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Nikolaus Wiedemann ist seit 60 Jahren als heiliger Mann in Lenggries und Umgebung unterwegs.

Jubiläum

Dieser Nikolaus erfreut die Kinder seit 60 Jahren

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Er ist wohl der bekannteste Nikolaus im Landkreis - und vermutlich auch der dienstälteste. Nikolaus Wiedemann hat in den Familien schon vieles gesehen und erlebt.

Lenggries – Nikolaus Wiedemann schon seit 60 Jahren den Kindern in Lenggries die Leviten. Dabei hat er schon viel erlebt und gesehen. Vor allem weiß er, was sich in all den Jahren am Nikolausabend verändert hat.

Zugegebener Maßen: Auch für Erwachsene ist er eine beeindruckende Erscheinung. Wenn der knapp 1,90 große Mann im roten Mantel, langem weißen Bart und seinem hohen goldenen Stab vor der Tür steht, fühlt man sich wie ein fünfjähriges Kind, das hofft, anstatt einer Standpauke, Schokolade und Mandarinen von ihm zu bekommen.

In über einem halben Jahrhundert in die Rolle des Nikolaus hineingewachsen

Nikolaus Wiedemann (76) ist über mehr als ein halbes Jahrhundert in seine Rolle gewachsen und hat dabei auch sein Kostüm immer professioneller gestaltet. „Man lernt dazu“, sagt er und lacht. „Früher habe ich zum Beispiel die weißen Haare an der Mütze befestigt. Dann ist die mir einmal runtergefallen, das war mir so peinlich, dass eine andere Lösung her musste.“ Seit diesem Vorfall vor vielen Jahren trägt er eine professionelle Perücke unter dem roten Bischofshut.

Auch der Bart wurde über die Jahre hinweg professioneller: Eine umgedrehte Perücke, die hinter den Ohren mit Gummibändern befestigt ist, dazu ein separater selbst geknüpfter Schnauzer. „Einteilige Fertigbärte verrutschen beim Reden immer so schnell“, erklärt der Profi. Das Kostüm ist mit rotgoldenem Ring und sogar roten Lederschuhen bis ins letzte Detail durchdacht. Bei all den Aufträgen geht freilich nichts ohne eine helfende Hand im Hintergrund. Um alles hinter den Kulissen kümmert sich seine Frau Hanni liebevoll. „Sie bürstet immer meine Perücken und achtet darauf, dass alles seine Ordnung hat“, sagt der Nikolaus stolz.

Viele Familien besucht Nikolaus Wiedemann schon seit Generationen 

Seit vier Jahren ist er nur noch alleine – ohne Krampus – unterwegs. Sein letzter Krampus waltete über 30 Jahre seines Amtes. Damals waren sie noch überhäuft mit Aufträgen. Über 15 Termine an einem Abend. Jedes Jahr zogen die beiden vom 4. Dezember bis einschließlich 7. Dezember um die Häuser und besuchten sowohl brave Kinder, als auch Lausbuben, Senioren und die Besucher beim alljährlichen „Lichterzauber“. Dabei waren sie teilweise von 15 bis 21.30 Uhr ohne Unterbrechung auf Achse. „Es ist ein Balance-Akt, dabei den Zeitplan einzuhalten, ohne dass die Kinder und Familien merken, dass man es eilig hat“, erklärt er.

Viele Familien besucht Wiedemann mittlerweile schon seit Generationen. „Es ist wahnsinnig schön, die Kinder von Bekannten zu besuchen, bei denen ich – als sie selber noch Kinder waren – schon als Nikolaus da war“, schwärmt der 76-Jährige.

„Früher war der Nikolausabend ein sehr besonderer und festlicher Tag“

Eines ist ihm über die vielen Jahre deutlich aufgefallen: „Früher war der Nikolausabend ein sehr besonderer und festlicher Tag. Alles wurde schön hergerichtet und die ganze Familie ist zusammengekommen.“ Heute würde in manchen Haushalten nicht einmal mehr eine Kerze brennen, wenn er als Nikolaus an der Tür klopft. „Und obwohl alles weniger feierlich als früher abläuft, bekommen die Kinder immer größere Geschenke“, tadelt der Nikolaus so manch eine Familie. Vor einigen Jahren sei laut Wiedemann alles noch andächtiger und ehrfürchtiger gewesen. Doch die Familien, die Wiedemann auch heute noch besucht, müssen etwas richtig gemacht haben. Schließlich nimmt er nach 60 Dienstjahren nicht mehr jeden Termin an – nur noch die, bei denen er sich wohl und wertgeschätzt fühlt.

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„Das Funkeln in den Augen der Kinder freut mich jedes Jahr aufs Neue“, sagt der Nikolaus. Es ist, neben der Liebe zu dem Brauchtum, auch sein Antrieb weiterzumachen. Wie lange noch, das kann er nicht sagen. „Beim 50-Jährigen hätte ich auch nicht gedacht, dass ich es noch zehn weitere Jahre mache“, sagt er schmunzelnd.

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60 Jahre lang hat er bisher sämtliche Kinder- und Familienwünsche erfüllt. Ein Wunsch von ihm selbst ist dabei jedoch auf der Strecke geblieben: „Ich wollte immer einmal mit einem Pferdeschlitten von Haus zu Haus fahren.“ Als er einen Bauer gefunden hatte, der sich dazu bereit erklärte, mit seiner Kutsche zu helfen, lag nie wieder genug Schnee am Nikolaustag auf den Straßen. 

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„Dazu wären heute die Entfernungen zu den Familien, die ich noch besuche zu groß“, erklärt er. Aber diese Tatsache hält den zweifachen Familienvater nicht davon ab, solange weiterzumachen, wie er noch Freude daran hat, als heiliger Nikolaus Kindern aus Lenggries ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und dabei den ein oder andern Lausbuben auf eine nette Art die Leviten zu lesen.

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