Bergbahn am Brauneck: Drei Gondeln krachten ineinander

Lenggries - Ein kurzer Ruck, dann standen die Gondeln am Brauneck (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) still – und 43 Skifahrer saßen über dem Abgrund fest. Die Rettungsaktion dauerte mehr als zwei Stunden. Die Unglücksursache ist noch ungeklärt.

Es war genau das Szenario, das Bergwacht, Bayerisches Rotes Kreuz (BRK) und Feuerwehr jedes Jahr trainieren. Deshalb lief auch der Großeinsatz schnell und reibungslos an. Kurz vor 10 Uhr standen gestern die Gondeln der Brauneck-Bergbahn plötzlich still – nur 20 Minuten nach dem Alarm waren fünf Hubschrauber von Polizei und ADAC vor Ort. Sie nahmen die Einsatzkräfte der Lenggrieser und Tölzer Bergwacht auf und flogen sie zu den oberen Gondeln – dort, wo viele Skifahrer festsaßen.

Bilder der Rettung

Drama am Brauneck: Bilder der Rettung

Hubschrauber retteten die Menschen

In der Zwischenzeit bahnte sich die Lenggrieser Feuerwehr mit einem Fahrzeug und einer Drehleiter den Weg zu den unteren Kabinen. „Auf diesem Weg haben wir sieben Leute runtergeholt“, sagte Kommandant Peter Fischhaber. Einer der Geretteten ist Rolf Wronn aus Gräfelfing (Kreis München). Mehr als eine Stunde saß er fest. „Eigentlich war mir nicht bange. Nur als es den ersten Schlag getan hat, habe ich kurz überlegt, was wohl passiert ist.“

Noch schneller als die Feuerwehr waren übrigens einige Skifahrer: „Wir waren gerade an der Talstation, als ein Spezl einen lauten Schepperer gehört hat“, sagt Hans Danner aus Gaißach (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Gemeinsam mit einem Bergbahnmitarbeiter „haben wir die Fahrgäste aus den ersten beiden Gondeln geholt. Dann waren auch schon die ersten Rettungskräfte da.“

Unglück in Brauneck: Jetzt spricht der Bergbahn-Chef

Video:

Unglück in Brauneck: Jetzt spricht der Bergbahn-Chef

Für die weiter oben am Hang Eingeschlossenen kam die Rettung aus der Luft: Immer wieder näherten sich die Hubschrauberpiloten vorsichtig der Lifttrasse, brachten ihre Maschinen in Position, bevor sich ein Bergretter abseilte – aufs Dach der Gondel oder seitlich an die Tür. „Für die Piloten ist das eine Herausforderung. Die brauchen eine ruhige Hand, um eine Kollision mit dem Seil oder dem Wald zu vermeiden“, sagt der Lenggrieser Bergwacht-Bereitschaftsleiter Josef Bergmayr.

Die Retter verschafften sich Zugang zu den Gondeln und legten den Passagieren Rettungsgurte an. Je nach Höhe wurden die Geretteten nach unten auf dem Boden abgesetzt oder nach oben in den Helikopter gezogen. „Wir saßen an einer der höchsten Stellen fest“, erzählt eine Skifahrerin aus Miesbach, die mit zwei Freundinnen unterwegs war – 60 bis 70 Meter liegen dort zwischen Gondel und festem Untergrund. Als die Bahn stoppte, dachten sich die drei Frauen noch nichts. „Es gab zwar eine Durchsage, aber die war nicht zu verstehen.“ Erst als die Rettungshubschrauber anrückten, sei ihnen klar geworden, dass irgendwas nicht stimmt. „Die haben das super gemacht“, loben die drei ihre Retter. Viel Angst hatte das Trio deshalb nicht. „Nur der Schritt aus der Kabine raus, das war schlimm. Da half nur: Augen zu und durch.“

Ganz entspannt wirkte auch Heinrich Kürzeder, als er gegen 12 Uhr endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Gute zwei Stunden saß der Mann aus Gaißach allein in seiner Gondel fest, bevor sich ein Retter zu ihm abseilte. Gut gesichert im Gurt schwebte Kürzeder dann zum Boden. „Nach einem kurzen Fußmarsch bin ich dann mit dem Skidoo nach unten gebracht worden“, erzählt er.

Diese ganze Aufregung blieb Markus Pfaff erspart. Der Tutzinger hatte sich zwar mit seinem Bruder und dessen zehnjährigen Sohn zum Skifahren verabredet. Weil er aber noch was erledigen musste, kam er zehn Minuten zu spät an der Bergbahn an. Während sein Bruder und der Neffe festsaßen, beobachtete Pfaff die Rettungsaktion vom Parkplatz aus. „Ich war ganz entspannt, weil die Retter das gut machen und ich weiß, dass mein Bruder auch in so einer Situation ruhig bleibt.“

Gegen 12.30 Uhr – zweieinhalb Stunden nach dem Alarm – war der letzte Skifahrer befreit und wieder heil im Tal.

„Aus unserer Sicht ist die ganze Rettungsaktion lehrbuchmäßig abgelaufen“, lautet das Fazit von Polizeihauptkommissar Klaus Schürgers. Verletzt wurde niemand. Die Helfer vom Roten Kreuz waren dennoch ziemlich gefordert: Sie übernahmen die Betreuung der Geretteten und versorgten sie mit warmen Getränken.

Bergbahn-Geschäftsführer Peter Lorenz machte sich unterdessen mit dem TÜV und der technischen Seilbahnaufsicht der Regierung von Oberbayern auf die Suche nach dem Schaden. Rein optisch war die Problemstelle schnell ausgemacht: Im unteren Drittel der Strecke waren zwei leere, talwärts fahrende Gondeln aufeinandergerutscht. „Es gab eine mechanische Störung am Laufwerk einer Kabine“, sagt Lorenz. Eine Gondel sei deshalb hängengeblieben, eine zweite dann draufgerutscht. Der Nothalt wurde ausgelöst, die Bahn stoppte sofort. „Wir müssen jetzt klären, was die Störung ausgelöst hat. Dann werden alle anderen Gondeln überprüft“, sagt Lorenz. Eins ist ihm wichtig: „Es hat zu keinem Zeitpunkt Gefahr für die Fahrgäste bestanden.“

Das bestätigt auch Polizeisprecher Schürgers: „Es gab nie die Gefahr, dass eine der Gondeln abstürzt.“ Wann die Bergbahn ihren Betrieb wieder aufnimmt, ist unklar. Lorenz: „Wir hoffen aber, dass wir am Wochenende wieder fahren.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Tölzer Verein Suneko: Akrobatik und Bildung für Kinder in Äthiopien
Der Duft von frisch gerösteten Kaffeebohnen lag im Raum. Bei der Mitgliederversammlung des Tölzer Fördervereins Suneko erwartete die Teilnehmer das Erlebnis einer …
Tölzer Verein Suneko: Akrobatik und Bildung für Kinder in Äthiopien
Tölz live: Skoda mit kaputter Heckscheibe am Parkplatz
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz live: Skoda mit kaputter Heckscheibe am Parkplatz
„Man muss das Rad nicht neu erfinden“
Was macht eigentlich der bayerischen Innovationsring? Landrat Josef Niedermaier stellte dessen Arbeit nun vor. 
„Man muss das Rad nicht neu erfinden“
Raubzug durch die Jachenau: Polizei klärt die Tat auf 
Anfang November gab es einen beispiellosen Diebeszug durch die Jachenau. Gut einen Monat später meldet die Polizei einen Ermittlungserfolg.
Raubzug durch die Jachenau: Polizei klärt die Tat auf 

Kommentare