Nach der Schneediagnose an der Abrisskante macht sich Rolf Frasch auf den Rückweg zur Bergwacht-Station auf dem Brauneck. 
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Nach der Schneediagnose an der Abrisskante macht sich Rolf Frasch auf den Rückweg zur Bergwacht-Station auf dem Brauneck. 

Bergwacht-Einsatz

Lawine begräbt zwei Tourengeherinnen auf Skipiste am Brauneck - Bergwacht warnt vor gefährlicher Schneelage

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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Am Brauneck ist am Donnerstag eine 150 Meter breite Lawine abgegangen – und hat eine Tourengeherin aus dem Landkreis verschüttet. Mit Blick auf die Wetterlage warnt die Bergwacht nun vor weiteren Abgängen.

  • Am Brauneck kam es zu einem Lawinenabgang.
  • Zwei Tourengeherinnen wurden verschüttet.
  • Die Bergwacht warnt vor weiteren Lawinen-Ergeinissen.

Lenggries – Die beiden Frauen steigen gerade die Piste oberhalb des Speichersees am Garland auf, als sich um 11.50 Uhr direkt unterhalb der Hangkante am Gipfel die Lawine löst. Über eine Breite von 150 Metern rutschen die Schneemassen auf die Tourengeherinnen zu – und erfassen eine von ihnen. Sie reißen die Frau mit und begraben sie unter sich. Mitarbeiter der Brauneck-Bergbahn beobachten das Unglück von der Gondel aus, mit der sie unterwegs sind ins Tal waren.

Sofort verständigen sie die Bergwacht am Brauneck. Ein Retter macht sich auf den Weg zu der Verschütteten, der andere alarmiert seine Kollegen der Lenggrieser und der Tölzer Bergwacht, die Hundestaffel sowie die Bergrettungsärzte. Schnell stellt sich aber heraus, dass der Großeinsatz abgeblasen werden kann: „Die Frauen hatten großes Glück“, sagt Rolf Frasch vom Rettungsdienst der Lenggrieser Bergwacht am Brauneck. „Die Verschüttete konnte sich aus eigener Kraft befreien. Die andere Frau war nur mit dem Fuß hineingeraten.“

Lawine löste sich unterhalb der Hangkante am Gipfel

Dass es so glimpflich ausging, lag Frasch zufolge auch daran, dass die Tourengeherinnen noch ganz unten am Hang waren. Die Schneemassen waren größtenteils im Hang verblieben, nur noch die Ausläufer der Lawine hatten die Frauen erreicht. Immerhin waren auch sie noch stark genug, um eine der Frauen mitzuschieben.

Nicht zuletzt ist nach nur zwei Tagen Schneefall die Gesamtschneehöhe am Brauneck mit 80 Zentimetern nicht allzu mächtig, wie Frasch erklärt. Eine Lawinenausrüstung hatten die Tourengeherinnen nicht dabei. „Sie haben in diesem Bereich nicht mit einer Lawine gerechnet“, sagt Frasch.

Direkt unterhalb der Hangkante haben sich die Schneemassen gelöst und rutschten über die komplette Hangseite hinab. 

Warnung: „Aktuell ist die Lawinenlage sehr angespannt“

Er hat zusammen mit der Polizei die Abrisskante begutachtet und ein Schneeprofil erstellt. Dieses hat er an die Lawinenwarnzentrale in München weitergeleitet. Dort wird sie in den Lagebericht einfließen. Frasch warnt: „Aktuell ist die Lawinenlage sehr angespannt. Es hat zwei Tage hintereinander geschneit, dazu kam viel Wind. Die Schneedecke ist außerdem auf schlechtem Altschnee aufgebaut. Das wirkt wie ein Kugellager.“ Man müsse sehr vorsichtig sein. „Wir haben Lawinenwarnstufe drei. Wirklich sicher kann man nur auf dem Münchner Olympiaberg fahren.“

Bislang hat die Bergbahn am Brauneck wegen des stillstehenden Liftbetriebs nicht wie sonst üblich gesprengt. Das ändert sich nun. In der Nacht zum Freitag wird gesprengt, wie Frasch sagt. Zum einen, weil man hoffe, im Frühjahr doch noch den Skibetrieb aufnehmen zu können und so Frühjahrslawinen vorbeugen will. „Außerdem will man die Mitarbeiter der Bergrettung, die ja vor Ort sind, keiner Gefahr aussetzen.“ Die beiden Tourengeherinnen, die im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen leben, konnten sich auf der Station der Bergwacht von dem Schock erholen – und fuhren anschließend auf ihren Skiern zurück ins sichere Tal.

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