Visualisierung des Lenggrieser Pflegeheims.
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So soll das Lenggrieser Pflegeheim an der Karwendelstraße einmal aussehen.

Kostensteigerung

Caritas zum Lenggrieser Pflegeheim-Bau: „Wir können nicht sagen: Alles super“

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Mit 20 Millionen Euro wird der Bau des Lenggrieser Pflegeheims teurer als erwartet. Doris Schneider von der Caritas, die das Heim betreiben wird, erklärt, welche Auswirkung die höheren Baukosten auf den Betrieb haben.

  • Die Gemeinde Lenggries plant den Bau eines neuen Pflegeheims. Die erste Kostenkalkulation lag mit 20 Millionen Euro deutlich über der Schätzung.
  • Betrieben werden soll das Pflegeheim vom Caritasverband der Erzdiözese München und Freising.
  • Die Kostensteigerung wird Auswirkungen auf den Pflegesatz haben, den die Bewohner bezahlen müssen.

Lenggries Rund 20 Millionen Euro wird der Bau des Lenggrieser Pflegeheims mit 90 Plätzen nach ersten Kalkulationen kosten – und damit deutlich mehr als ursprünglich angenommen. Finanzieren muss den Bau zwar die Gemeinde, die Steigerung der Baukosten hat aber auch Auswirkungen auf die künftige Betreiberin, die Caritas. Doris Schneider, verantwortlich für 27 Caritas-Altenheime in München und Oberbayern, erklärt im Interview, warum die Kostensteigerung ein Problem ist, wie es um die Fachkräftesuche bestellt ist und ob der Wohlfahrtsverband trotzdem an der Kooperation mit Lenggries festhalten will.

Frau Schneider, eigentlich könnte es der Caritas als Betreiberin doch egal sein, wie viel die Gemeinde in den Neubau des Pflegeheims investiert, oder?

Doris Schneider: Nein, denn die Gemeinde baut das Haus zwar, die Caritas muss diese Investition aber über eine Pacht oder Miete refinanzieren. Wenn die Baukosten so hoch bleiben, steigt der Anteil der Investitionskosten im Pflegesatz für den einzelnen Bewohner um 800 bis 900 Euro.

Das heißt, dass jeder Bewohner nach dem Neubau 800 bis 900 Euro mehr im Monat für seinen Pflegeplatz bezahlen muss?

Doris Schneider: Klar, das sind schon sehr große Sprünge. Aber ein neues Haus bietet auch eine höhere Qualität als ein Altbau.

Muss die Caritas das Geld denn zwingend auf den Pflegesatz umlegen?

Doris Schneider: Wir müssen die Einrichtungen kostendeckend führen.

Die Regierung von Oberbayern prüft den Pflegesatz. Gab es schon mal den Fall, dass diese Instanz gesagt hat: Der Pflegesatz ist zu hoch, der kann nicht genehmigt werden?

Doris Schneider: Nein, das ist noch nie passiert.

Haben Sie die Befürchtung, dass durch den höheren Pflegesatz die Plätze nicht mehr belegt werden können, weil sich nur noch ein bestimmtes Klientel einen Platz leisten kann?

Doris Schneider: Nein, das glaube ich nicht, weil die Anzahl der Plätze eher zu knapp ist. Wenn sich jemand einen Platz nicht leisten kann, würde der Bezirk Oberbayern als Träger der überörtlichen Sozialhilfe einspringen. Es stellt sich eher die Frage: Was kann man den Menschen wirklich an Kosten zumuten. Man muss aber auch sagen, dass die Caritas meistens einen eher höheren Pflegesatz hat – auch, weil wir unsere Mitarbeiter ordentlich bezahlen.

Doris Schneider, Geschäftsführerin des Geschäftsbereichs Caritas-Altenheime.

Apropos Mitarbeiter. Überhaupt kein Thema sind momentan Personalwohnungen. Wären die aber nicht wichtig, um genügend Fachkräfte zu finden?

Doris Schneider: Personalwohnungen sind ein wichtiges Thema – und sie sind auch weiterhin im Gespräch. Man muss dafür jetzt mal abwarten, was die Prüfung des Altbestands ergibt. Unter Umständen könnte man das bestehende Gebäude dafür nutzen.

Wie schwierig ist es generell, in unserer Region Fachkräfte zu finden?

Doris Schneider: Wenn man mit den jetzigen Verantwortlichen des Heims spricht, ist es schon schwierig. Und wir kennen den Mangel auch in ganz Oberbayern.

Momentan gibt es ja nur eine Absichtserklärung der Caritas, als Betreiberin einzusteigen, keinen Vertrag. Besteht die Möglichkeit, dass die Caritas noch aussteigt aus dem Lenggrieser Projekt?

Doris Schneider: Wir haben viel Zeit und Energie in das Projekt gesteckt und wollen es schon realisieren. Aber natürlich können wir angesichts der Kostensteigerung jetzt auch nicht sagen: Alles super. Es wird schon noch einmal ein gemeinsames Ringen mit der Gemeinde über die Kosten geben. Und dann brauchen wir auch noch Beschlüsse unseres Vorstands und Aufsichtsrats.

Wann sollen die gefasst werden?

Doris Schneider: Demnächst. Das Problem ist, dass auch wir uns derzeit zu 90 Prozent mit dem Thema Corona befassen müssen.

Normalerweise tritt die Caritas ja nicht nur als Betreiberin auf, sondern baut die Heime in vielen Fällen selbst. Aus Ihrer Erfahrung: Sind 20 Millionen Euro ein reeller Ansatz für den Neubau eines Heims mit 90 Plätzen?

Doris Schneider: Wir haben in dieser Größenordnung nicht direkt ein Vergleichsobjekt – und es kommt immer auf den Standort an. Generell sieht man in Oberbayern, dass die Baupreise kontinuierlich steigen. Auch die Auflagen, beispielsweise beim Thema Energie oder Brandschutz, werden immer höher. Es ist auf keinen Fall so, dass die Kosten in Lenggries außerhalb jeglichen Rahmens sind, aber sie sind einen Ticken höher.

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