Bundestagskandidat Hannes Gräbner (li.) stellte sich den Fragen der Lenggrieser SPD-Mitglieder um Ortschef Tobias Raphelt.
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Bundestagskandidat Hannes Gräbner (li.) stellte sich den Fragen der Lenggrieser SPD-Mitglieder um Ortschef Tobias Raphelt.

Direktkandidat Hannes Gräbner besucht die Lenggrieser Genossen

Bundestagswahl 2021: Gräbner sieht „keine Grundlage mehr“ für Große Koalition

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    VonVeronika Ahn-Tauchnitz
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SPD-Direktkandidat Hannes Gräbner war zu Gast bei den Lenggrieser Genossen. Es ging um die Koalitionsfrage, den Ausflügler-Andrang und um bezahlbaren Wohnraum.

Lenggries – Die Genossen sind im Aufwind, wie die jüngsten Umfragen auf Bundesebene beweisen. So richtig Niederschlag fand das am Freitag bei der Versammlung des Lenggrieser Ortsvereins im „Altwirt“ nicht. Nicht einmal ein Dutzend Mitglieder war gekommen, um mit Bundestagskandidat Hannes Gräbner zu diskutieren. „Es wäre schön gewesen, wenn ein paar mehr gekommen wären“, sagte Ortschef Tobias Raphelt.

Ortsvereinsvorsitzender: „So positiv war die Situation für die SPD lange nicht mehr“

Aber die 3G-Regel, die am Freitag auch im Landkreis in Kraft trat, „war sicher nicht zuträglich“. Ansonsten war Raphelt aber zufrieden. „So positiv war die Situation für die SPD lange nicht mehr.“ Auf der einen Seite sei dafür die Einigkeit, die die SPD zeige, verantwortlich, auf der anderen Seite die Sachpolitik. „Es liegen noch ein paar spannende Wochen vor uns“, befand Raphelt – und mit Blick auf Gräbner fügte er hinzu: „Wir werden Dich unterstützen, wo wir können.“

Gräbner ist kein Fan der Grünen

Das Direktmandat dürfte für Gräbner im Wahlkreis 223 Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach außer Reichweite sein. Platz 25 auf der Liste der Bayern-SPD sei aber durchaus aussichtsreich, befand die stellvertretende Ortsvorsitzende Franziska Baumann. Sie interessierte sich daher für Gräbners Haltung zu möglichen Regierungskoalitionen. „Am liebsten wäre mir eine SPD-Einerregierung“, scherzte der 54-Jährige. „Generell sehe ich keine Grundlage mehr für eine große Koalition – auch wenn ich sie nicht verteufeln will. Was wir versprochen haben, haben wir geliefert“, sagte Gräbner. Er sei „nicht unbedingt ein Fan der Grünen“, bekannte der Holzkirchner. Dennoch wäre ihm eine „rot-rot-grüne Konstellation die liebste, weil es hier möglich wäre, die Projekte voranzutreiben, die uns am Herzen liegen“, sagte Gräbner. Wie er denn zu einer Mitgliederumfrage zur künftigen Regierungskoalition stehe, wollte Raphelt wissen. Da sei er auf jeden Fall dafür, antwortete Gräbner. „Aber es muss klar sein, worüber man abstimmt. Wir sollten also wissen, was im Koalitionsvertrag steht. Sonst ist das ein bisschen Kaffeesatzleserei.“

Politischer Diskurs mit den Wähler der AfD

Wichtig sei auf jeden Fall, weiterhin „eine stringente Haltung gegenüber der AfD“ zu zeigen, merkte Raphelt an. „Wäre man hier zu einem Kompromiss bereit, wäre das mein letzter Tag in der Partei.“ Das sei für jede demokratische Partei ausgeschlossen, sagte Gräbner. „Allerdings müssen wir in den politischen Diskurs mit den Wählerinnen und Wählern der AfD gehen – soweit das möglich ist.“

Wie lässt sich der zunehmende Erholungsdruck steuern?

Ein weiteres Thema war der zunehmende Erholungsdruck, der nicht erst seit Corona auf der Region lastet. Mittlerweile würde Touristen hier Hass entgegenschlagen, sagte Raphelt auch mit Blick auf entsprechende Graffiti, die am Walchensee aufgetaucht waren (wir berichteten). Es fehle an Möglichkeiten, den Strom der Erholungssuchenden zu steuern, sagte der Ortsvereinschef. Aufgrund des verfassungsrechtlich verbrieften Rechts auf freien Zugang zur Natur „können wir nichts verbieten, sondern können maximal auf guten Willen setzen“, so Raphelt. Passende Ideen für Steuerungsmöglichkeiten hatte Gräbner auch nicht. Er plädierte aber dafür, „den Öffentlichen Personennahverkehr und den sanften Tourismus zu stärken“.

Bei bezahlbarem Wohnraum plädiert Gräbner für Genossenschaftsmodelle

Auf der Seele brannte Raphelt zudem das Thema bezahlbarer Wohnraum. „Der Bund sollte Förderprogramme auflegen, damit Kommunen einen Anreiz haben, sozialen Wohnungsbau zu schaffen“, sagte Raphelt. Gräbner brachte noch eine weitere Idee ins Spiel. „Ich bin ein großer Freund von Genossenschaftsmodellen.“ Deren Gründungen könnten Kommunen unterstützen. „Das ist Hilfe zur Selbsthilfe.“ Raphelt geht das nicht weit genug. Für jedes Bauprojekt müssten Ausgleichsflächen geschaffen werden, merkte er an. „Kann man nicht sagen: Für so und so viel Neubaufläche müssen so und so viele Sozialwohnungen geschaffen werden?“

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