Der Große Ahornboden in der Eng ist speziell im Herbst ein beliebtes Ausflugsziel. Für die dortigen Gastronomen kommt die Reisewarnung für Tirol zur Unzeit.
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Der Große Ahornboden in der Eng ist speziell im Herbst ein beliebtes Ausflugsziel. Für die dortigen Gastronomen kommt die Reisewarnung für Tirol zur Unzeit.

„Eine Katastrophe“

Reisewarnung für Tirol beutelt Hoteliers ohnehin schon - dann fällt auch noch Busverbindung aus

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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  • Felicitas Bogner
    Felicitas Bogner
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Tirol wurde am Freitag zum Corona-Risikogebiet erklärt. Zahlreiche Urlauber traten daraufhin vorzeitig die Heimreise an, auch Tagesausflügler halten sich zurück.

  • Tirol ist Corona-Risikogebiet.
  • Das Auswärtige Amt hat mit einer Reisewarnung reagiert .
  • Gastronomen und Hoteliers sind schwer getroffen.

Hinterriß – „Das ist eine Katastrophe“, sagt Melanie Schwarzenberger, Mitinhaberin des Alpengasthofs und Naturhotels Die Eng. „Wir haben hier keinen Corona-Fall, aber immense Auswirkungen durch die Reisewarnung. Unsere Region müsste davon klar abgegrenzt werden“, klagt sie. Schon kurz nach der Erklärung Tirols zum Risikogebiet habe sie zahlreiche Stornierungen bekommen. „Im Herbst ist die schönste Zeit für den Großen Ahornboden. Jetzt sind die Gäste verunsichert, unser Telefon läuft heiß“, sagt Schwarzenberger. Noch dazu fahre der RVO-Bergsteigerbus seit Samstag nicht mehr, berichtet sie. „Da habe ich dann meine Gäste auf eigene Kosten nach Hinterriß fahren müssen. Niemand hat uns darüber informiert.“

Corona-Risikoeinstufung: RVO-Bergsteigerbus fuhr unangekündigt drei Tage lang nicht mehr

Auf Nachfrage des Tölzer Kurier gibt Dirk Spieß vom RVO-Kundencenter Tegernsee zu Protokoll: „Die Buslinie wurde am Samstag sicherheitshalber aufgrund der Risikoeinstufung eingestellt.“ Nach aktuellem Stand sei geplant, dass der Bus ab diesem Dienstag wieder fahren soll.

Coronavirus: Tirol zu Risikogebiet erklärt - „Stornierungen sofort reingekommen"

Auch Manfred Reindl, Inhaber des Gasthofs zur Post in Hinterriß, leidet unter den Auswirkungen der Reisewarnung. „Das hat fatalste Folgen für uns“, sagt er. „Keine 15 Minuten, nachdem das am Freitag verkündet worden ist, sind Stornierungen reingekommen. Mittlerweile haben wir noch 5 von 55 Zimmern belegt, obwohl wir eigentlich um diese Zeit voll besetzt gewesen wären.“ Die Situation sei beinahe so schlimm wie während des Lockdowns. „Wir haben am Sonntag trotz des sonnigen Wetters nur 20 Mittagessen im Restaurant verkauft“.

Vor allem in der Herbstsaison empfange er hauptsächlich deutsche Gäste. „Durch die Reisewarnung wollen nun viele nicht mehr kommen, obwohl man sich ja 48 Stunden hier aufhalten darf ohne Quarantäne oder Testpflicht“, sagt er. Dazu sei auch das aktuell verregnete Wetter ein Problem. „Da kommt auch niemand mehr für einen Tagesausflug her.“ Diese Kombination sei für Geschäftstreibende fatal. „Es ist nirgends mehr was los, alles wie ausgestorben“, sagt Reindl.

Mehr Terminbuchungen für Corona-Tests von Reiserückkehrern aus Risikogebieten an Testzentrum Flinthöhe

Im Tölzer Gesundheitsamt gingen unterdessen am Montag zahlreiche Anfragen zu den Einreise- und Quarantäneregeln für Tirol-Besucher ein, wie Landratsamts-Sprecherin Marlis Peischer erklärt. Überdurchschnittlich gefragt war ihr zufolge auch die Corona-Teststation auf der Tölzer Flinthöhe. Hier lagen am Montag 121 Terminbuchungen vor. An den Montagen zuvor waren es jeweils um die 80. 38 Personen hatten laut Peischer angegeben, der Grund für ihren Test sei ihre Reiserückkehr aus einem Risikogebiet – ob das im Einzelfall Tirol war, wurde nicht erfasst.

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