Hochwasserschutzmaßnahmen

Damit der Dorfbach in seinem Bett bleibt

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Wie kann der Hochwasserschutz für Reiter-, Hals-, Weiher- und Dorfbach in Lenggries verbessert werden? Darum ging es in einer Infoveranstaltung des Wasserwirtschaftsamts. Die Planungen stoßen bei den Anliegern auf Skepsis. Und bei den geschätzten Kosten musste Bürgermeister Werner Weindl schlucken.

Lenggries – Seit rund 50 Jahren wird am Hochwasserschutz für den Dorfbach und dessen Zuflüsse geplant. Markus Brandtner vom Wasserwirtschaftsamt nutzte die Gelegenheit, um vor den rund 60 Zuhörern im Alpenfestsaal auf die Historie zurückzublicken. In den 1940er- und 50er-Jahren habe es einige Hochwasserereignisse am Dorfbach gegeben. Von 1957 bis 1961 erfolgte ein Ausbau. „Danach war plötzlich Ruhe“, so Brandtner. 1999 habe es örtlich begrenzte Ausuferungen auf Höhe des Kindergartens gegeben, die Augustflut 2005 war kein Problem.

Maximal fünf Kubikmeter Wasser pro Sekunde kann der Dorfbach, der durch den Lenggrieser Ortskern fließt, bewältigen. Bei einem 100-jährlichen Hochwasserereignis sei aber mit 10,8 Kubikmetern zu rechnen. Was dann passiert, machte die Karte deutlich, die die Überschwemmungsflächen im Falle eines Jahrhunderthochwassers zeigte. „Ein großer Teil unseres Ortszentrums würde unter Wasser stehen“, fasste Bürgermeister Werner Weindl zusammen. „Natürlich kann es sein, dass nie was passiert. Aber wenn doch, sind Freistaat und Gemeinde in der Haftung.“

In den vergangenen Jahrzehnten gab es eine ganze Reihe von Planungen. Der ursprüngliche Favorit – die Ertüchtigung des Dorfbachs – stellte sich als nicht machbar heraus. Vor fünf Jahren sprach sich der Gemeinderat für Variante 3a aus: Im Hochwasserfall würde hier das überschüssige Wasser aus dem Reiter- und Halsbach in einer 450 Meter langen, im Boden verlegten Rohrleitung in den Weiherbach übergeleitet. Aus diesem zweigt dann ein Stück bachabwärts eine weitere 860 Meter lange Rohrleitung in Richtung Isar ab. Die Leitungen sind durchaus groß dimensioniert. Im oberen Bereich hat das Rohr einen Durchmesser von bis zu 1,80 Meter. Im unteren Bereich hat die Leitung ein Rechtecksprofil mit einer Breite von 3 Metern und einer Höhe von 1,50 Metern, wie Heiko Nöll von der Planungsgemeinschaft erläuterte. Ähnlich sieht die Hochwasserentlastung für den Lahnerbach aus, die derzeit gebaut wird.

„Wir brauchen im Reiter- und im Halsbach eine gewisse Restwassermenge, um die Natürlichkeit zu erhalten“, sagte Nöll. Letztlich fließen im Hochwasserfall aber nicht mehr als fünf Kubikmeter Wasser im Dorfbach. 6 bis 7 Kubikmeter pro Sekunde würden durch die Rohrleitungen in die Isar abgeschlagen.

Damit das Oberflächenwasser nicht zum Problem wird, ist im oberen Bereich des Reiterbachs ein Deich vorgesehen, der das Wasser Richtung Bach lenkt. „Das ist aber eher eine Geländemodellierung“, beruhigte Brandtner. „Der Deich ist bewirtschaftbar wie eine Wiese“, ergänzte Ingenieur Thorsten Schüürmann. Weiter Richtung Isar seien zudem „einige Zwischeneinläufe geplant, um das über die Felder fließende Wasser in die Überleitungsstrecke zu bekommen“, sagte Nöll.

Um das zusätzliche Wasser aufnehmen zu können, muss der Weiherbach ertüchtigt werden. Wie das genau gestaltet wird, ist noch offen. Hier könnten die Anlieger mitreden. Gelegenheit dazu ist im Mai oder Juni bei einem Workshop.

Dass nur noch hier Mitwirkungsmöglichkeit besteht, erstaunte Gemeinderat Josef Wasensteiner. „Mir erscheint das überdimensioniert“, sagte er mit Blick auf die Rohrleitungen. Auch beim Damm und den Einlaufbauwerken sehe er Einsparpotenzial. Letzteres wäre nicht schlecht. Schließlich beläuft sich die Kostenschätzung derzeit auf 10,5 Millionen Euro – ohne Grunderwerb. An dieser Stelle schluckte Weindl. „Letztes Jahr hieß es sieben bis acht Millionen.“ 30 bis 50 Prozent der Kosten müsste die Gemeinde tragen. „Und ich weiß nicht, wie wir das finanzieren sollen.“

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