Die Quarantäne der letzten Patienten ist am Sonntag ausgelaufen. Seit Montag werden gibt es wieder Neuaufnahmen in der Fachklinik.
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Die Quarantäne der letzten Patienten ist am Sonntag ausgelaufen. Seit Montag werden gibt es wieder Neuaufnahmen in der Fachklinik.

Patienten und Mitarbeiter betroffen

Corona in der Fachklinik Lenggries: „Haben den Ausbruch weitestgehend überstanden“

  • Veronika Ahn-Tauchnitz
    vonVeronika Ahn-Tauchnitz
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Zahlreiche Patienten und Mitarbeiter der Fachklinik Lenggries hatten sich mit dem Corona-Virus infiziert. Am Sonntag endet die Quarantäne für die letzten Patienten. Der Aufnahmestopp ist aufgehoben.

  • Über einen Mitarbeiter war der Corona-Virus in die Fachklinik Lenggries eingeschleppt worden
  • Insgesamt waren 24 Patienten und 14 Mitarbeiter, darunter zwei Ärzte, positiv auf Covid-19 getestet worden
  • Keiner der hochbetagten und zum Teil multimorbiden Patienten zeigte Symptome, die jüngeren und fitten Mitarbeiter dagegen schon.

Lenggries – Es war eine schwierige Situation für die Fachklinik Lenggries für geriatrische Rehabilitation: Über einen infizierten Mitarbeiter war Ende Oktober das Corona-Virus in die Einrichtung eingeschleppt worden (wir berichteten). „Inzwischen haben wir den Ausbruch weitestgehend überstanden“, sagt Klinikleiter Prof. Dr. Nikolaus Netzer.

In der Spitze gab es in den vergangenen zwei Wochen 24 positiv getestete Patienten und 14 infizierte Mitarbeiter, darunter zwei Ärzte. Die Infektionen der Patienten gingen wohl alle auf den Indexfall und einen weiteren Mitarbeiter zurück, der engeren Kontakt zum Indexfall hatte, so Netzer. Das Infektionsgeschehen bei den Mitarbeitern sei dagegen eher diffus „und nicht allein auf die Arbeit in der Klinik zurückzuführen“. So sei ein Teil der positiv getesteten Belegschaft schon vor dem Ausbruch unter anderem im Urlaub gewesen. Hier sei die Ansteckung wohl über Dritte erfolgt.

Bis Ende des Jahres wird nur die Hälfte der Betten belegt

Fünf Mitarbeiter befinden sich derzeit noch in Quarantäne. Für die letzten betroffenen Patienten läuft die Isolation auf einer eigens eingerichteten Station am Sonntag aus. Auch der seit Ende Oktober geltende Aufnahmestopp ist laut Netzer beendet: Seit 16. November nimmt die Klinik wieder neue Patienten auf. „Ab dann werden die Patienten auch wieder außerhalb ihrer Zimmer in zwei Speisesälen auf den Stationsebenen essen, allerdings mit jeweils 1,50 Meter Abstand zueinander. Ebenso werden sie wieder zu mehreren, aber mit Abstand im Gerätetrainingsraum trainieren und Gruppentherapien in Anspruch nehmen“, berichtet der Klinikleiter. Weiterhin müssten allerdings alle Patienten außerhalb ihres Zimmers einen Mund-Nasenschutz tragen. Dieser darf nur zum Essen im Speisesaal am Tisch abgelegt werden. Die Mitarbeiter tragen weiterhin FFP2-Masken. All diese Regelungen würden über die kommenden Monate bestehen bleiben. „Bis Ende Dezember werden wir die Klinik nur mit etwa der Hälfte der Vertragsbetten fahren, um die Abstandsregeln gut einhalten zu können und keinen zweiten Ausbruch zu riskieren“, so Netzer.

Hochbetagte Patienten zeigten keine Symptome, Klinikleiter sieht darin einen Beleg, dass Masken schützen

„Erstaunlich“ fand der Klinikleiter im Übrigen, „dass kein einziger der positiv getesteten Patienten zu irgendeinem Zeitpunkt typische Covid-Symptome entwickelt hat“. Dabei habe es sich um hochbetagte und zum Teil multimorbide Patienten gehandelt. Anders sei das bei den jüngeren und fitten Mitarbeitern gewesen, die teilweise unter recht heftigen Symptomen wie hohem Fieber und hartnäckigem Husten litten. „Dies muss wohl damit zusammenhängen, dass die Patienten von den Mund-Nasenschutz tragenden Mitarbeitern und den doch mit Abstand entfernten Zimmernachbarn eine geringere Virenlast übertragen bekommen haben als die Mitarbeiter, die sich ohne jeglichen Schutz gegenseitig oder Dritten näher kamen“, vermutet der Klinikleiter. Ihm ist auch wichtig zu betonen, dass die Therapien der Patienten während der gesamten Zeit fortgesetzt wurden. „Zu jedem Zeitpunkt waren die Patienten pflegerisch, ärztlich und auch therapeutisch gut versorgt. Unser langjährig im Betrieb arbeitender Assistenzarzt Alejandro Miranda und ich selbst waren jeden Tag der letzten zwei Wochen bis heute im Haus, sodass auch die ärztliche Betreuung rund um die Uhr doppelt abgesichert war.“ Selbst für die Patienten auf der Covid-Isolierstation seien die Therapieeinheiten fortgesetzt worden. „Die anwesenden und nicht infizierten Mitarbeiter haben sich mit besonderer Aufopferungsgabe den Patienten gewidmet“, betont Netzer.

Beschimpfungen und Beleidigungen von Angehörigen

Ihm ist das so wichtig, weil zahlreiche Angehörige der Auffassung waren, „dass die Patienten nur noch verwahrt werden“. Netzer spricht von aggressiven Telefonaten, Beschimpfungen und Beleidigungen. „Die Aggression einiger Angehöriger in Telefonaten schmerzt, aber man kann natürlich auch verstehen, dass sich die Angehörigen Sorgen machen, da sie sich selbst ja kein Bild machen können und sich schnell Gerüchte bilden.“ Letztlich spiegle das vielleicht nur die insgesamt aggressiver werdende Stimmung in der Gesellschaft wider. „Ich hoffe, dass sich das in den nächsten Monaten wieder etwas beruhigt.“

Der Klinikleiter nimmt aus der Krise aber auch etwas Positives mit. Wer die Infektion am eigenen Leib zu spüren bekommen habe oder sie zumindest bei einer nahe stehenden Personen miterlebt habe, wisse nun auf jeden Fall, wie wichtig das Einhalten von Hygiene- und Abstandsregeln sei. Das habe mehr Eindruck hinterlassen als die beste Hygieneschulung. Netzer: „Man sieht jetzt alle die Masken wirklich kontinuierlich über Mund und Nase tragen und sich nach wirklich jedem Kontakt die Hände waschen oder desinfizieren.“ Auch die Angehörigen würden den Besucherstopp ohne großen Widerspruch akzeptieren.

Alles über die aktuelle Corona-Lage im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen lesen Sie hier.

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