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Akkordarbeit in der Nähstube: In der Werkstatt des Lenggrieser Trachtengeschäfts werden Schutzmasken gefertigt. 

Gummilitzen gesucht

Die ehrenamtlichen Masken-Näher von Lenggries

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Elisabeth Ertl aus Lenggries näht zusammen mit vielen anderen Helfern gegen den Gesichtsmasken-Notstand an – ehrenamtlich. Allerdings fehlt es an zwei Dingen.

Lenggries – Der Briefkasten von Elisabeth Ertl quillt dieser Tage regelmäßig über – vor Hosengummis. Viele Lenggrieser sind ihrem Aufruf in den sozialen Netzwerken gefolgt und haben alte „Gummilitzen“ aus ihren Privatbeständen hervorgekramt und in der „Trachten- und Lodenstubn“ an der Karwendelstraße abgegeben. „Die Resonanz ist überwältigend.“ Aber Ertl und ihre Helfer brauchen mehr Hosengummi. Und mehr Draht. Daraus stellen sie unentgeltlich für alte und kranke Menschen aus der Region Gesichtsmasken her.

Mit den Gummis kann der Mundschutz an den Ohren befestigt werden, erklärt Ertl. Die Drähte werden in den Stoff eingezogen und sorgen dafür, dass die Masken eng an Mund und Nase aufliegen. Ebenfalls entscheidend: „Der Draht muss mit Plastik umhüllt sein, damit er nicht rostet“, sagt Ertl. Und fein solle er sein. „Blumendraht vielleicht.“ So etwas sei im Moment schwer zu bekommen, sagt Ertl. 

In der Trachtenstube wurden in einer Woche 300 Masken genäht

Genau wie Gesichtsmasken. Als das Pater-Rupert-Mayer-Heim in Bad Tölz bei der gelernten Schneiderin anfragte, ob sie für die Bewohner Masken nähen könne, musste Elisabeth Ertl nicht lange überlegen. „Ich bin froh, dass ich einen kleinen Beitrag leisten kann.“ Sie betont aber auch: „Allein würde ich das alles nicht schaffen.“ 

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Fünf ihrer Mitarbeiterinnen aus der Trachten- und Lodenstubn, eine Auszubildende sowie rund zehn Hobby-Schneiderinnen nähen aktuell im Akkord. Rund 300 Masken haben sie in einer Woche hergestellt. Noch einmal so viele sollen dazukommen. Auch das Pflegeheim in Lenggries soll Ertl zufolge mit den Gratis-Schutzmasken made dahoam versorgt werden.

Wenn die Pflegeheime versorgt sind, sollen die Näherinnen Masken verschenken

Den Stoff haben Ertl und ihre Helfer von der Gemeinde bekommen. Wie berichtet, hatte das Landratsamt auf Geheiß von Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger pro Kommune mindestens 50 laufende Meter ausgegeben. Sind beide Heime versorgt, wollen Ertl und ihre Mitstreiter auf Vorrat produzieren und die Masken auch an Privatpersonen verschenken – vielleicht gegen einen kleinen Obolus. „Das Geld würden wir für einen guten Zweck spenden.“

Infos für Spender

Wer Hosengummis und/oder Draht spenden möchte, kann sich unter Telefon 08042/973454 (Geschäft) oder 08042/4822 (privat) bei Elisabeth Ertl melden.

Auf Gesichtsmasken sind auch die Einsatzkräfte der Feuerwehr angewiesen. Lesen Sie hier, wie die Corona-Epidemie den Feuerwehr-Alltag im Landkreis verändert

Der in Isarwinkel und Loisachtal befürchtete Ausflügler-Ansturm blieb am Wochenende unterdessen weitgehend aus. Die Bilanz vor Ort lautet: „Die Vernunft hat gesiegt“.

Mundschutz-Pflicht ab Montag (27. April): Wo gibt es Masken zu kaufen? Das Angebot in der Region im Überblick.

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