Tausende Ski- und Schlittenfahrer tummelten sich in den vergangenen Tagen auf den talnahen Pisten am Brauneck – wie hier am Streidlhang in Lenggries.
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Tausende Ski- und Schlittenfahrer tummelten sich in den vergangenen Tagen auf den talnahen Pisten am Brauneck – wie hier am Streidlhang in Lenggries.

„Der Wahnsinn“

Trotz Lockdown: Tausende Wintersportler stürmen die Pisten am Brauneck - „abartig viele Leute“

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Trotz Lockdown und Ausgangsbeschränkung kommen sehr viele Freizeitausflügler zum Brauneck. Dabei gab es aber wenig Unfälle - und auch wenig Müll.

  • Viele Wintersportler nutzten die Zeit zwischen den Jahren für einen Ausflug in die Berge.
  • Auf den Parkplätzen zählten die Liftbetreiber am Brauneck an einem Tag rund 2500 Autos.
  • Vor allem Touren- und Schlittenfahrer drängten sich auf den Pisten.
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Lenggries – Seit gut zwei Wochen gilt der harte Lockdown. Was allerdings nicht bedeutet, dass am Brauneck gähnende Leere herrscht – ganz im Gegenteil. Allein am Montag zählten die Liftbetreiber auf den Parkplätzen am Draxl- und Streidlhang rund 2500 Autos, und Liftinhaber Josef Wohlmuth stellt fest: „Es waren abartig viele Leute da, mehr als wenn wir im Tal Skiliftbetrieb haben.“

Wintersportler stürmen Pisten am Brauneck: Liftbetreiber zählen 2500 Autos auf den Parkplätzen

Vor allem Touren- und Schlittenfahrer haben sich auf den Pisten gedrängt, berichtet Gerg: „Am Montag war’s der Wahnsinn. Die Leute stehen in Pulks beieinander – und wir dürfen die Lifte nicht öffnen.“ Einzige Einnahmequelle sind momentan die Parkautomaten, die allerdings von vielen ignoriert würden. Wenn dies so weitergehe, müsse man womöglich mal über Kontrollen nachdenken.

Sein Kollege Josef Wohlmuth beschreibt das Treiben am Brauneck so: „Die Lifte laufen nicht, wir haben beschneit, und die Leute haben eine Mordsgaudi.“ Er könne nicht kontrollieren, was auf der Piste passiert, „und ich mag auch nicht zu den Schlittenfahrern sagen, geht weiter auseinander.“ Man könne es den Kindern nicht verdenken, dass sie Schlitten fahren wollen. Meist stünden ohnehin nur Ehepaare mit ihren Kindern zusammen.

Corona in Lenggries: Trotz Lockdown „abartig“ viele Besucher

Um für den Fall des Falles gerüstet zu sein, laufen bei Nacht-Temperaturen unter minus fünf Grad die Schneekanonen. Insgeheim hofft Wohlmuth, dass der Liftbetrieb Mitte Februar startet: „Es wär’ schon ganz schön heavy, wenn sie die ganze Skisaison absagen würden.“

So viele Tourengeher wie noch nie sind derzeit auf dem Brauneck unterwegs.

Ein Müllproblem gebe trotz des enormen Besucheransturms nicht, versichert der Liftinhaber: „Ich war um acht Uhr draußen und hab’ nur ein paar Kaffeebecher gefunden.“ Ärgerlich sei nur, dass mangels Toiletten viele Besucher an die Hauswände pinkeln.

Lenggries: Skiwacht erlebt trotz Besucheransturm eine ruhige Zeit

Auch Rolf Frasch von der Lenggrieser Skiwacht berichtet, dass in den vergangenen Tagen tausende Wintersportler auf den Pisten waren: „Vor allem habe ich noch nie so viele Tourengeher gesehen.“ Es seien aber auch viele Fußgänger und Zipfelbob-Fahrer unterwegs. Dies sei nachvollziehbar.

„Nach Tirol können die Leute nicht, also gehen sie hier überall rauf, wo eine Piste beschneit ist.“ Die vielen Fußgänger hätten die Pisten inzwischen so festgetreten, dass sie einem präparierten Zustand ähneln: „Die Abfahrten sind nur sehr hart.“ Trotz des Besucheransturms erlebt die Skiwacht eine ruhige Zeit.

„Nach Tirol können die Leute nicht, also gehen sie hier überall rauf, wo eine Piste beschneit ist“

Ruhig, das bedeutet, dass die Retter am Sonntag, Montag und Dienstag jeweils einmal ausrücken mussten. Am Sonntag brach sich ein Skifahrer auf der Familienabfahrt in Wegscheid den Unterschenkel.

Am Montag zog sich ein Wintersportler am Milchhäusl-Lift eine Oberarm-Fraktur zu. Am Dienstag rutschte eine Schlittenfahrerin beim Hochgehen aus und verdrehte sich die Kniescheibe. „In einer normalen Skisaison haben wir am Brauneck pro Tag drei bis sieben vergleichbare Einsätze“, berichtet Frasch.

Doch nicht nur in Lenggries werden die Pisten von Ausflüglern überrannt: Alle Appelle halfen auch im Kreis Miesbach nichts. Sonnenschein und Schnee haben erneut zahllose Ausflügler in die Berge an Schliersee und Tegernsee gelockt. Die verursachten ein Chaos - mitten im Lockdown. Und ein Garmisch-Partenkirchner Neubürger machte kürzlich eine unschöne Begegnung: Wohl aufgrund seines Münchner Kennzeichens spuckte ihm ein Mann vors Auto.

(Von Patrick Staar)

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