 Uhr an der Einmündung der Gaißacher Ortsverbindungsstraße in die B 472 (siehe Seite 5).

Letztlich keine große Rolle im Staugeschehen habe die aktuelle Baustelle auf der B 472 (Einmündung Gaißacher Straße/Winet) gespielt. Sie kann seit dem Wochenende wieder auf verschwenkter Fahrbahn zweispurig passiert werden, die Ampelregelung ist aufgehoben. Das Tempolimit von 30 Stundenkilometern im Baustellenbereich war am Sonntag irrelevant, weil hier die Autos ohnehin allenfalls im Schritttempo fahren konnten.

Kann man auf dem Berg noch nötigen Corona-Abstand halten?

Etwas mehr ins Gewicht sei da wohl die Sperrung der Töl 7 von Tölz in Richtung Königsdorf gefallen, so Werner. Das Verkehrsaufkommen auf der Kreisstraße ist laut Werner zwar eigentlich nicht sonderlich hoch, „aber auch das muss kompensiert werden“, sagt er. „Wenn es ohnehin schon überall knapp ist, reicht auch das, um den innerstädtischen Verkehr und die B 472 zusätzlich zu belasten.“ Insgesamt lautet sein Fazit: „Es herrschte zu viel Verkehr für zu wenig Infrastruktur.“

Der Besucherandrang besorgt viele Menschen auch mit Blick auf die Corona-Infektionslage. „Teilweise sehe ich es schon als problematisch an, auf dem Berg noch den nötigen Abstand zu halten“, sagt der Lenggrieser Bürgermeister Klaffenbacher. Auch sein Gaißacher Kollege Fadinger verweist darauf, dass einige stark frequentierte Steige „ganz schön schmal“ seien. Einen gewissen Widerspruch sieht er darin, dass die Ausflügler sich einerseits nicht scheuen, solche überfüllten Wanderziele ansteuern, andererseits aber aus Sorge vor einer Corona-Ansteckung offenbar lieber mit dem Auto als mit der BRB fahren.

Kein Covid-Risiko sieht hingegen Bergbahnchef Lorenz im Ausflügleransturm. „Die Leute sind mit vorbildlichem Abstand in der Schlange gestanden – und oben am Berg ist sowieso genug Platz, um Abstand zu halten.“

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