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„Es war eine tolle Zeit“: Seit Dezember 2015 ist Christoph Seitz (36) Direktor des Arabella Brauneck-Hotels. 

Christoph Seitz arbeitete früher als Butler 

„Nichts sehen und hören, aber alles wissen“

Lenggries – Heute Hotel-Direktor, früher Butler: Christoph Seitz erzählt von Begegnungen mit Queen Mum, Arafat und Robbie Williams.

Ein Butler, so sinniert Christoph Seitz, „ist eine Persönlichkeit und kein Lakai.“ Er ist rund um die Uhr Ansprechpartner, Ratgeber, Protokollchef, „Mädchen für alles“. Ein Butler ist, der 36-Jährige benützt einen ganz altertümlichen Begriff: „der Major domus von Haus und Hof“. Beim Butler sei es wie bei den berühmten drei Affen: „Er sieht, hört und sagt nichts, weiß aber alles“.

Christoph Seitz hat einen akkurat geschnittenen Bart, eine modische Brille, trägt – wir sind in Lenggries – eine zurückhaltend akzentuierte Lodenjacke und ist wirklich bemerkenswert aufmerksam und höflich. Wenn’s um Butler geht, spricht er aus Erfahrung. Der Direktor des Araballa-Brauneck-Hotels in Lenggries hat in seinem früheren Leben auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet und in Nigeria ein Luxus-Hotel in einem 170-Hektar-Resort geleitet.

Davor war er aber auch ein halbes Jahr Butler eines hohen arabischen Würdenträgers. Mehr sagt er zu seinem damaligen Arbeitgeber nicht. Berufsethos. Wie etwa Lady Di’s Butler sein Wissen im Nachhinein zu Geld machte, das sei für ihn geradezu „moralisch verwerflich“. Deshalb bittet der gebürtige Augsburger denn auch bei allen Fragen um die gebotene Zurückhaltung. Auch wenn’s viele Jahre her sei, fühle er sich seinen früheren Arbeitgebern noch verpflichtet.

Wie wird man in der heutigen Zeit Butler, ist eine unverfängliche Frage. Seitz erzählt, wie er nach der Hotellehre im Steigenberger Drei-Mohren-Hotel in Augsburg nach London ging und dort als Barkeeper im noblen Berkeley-Hotel arbeitete. Nach entsprechender Ausbildung, versteht sich. „Es gehört Stil dazu, Genussmittel zu konsumieren“, sagt der Zigarrenraucher und leidenschaftliche Weinfreund.

Im „Berkeley“ wurden im Haus auch Butler-Dienste für individuelle Wünsche vermögender Hotelgäste angeboten. Das reizte Seitz. Er machte ab 2000 auch diese Ausbildung mit und arbeitete 18 Monate als Butler und Barkeeper in dem über 300 Jahre alten Fünf-Sterne-Haus. „Da habe ich viel gelernt“, sagt Seitz heute. Zum Beispiel, dass es zur hohen Kunst des Benehmens gehört, dass Etikette nicht aufgesetzt wirken darf. Oder ganz einfach: Tipps und Tricks beim Bügeln. Bis heute profitiert der Direktor davon, sagt er lächelnd. Korrektheit und Disziplin sind weitere Eigenschaften, die man als Butler zu verinnerlichen hat. Apropos Etikette: Sie ist gefragt. Seitz hat in seinem Job als Brauneck-Hotel-Chef schon einmal einen Knigge-Kurs für Kinder angeboten. Die Nachfrage sei riesig gewesen.

Der Schwabe – man hört es kaum – hat im „Berkeley“ und im Partnerhotel „Savoy“ viele wohlklingende Namen erlebt: Madonna, Arafat, Robbie Williams, Naomi Campbell, Hamid Karsai und natürlich Queen Mum. Letztere beim Kartenspielen. Mehr erzählt Seitz nicht.

Der Hauptjob war damals aber Barkeeper im „Berkeley“. In dieser Funktion lernte Seitz auch einen jungen Mann aus dem Nahen Osten kennen – den späteren Arbeitgeber. Es sei fast so etwas wie eine Freundschaft entstanden. Eines Tages habe er dann einen Anruf erhalten, ob er sich vorstellen könne, als Butler für die Familie des Freundes in Arabien zu arbeiten. Seitz, ungebunden und gespannt darauf, wie es in so einem Haushalt zugeht, nahm an. „Sehr faszinierend und sehr fordernd“ sei der Job am Hof des Scheichs gewesen. Man agiere grundsätzlich „auf Abruf 24/7“, also 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Zum Beispiel, wenn es darum ging, eine Entourage von 200 Personen auf Reisen zu organisieren – und zwar protokollarisch korrekt.

Seitz war der einzige Europäer. „Man lernt, wie gut es uns geht“, ist seine diplomatische Antwort auf die Frage, wie er die Verhältnisse einschätzen würde. Den Umgang im Umfeld eines selbstbewussten arabischen Potentaten beschreibt er mit dem Satz: „Man muss sehr stark reflektieren und gut zuhören können.“ Und: „Es gelten andere Toleranzschwellen.“

Die waren bei Seitz – etwa beim Thema Menschenrechte – irgendwann überschritten. Mehr sagt er nicht. Es sei dennoch insgesamt „eine tolle Zeit“ gewesen. Er folgte 2003 einem Angebot als Maître d’Hôtel (Restaurantleiter) auf einem Kreuzfahrtschiff. Zu seinem früheren Barfreund aus London hat er auch heute noch losen Kontakt. Man schreibt sich.

Ein bisschen plaudert Seitz dann doch noch aus dem Nähkästchen, als es um die Eigenarten eines arabischen Würdenträgers geht. Nach einem großen Gala-Dinner habe er einmal beim Einräumen des vergoldeten Bestecks in den Tresor zu seinem Schrecken festgestellt, dass 25 Teile fehlten. Für die Gäste vermutlich Erinnerungsstücke. Es seien dann, erzählt Seitz, aber schon sehr lange zehn Sekunden gewesen, die ihm der Scheich in die Augen geblickt habe, bevor er ihm 100 000 Dollar in die Hand drückte und trocken befahl: „Buy new! – Kauf Neues!“

Er habe auch einmal erlebt, wie der Scheich bei einer Europareise sich aus einer Laune heraus einen Ferrari kaufte. Das nicht ganz einfache logistische Problem des Heimtransports stellte sich für den Scheich am Ende der Reise nicht. Er schenkte den Ferrari dem Concierge des Hotels. Da könne man, sagt Seitz, nicht mal neidisch werden. Er habe sich richtig mit dem glücklichen Portier freuen können.

Christoph Schnitzer

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