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Wandern im Tölzer Land soll zu einem noch größeren Erlebnis werden. Dafür soll das geplante Konzept sorgen.

Gemeinderat

Damit das ,Bergparadies‘ noch schöner wird

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Lenggries – das Bergparadies. Wer mit so einem Slogan wirbt, sollte dafür sorgen, dass sein Wanderwegnetz in Ordnung ist. Die Gemeinde möchte dafür ein Konzept aufstellen – und den ganzen südlichen Landkreis mit ins Boot holen.

Lenggries„Lenggries ist eine Wanderregion, und es liegt mir sehr am Herzen, dass wir unseren Gästen wirklich etwas bieten“, erklärte Gästeinformations-Leiterin Ursula Dinter-Adolf (vormals Grottenthaler) in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Das ganze Tölzer Land werbe mit dem Thema Wandern – genauso wie die Nachbarregion Tegernsee. Die ist allerdings in diesem Bereich deutlich besser aufgestellt. „Die haben seit acht Jahren einen eigenen Projektmanager Wandern, der nichts anderes macht.“

Eines der größten Defizite im Tölzer Land besteht aus Dinter-Adolfs Sicht in der Beschilderung der Wege. Die Wegweiser seien unterschiedlich gestaltet, manche bieten eine Kilometerangabe, andere Gehzeiten. Manche weisen auf denselben Weg hin – allerdings unter unterschiedlichen Namen. „So ganz top ist unsere Beschilderung nicht mehr“, fasste die Tourismusexpertin zusammen. Dasselbe gelte für die Übersichtstafeln. „Auch davon haben wir ganz verschiedene in unserem Gemeindegebiet.“ Was oft fehle, seien zudem Anschlüsse über Gemeinden- oder Landkreisgrenzen hinaus. Natürlich gebe es auch Defizite bei der Qualität der Wege. Hier gehe es obendrein darum, Erlebnisse zu schaffen – beispielsweise durch Rastplätze mit Bänken an Stellen, „die besonders aussichtsreich sind“.

Nach Vorgesprächen und einer Auftaktveranstaltung in Lenggries mit dem Alpenverein, Touristikern und anderen Beteiligten stellte Dinter-Adolf das Konzept Tölzer Land Tourismus vor. „Wandern verbindet uns ja alle. Deshalb gib es das Ansinnen, etwas gemeinsam auf den Weg zu bringen.“ Bezuschusst werden könnte das Projekt aus Leader-Mitteln, sofern Lenggries das Ganze koordinierend in die Hand nimmt.

Aufgeteilt werden könnte das Projekt in zwei Phasen. In der ersten geht es um die Erfassung des Wegenetzes, der Beschilderung und der Defizite. Aus all diesen Daten soll ein digitales Kataster entstehen – die Grundlage für weitere Maßnahmen. Rund 200 000 Euro sind dafür angesetzt. Die Hälfte könnte aus Leadermitteln bezahlt werden, die andere Hälfte teilen sich zwölf Gemeinden aus dem Südlandkreis. Pro Kilometer Wanderweg, der in der jeweiligen Kommune verläuft, würden knapp 90 Euro fällig. Für Lenggries mit geschätzt 400 Kilometern an Wegen würde der Anteil bei rund 36 000 Euro liegen.

In Phase II sollen die Wegweiser aufgestellt werden. „Was kostet Phase II?“, wollte Thomas Murböck (CSU) wissen. Das sei schwer zu sagen, antwortete Dinter-Adolf. Man wisse im Moment nicht, wie viele Kilometer Weg man tatsächlich habe und wie viele davon in die Zuständigkeit des Alpenvereins fallen. „Phase II wäre ein eigenes Leaderprojekt“, so Bürgermeister Werner Weindl.

Hans Proisl (FW) war skeptisch. „Haben wir so viel Zeit in der Gästeinfo frei, dass sich Lenggries um dieses Projekt kümmern kann?“, fragte er. Dass das Thema wichtig sei, verstehe er. „Aber wir kümmern uns ja nicht nur um Lenggries, sondern um den ganzen Landkreis. Kann sich die Gemeinde das auftun?“ Weindl beruhigte. Bei einem gemeinsamen Leaderprojekt brauche man einen federführenden Partner. „Und da Lenggries das größte Wegenetz hat, bietet sich das an.“ Aber mit der Wegeaufnahme müsse ein externer Partner beauftragt werden. Und die gelieferten Daten müsste auch die jeweilige Gemeinde kontrollieren. „Wir stellen den Leader-Antrag, sind aber nur für unser Wegenetz verantwortlich.“

Ersteres geht erst, wenn alle Gemeinderäte zugestimmt haben. Einige Kommunen haben das bereits erledigt, in anderen steht der Beschluss noch aus. Josef Wasensteiner (CSU) fand das Engagement grundsätzlich gut. „Dass das notwendig ist, ist keine Frage. Das ist nur zu befürworten.“ Auch Stephan Bammer (FW) fand das „eine gute Sache. Gerade das digitale Kataster ist eine wichtige Grundlage.“ Markus Landthaler würde sich dasselbe auch „für das Radlnetz wünschen“. Christine Rinner (CSU) fand vor allem die Möblierung der Wege sei wichtig. „Wer liebt es nicht, sich an einem schönen Platzerl auf eine Bank setzen zu können?“

Der Gemeinderat beschloss einstimmig, sich am Konzept zu beteiligen und als Projektpartnerin die Leadermittel zu beantragen – sofern die anderen elf Kommunen auch mit im Boot sind und bereit sind, ihren Anteil der Kosten zu übernehmen.

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