Im Sommer 2019 initiierten Sabine Mederle und Sabine Gerg den „Zammtisch“, ein Bürgerbeteiligungsforum für alle Lenggrieser.
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Im Sommer 2019 initiierten Sabine Mederle und Sabine Gerg den „Zammtisch“, ein Bürgerbeteiligungsforum für alle Lenggrieser.

Bürgerbeteiligung

Corona bremst Lenggrieser „Zammtisch“ aus - aber der Neustart ist geplant

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Mehr Bürgerbeteiligung – das wünschten sich Sabine Mederle und Sabine Gerg und gründeten 2019 in Lenggries den „Zammtisch“. Gemeinsam sollen dort Ideen für die Ortsentwicklung entstehen und in den Gemeinderat getragen werden. Doch die regelmäßigen Treffen des „Zammtischs“ sind seit Beginn der Pandemie weitgehend unmöglich geworden.

Lenggries - Corona hat das Lenggrieser Bürgerforum „Zammtisch“ etwas ausgebremst. Doch für den Neustart ist alles bereit, wie die beiden Initiatorinnen Sabine Gerg und Sabine Mederle im Interview berichten.

In Zeiten, in denen Kontakte möglichst vermieden werden sollten, haben es Stammtische und sicher auch der „Zammtisch“ Lenggries besonders schwer, oder?

Sabine Mederle: Das ist richtig, dass es gerade besonders schwer ist. Im Sommer 2019 haben wir den „Zammtisch“ zum ersten Mal ins Leben gerufen, um das Thema Bürgerbeteiligung stärker in das Bewusstsein des gesellschaftlichen und politischen Lebens in Lenggries zur rücken, dem Ganzen eine Plattform zu verschaffen. Bisher fanden monatliche Treffen statt, zu denen ein fester Stamm zusammenkam, zusätzlich mit einer stetig wechselnden Besucherzahl.
Sabine Gerg: Während der Corona-Maßnahmen haben wir uns dann bewusst gegen Online-Konferenzen entschieden. Denn der „Zammtisch“ lebt in unseren Augen von Geselligkeit, Austausch, Diskussion und Interaktion.

Aber Sie haben schon Pläne, wenn es irgendwann wieder losgehen kann, oder?

Mederle: Wenn wir uns wieder treffen können, müssen wir erst einmal sehen, wer nach dieser Zeit überhaupt noch dabei ist oder aber vielleicht neu dazukommen möchte.
Gerg: Auch sind schon Ideen und Überlegungen vorhanden, wie wir das Format ändern können, um es einladender und vielleicht auch ein Stück ungezwungener zu gestalten.

Oft muss man viele Schlüssel ausprobieren, bevor eine neue Tür sich öffnen lässt...

Sabine Gerg

Hört sich an, als wäre es generell nicht so einfach, ein Forum für Bürgerbeteiligung zu etablieren?

Gerg: Es ist nicht immer einfach, die Lust und Motivation der Menschen zu schüren, einfach mal vorbeizukommen, mitzumachen und auch, was unser langfristiges Ziel ist, auf Dauer mit ins Boot zu holen. Oder es gibt Menschen oder Gruppierungen, die den „Zammtisch“ von vornherein in die Schublade „Mist“ stecken – obwohl diejenigen weder das Format noch uns jemals genauer kennengelernt haben.
Mederle: Zum anderen fehlt leider die Anerkennungskultur für solche Gremien auch seitens der Gemeindeverwaltung. Da haben wir schon etliche Erwartungen in die neue Amtsperiode gelegt. Doch die Tendenz wird voraussichtlich gleichbleiben. Der Bürgermeister hat uns da schon mal keine Hoffnungen gemacht. Aber wir bleiben auf unserem Weg.
Gerg: Und wie es so schön heißt: Oft muss man viele Schlüssel ausprobieren, bevor eine neue Tür sich öffnen lässt….

Was ist in Sachen Bürgerbeteiligung überhaupt in den vergangenen Monaten passiert?

Mederle: Entgegen unserer anfänglichen Erwartungen haben wir bald gemerkt, dass alles seine Zeit braucht. „Schnell geht gar nix“, das ist für uns das ernüchternde Fazit. Im Juli und September fand eine Befragung der Eltern der Grundschule zum Thema „Gefahren am Schulweg, Bedarfsabfrage Schülerlotsen“ statt, als Grundlage für Gesprächsinhalte im Arbeitskreis Schulwegsicherheit. Dieser wird nun auf Einladung vom Bürgermeister hin am 24. März im Rathaus zum ersten Mal zusammenkommen, was uns sehr freut.

Und sonst?

Gerg: Nach wie vor kommen auch Personen oder Gruppierungen mit Themen auf uns zu. Hierfür kann der „Zammtisch“ die Plattform bieten. Es ist aber nochmal wichtig für uns zu betonen, dass nicht wir Anliegen und Wünsche im Auftrag abarbeiten, sondern dass wir unsere Unterstützung, unsere Mitarbeit, unsere Energie zu einem Anliegen durch eine Gemeinschaft zur Verfügung stellen.

Gibt es Projekte, die Sie dieses Jahr angehen möchten?

Mederle: Da müssen wir eigentlich erst einmal abwarten und schauen, was beim nächsten Treffen passiert. Denn die Teilnehmenden geben ja die Gangart vor. Aber sollte alles beim Alten geblieben sein, dann werden wir am Projekt Schlegldorf weiter mit dranbleiben. Nach wie vor wären auch Themen wie Verkehr und Ortsgestaltung weitere mögliche Schwerpunktthemen. Zudem startet ja der Arbeitskreis Schulwegsicherheit. Im Vorfeld haben sich viele Eltern bei uns zu Wort gemeldet, die uns Hinweise auf mangelnde Schulwegsicherheit gaben und Gefahrenpunkte mitteilten.
Gerg: Zudem gibt es etliche Anregungen, die an uns herangetragen werden, rund um das soziale Miteinander: Schwimmkurse für Kinder, zentrale neue Treffpunkte für Jung und Alt wie dem Freibad im Winter, gesellige Nachmittage, Ausflüge, Veranstaltungen zu gewissen Themenbereichen. So werden es hoffentlich immer mehr Menschen und somit auch Ideen, die sich in Zukunft dem „Zammtisch“ anschließen und Anliegen gemeinschaftlich angehen wollen.

Was würden Sie sich für 2021 wünschen?

Gerg: Wünschen würden wir uns ein Potpourri an Interessierten aus allen Altersschichten. Menschen, die einfach mitreden wollen. Letztendlich ist es uns nach wie vor ein Anliegen, dahin zu kommen, dass der „Zammtisch“ nicht als eine Sache von den „Sabines“ gesehen wird, sondern dass dieser zu einem zielgerichteten, wertgeschätzen Selbstläufer wird.
Mederle: Wenn Sie uns aber nach unserer absoluten Traumvorstellung fragen, dann würden wir uns wünschen, dass es seitens der Gemeinde einen offiziellen Bürgerbeauftragten gäbe. Jemanden, der die Koordination eines Bürgerforums leiten und absolut niederschwellig und bürgernah arbeiten würde. Also als ein Art Bindeglied zwischen Bürgern und Bürgermeister, Verwaltung, Gemeinderat.

Der Tod von Fritz Erhard hat uns alle zutiefst getroffen. Er war eine treibende Kraft, ein Fels.

Sabine Mederle

Bislang stand ja unter anderem der Gehwegbau in Schlegldorf bei Ihnen im Fokus? Was ist denn daraus geworden?

Mederle: Schon ab dem ersten Abend ist dieses Thema auf breites Interesse gestoßen. Von Fritz Erhard wurden Pläne entworfen, Klas Stöver stellte das Ganze fotografisch dar, beide netzwerkten enorm. Leider ist Fritz Erhard plötzlich gestorben. Das hat uns alle zutiefst getroffen. Er war nicht nur für uns eine treibende Kraft, ein Fels.
Gerg: Wir gehen davon aus, dass, nach der Schockphase, auch die Schlegldorfer ihr Ziel weiterverfolgen werden, mit oder ohne Unterstützung des „Zammtischs“.

Seit dem letzten Mai ist ein neuer Gemeinderat im Amt, dem auch Frau Gerg für die SPD angehört. Seit September gibt es einen neuen Bürgermeister. Hat das irgendwas am Thema Bürgerbeteiligung verbessert?

Mederle: Sagen wir mal, dass die besonderen Umstände Neuwahlen, Corona und Lockdown eine Art Dornröschenschlaf bei gewissen Dingen verursacht haben. Deshalb können wir diese Frage weder mit einem Ja noch mit einem Nein beantworten. Wir vermuten aber, nach den Äußerungen des Bürgermeisters unseren Fragen gegenüber, dass bei der Bürgernähe alles beim Alten bleiben wird: Es wird die Bürgerversammlung geben und die Möglichkeit der Vorsprache mit Termin beim Bürgermeister. Super finden wir, dass von ihm in Aussicht gestellt wurde, dass es möglicherweise eine Bürgerbefragung zu den Projekten „Erlebnisbad Isarwelle“ und „Kaserne“ geben wird. Und möglicherweise tut sich ja da noch was Neues auf, da das Thema „Transparenz, Bürgernähe, Dialog“ ja auch etliche Kandidaten und auch die Parteien in den Wahlprogrammen hatten.
Gerg: Wahrscheinlich hätte jeder nur mal im Vorfeld die Begrifflichkeiten genauer definieren müssen. Für einige ist ausreichende Bürgerbeteiligung ja bereits, dass jeder Bürger alle sechs Jahre den Bürgermeister und den Gemeinderat wählen darf, was ja auch stimmt und gesetzlich geregelt ist. Bei uns hinterlassen solche Aussagen aber eher ein Fragezeichen...

Was hätte denn die Gemeinde von einer besseren Bürgerbeteiligung?

Gerg: Je nachdem, was man initiieren würde... Zu Beginn wäre erst einmal viel mit Mehrarbeit und einem guten Nervenkostüm verbunden, das ist uns klar. Aber auf lange Sicht hätte die Gemeinde sicher enorme Vorteile: Kostenersparnis, aktive Mitarbeit der Bürger, Identifikation, Partizipation, ein Verständnis für und das Mittragen von Entscheidungen, und schließlich auch die Möglichkeit einer Aufgaben- und Arbeitsverteilung und somit einer Arbeitsentlastung. Wir glauben nach wie vor, dass auch Lenggries von „einer Aktivierung der schlummernden Ressourcen“, von einer intensiven Bürgerbeteiligung profitieren könnte.
Mederle: Der „Zammtisch“ ist ein Instrument, das engagierte Bürger ins Leben gerufen haben. Das war ein guter erster Schritt in unseren Augen. Wir wollen aber weiter wachsen. Deshalb freuen wir uns auf alle bekannten Gesichter und ermutigen auch weiterhin alle Neu-Interessierten, bei uns mitzumachen.

Weitere Infos: Wer in den Mail-Verteiler aufgenommen werden oder weitere Infos haben möchte, schreibt an zammtisch@gmx.de oder meldet sich unter 01 76/72 30 84 29.

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