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Sie führen die Lenggrieser CSU (v. li.): Schriftführer Walter Biagini, Franz Schöttl und Andreas Meyr (beide stellvertretende Vorsitzende), Ortschefin Christine Rinner, Bernhard Simon (stellertretender Vorsitzender) und Schatzmeister Wolfgang Mulzer. 

Jahresversammlung

CSU: „Demokratie kommt aus der Mode“

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Mit einer durchaus bemerkenswerten Ansprache eröffnete die Lenggrieser CSU-Ortsvorsitzende Christine Rinner am Mittwochabend die Jahresversammlung im „Altwirt“.

Lenggries –  Es sei heute nicht mehr selbstverständlich, dass sich 40 Mitglieder einer demokratischen Partei treffen. „Denn Demokratie kommt aus der Mode“, sagte Rinner. „Wir leben in postfaktischen Zeiten, in denen Gefühle wichtiger sind als Informationen.“ Das liege möglicherweise auch daran, dass eine derartige Informationsflut verfügbar sei, die Menschen überfordere. „Vielleicht hört da mancher lieber auf seinen Bauch.“ Aber man müsse diskutieren und argumentieren. Man brauche die Bereitschaft, Kompromisse zu schließen. „Denn sonst ist das Wesen der Demokratie bedroht. Sonst gewinnt der, der am lautesten schreit, wie bei den Gorillas im Zoo“, sagte Rinner.

Bundestagsabgeordneter Alexander Radwan dankte Rinner „für diesen passenden Einstieg“. Man müsse heute tatsächlich Angst haben, „wo sich die Demokratie hinentwickelt“. Welch hohes Gut Demokratie ist, versucht Radwan auch immer wieder in Schulklassen zu vermitteln. Unterstützung hat er dabei derzeit von der 24-jährigen Ägypterin Sherin Elmoghazy, die am internationalen Stipendiatenprogramm des Bundestags teilnimmt und drei Monate für Radwan arbeitet. „Sie erklärt den Schülern, dass sie in ihrem Land nicht wählen darf und noch nicht einmal ihre Meinung frei äußern darf, weil ihr sonst Gefängnis droht“, berichtete Radwan. „Demokratie ist eine Staatsform, um die es sich zu kämpfen lohnt.“

Interessante Zahlen hatte Kassier Wolfgang Mulzer mitgebracht. Die CSU hat ihre Mitgliedsbeiträge gerade auf 70 Euro erhöht. „Damit ist sie aber noch vergleichsweise günstig.“ Die Linke verlange beispielsweise schon ab einem relativ geringen Einkommen 180 Euro, die AfD 120 Euro.

Auf Landkreis-Themen ging Kreischef Martin Bachhuber ein. Zur Zukunft des Pflegeheims in Lenggries vertrete die CSU eine andere Meinung als die Mehrheit im Kreistag. „Aus der Tradition heraus wäre es dem Kreis gut angestanden, das Heim weiterzubetreiben“, so Bachhuber. Auch dass der Vertrag mit der Gemeinde Lenggries bereits jetzt gekündigt wurde, könne er nicht nachvollziehen. „Wir werden hier sehr aufmerksam nachfragen, wie es weiter geht“, sagte der Landtagsabgeordnete.

Im Auge behalten will die CSU auch die Geburtshilfe. Nach der Schließung der Abteilung Ende März an der Tölzer Asklepios-Klinik sei die Situation im Isarwinkel unbefriedigend. Er hoffe darauf, dass sich vielleicht die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen doch verbessern und es gelingt, eine neue Lösung für Bad Tölz zu finden.

Bürgermeister Werner Weindl nutzte die Gelegenheit, um Bachhuber zu danken. „Du setzt dich für die Gemeinden ein, unabhängig davon, welches Parteibuch der Bürgermeister hat.“ Bachhuber sei es wichtig, dass die Themen aus seinem Stimmkreis Gehör finden. „Und du sagst uns aber auch, was nicht geht. Und das ist richtig so“, sagte Weindl unter dem Applaus der gut 40 Zuhörer.

Auch Neuwahlen standen auf dem Programm. Die Mitglieder des Vorstands wurden allesamt im Amt bestätigt.

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