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Schädling macht dem Buchsbaum den Garaus - „Bevor ich kapituliere, kämpfe ich lieber“

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Begutachtet die vom Buchsbaumzünsler angerichteten Schäden: Ilse Reader an einem ihrer drei Buchsbäume im heimischen Garten.
Begutachtet die vom Buchsbaumzünsler angerichteten Schäden: Ilse Reader an einem ihrer drei Buchsbäume im heimischen Garten. © Pröhl

Abschied vom Buchs? Ob es Hobbygärtner mit dem Buchbaumzünsler aufnehmen können, darüber gehen die Meinungen in Bad Tölz-Wolfratshausen auseinander.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Hobbygärtner müssen sich dieser Tage mit einem ungebetenen Gast herumschlagen. Der vor wenigen Jahren aus Asien eingewanderte Buchsbaumzünsler treibt in den heimischen Gärten sein Unwesen. Zurück bleiben oft völlig zerstörte Sträucher.

Buchsbaumzünsler breitet sich in Bad Tölz-Wolfratshausen aus

Auch Ilse Raeder aus Lenggries ist betroffen. „Vor einem Monat sind meine Buchsbäume von unten braun geworden“, berichtet die Gartenbesitzerin. „Ich hatte gleich den Verdacht, dass der Buchsbaumzünsler am Werk war.“ Das bestätigte sich, als sie nicht nur angefressene Blätter und die für den Befall typischen Gespinste, sondern auch die dafür verantwortlichen grün-schwarzen Raupen entdeckte. Um den Schädling wieder loszuwerden, griff Raeder als erstes zu einem Hausmittel. „Ich habe die Blätter mit Mehl bestäubt“, erklärt sie. Der Befall konnte dadurch zwar gebremst werden, auf Dauer jedoch hatte die Methode nicht den gewünschten Effekt. Die Gartenbesitzerin wollte sich aber nicht geschlagen geben: „Bevor ich vor dem Schädling kapituliere, kämpfe ich lieber.“

Die Raupe des Buchsbaumzünslers.
Die Raupe des Buchsbaumzünslers. © dpa

Deshalb kommen nun Pflanzenschutzmittel und Zünsler-Fallen zum Einsatz. Mit Erfolg: „Bis auf den unteren Bereich sind die Bäume in gutem Zustand. Der Befall konnte eingedämmt werden“, so Raeder. Allerdings sei das Einsprühen der Büsche mit dem Pflanzenschutzmittel relativ mühsam. „Ist natürlich die Frage, ob man sich diese Arbeit machen will“, so Raeder.

Nur eine großflächige Bekämpfung des Buchsbaumzünslers hilft

Deutlich weniger Aufwand hat sie mit den im Garten aufgehängten Zünsler-Fallen. Diese locken durch bestimmte Duftstoffe die männlichen Falter an, bevor diese sich mit den Weibchen paaren können. „In warmen Nächten sind teilweise mehr als 20 Stück in die Falle gegangen“, berichtet Raeder.

Sie hofft, dass andere Hobbygärtner ihrem Beispiel folgen. „Nur wenn viele Gartenbesitzer bei der Bekämpfung mitmachen, kann die Verbreitung großräumig unterbrochen werden.“ Eine rein lokale Bekämpfung hält die Lenggrieserin nicht für sinnvoll, da stets neue Falter in den Garten kommen und ihre Eier ablegen könnten.

Dass der Buchsbaumzünsler heuer besonders aktiv ist, kann auch Friedl Krönauer, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, bestätigen. „Die warme Witterung begünstigte die Ausbreitung“, erklärt Krönauer. Hinzu komme die Verbreitung auf natürlichem Wege. Pro Jahr wanderten die Tiere um bis zu fünf Kilometer, sodass heuer auch Orte betroffen sind, die vorher verschont geblieben waren.

Hat der Buchs keine Zukunft als Ziergewächs?

Die Möglichkeiten, sich gegen den ungebetenen Gast zur Wehr zu setzen, sind laut Krönauer begrenzt. „Den Buchsbaumzünsler werden wir nicht mehr los.“ Aus seiner Sicht gibt es nur zwei Wege, mit dem Problem umzugehen. „Man arrangiert sich mit der Situation und macht sich die Mühe, die Raupen von den Büschen abzusammeln.“ Dies sei zwar sehr effektiv, aber auch zeitintensiv. Betroffene Stellen sollten außerdem zurückgeschnitten werden, der Buchs treibt dort wieder aus. „Oder man ersetzt den Buchs ganz durch andere Sträucher.“ Ölbäume oder Liguster seien eine gute Alternative. Für Krönauer hat der Buchs keine Zukunft mehr als grünes Ziergewächs.

Den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln sieht Krönauer als äußerst problematisch an. „Die dort verwendeten Giftstoffe sind oftmals nicht nur für den Buchsbaumzünsler schädlich, sondern auch für andere Insekten und Vögel“, erklärt Krönauer. Außerdem stellten solche Mittel einen Kostenfaktor dar, da sie nach jedem Regenguss neu aufgetragen werden müssen.

Vögel könnten Bestand des Buchsbaumzünslers dezimieren

Für alle vom Buchsbaumzünsler geplagten Gartenbesitzer hat der BN-Kreisvorsitzende trotz allem einen Lichtblick parat: „Der Schädling ist nur noch bis Oktober aktiv.“ Außerdem haben immer mehr heimische Singvögel, wie Sperlinge und Kohlmeisen, den Zünsler als Nahrungsquelle entdeckt. sodass der Bestand in Zukunft vielleicht zurückgehen könnte.

Wer sich nun seiner zerstörten Sträucher entledigen möchte, kann dies ohne Weiteres in der Biotonne tun, wie das Landratsamt auf Anfrage mitteilt. Alternativ sei auch eine Anlieferung in Quarzbichl möglich. Am Wertstoffhof oder der Grüngutannahmestelle darf der Buchs hingegen nicht abgegeben werden. „Es dauert zu lange, bis das Material verarbeitet wird. In dieser Zeit könnte eine neue Generation an Zünslern schlüpfen“, erklärt Pressesprecherin Marlis Peischer.

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Von Franziska Selter

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