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Wie der Wintertourismus im Tölzer Land aufgestellt ist, erläuterten (v. re.) Professor Thomas Bausch, Bergbahnchef Peter Lorenz und Andreas Wüstefeld, Leiter Tölzer Land Tourismus, den Studentinnen.

Tourismus

Diamant im Tölzer Land

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Lenggries – Exkursion in die Praxis: Studentinnen aus dem Bereich Tourismus besuchten gestern das Brauneck. Klein und gemütlich, das macht den Charme des Skigebiets aus, fanden sie.

In der Hochschule München pauken die 15 Tourismusstudentinnen im siebten Semester BWL und beschäftigen sich mit Destinationsplanung. Gestern verdeutlichte Professor Thomas Bausch die trockene Theorie im Tölzer Land. „Mir ist es wichtig, mit Praktikern in den Dialog zu treten“, so Bausch.

Bergbahnchef Peter Lorenz führte die Gruppe aufs Brauneck. „Ein Mosaikstein im Wintertourismus, vielleicht der Diamant im Tölzer Land“, sagte Lorenz. Tourismusleiter Andreas Wüstefeld bezeichnete das Brauneck als den Hauptwirtschaftsberg im Tölzer Land. Im Winter lebt das Skigebiet von Tagestouristen, sagt Lorenz. Urlaubsgäste machen 10 bis 15 Prozent aus. „Ohne die Tagesgäste könnten wir die Pisten nicht so herrichten.“ Denn wichtig für den Wintertourismus sei freilich der Schnee. „Es gibt keine Alternative als weiter in die Beschneiung zu investieren“, so der Bergbahnchef. Obwohl von Umweltschützern als „Teufelszeug“ verschrien, sei der Energieeinsatz geringer, als wenn zwei Gäste aus München mit einem Golf 40 Kilometer weiter nach Österreich fahren, erläuterte Bausch den Studentinnen.

Allerdings, so bemerkte Lorenz, sei es nicht leicht gewesen, den Speicherteich und den neuen Sechser-Sessel zu bauen. „Da habe ich Tiere kennengelernt, von denen ich noch nie gehört hatte.“ Solche Maßnahmen sind wichtig, um die Wertschöpfung in der Region zu halten. „Wenn die Bergbahn einen Euro verdienen, macht das fünf Euro für die Region“, sagte Lorenz.

Interessant für die Studentinnen war, dass im Gegensatz zu Österreich Skigebiete in Bayern nicht erweitert, sondern nur qualitativ verbessert werden. „In Tirol ist es ja teilweise gruselig, wie die Berge zugebaut sind“, meinte Bausch. Von hohem Flächenverbrauch könne am Brauneck keine Rede sein, bestätigte Lorenz. „Wir nutzen 0,8 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen, und das für vier bis fünf Monate im Jahr.“

Dass das Skigebiet am Brauneck klein und gemütlich ist, „das macht den Charme aus“, fand Manuela Heckl. Die 24-Jährige diskutierte während der Auffahrt mit Kommilitoninnen, ob die Bergbahn als Attraktion im Wintertourismus reicht. „Garmisch ist eher für den Skisport bekannt“, sagte Anisia Ribu (23). Auch Katharina Stechl (24) hielt es für eine große Herausforderung, neue Produkte zu finden. „Ein Gondelerlebnis mit Glasboden, Musik und Champagner vielleicht.“ Junge Leute könnten möglicherweise auch von einem Snowboardpark angezogen werden, meinte Heckl.

Bayern sollte stärker auf Wintererholung setzen, fand Professor Bausch. „Wohlfühlen auf der Panoramaterrasse.“ Schließlich gebe es immer weniger Skifahrer. Bergbahnchef Lorenz wünscht sich hingegen, wieder mehr das Erlebnis Skifahren in den Vordergrund zu rücken. Es werde zunehmend als uncool wahrgenommen. „Wenn ich den Ort anbiete, gehört Skifahren schon rausgestellt.“

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